Zudem hatte der Portugiese seine Mannschaft ganz auf Arjen Robben ausgerichtet. Neben Linksverteidiger Cristian Chivu befand sich auch Pandev stets in der Nähe des Niederländers, und wenn die Not besonders groß schien, eilte auch noch Esteban Cambiasso herbei. Einmal kam es tatsächlich vor, dass während eines FCB-Angriffs fünf Inter-Spieler näher an Robben standen als der nächste Münchner. Dass sich der Niederländer überhaupt die eine oder andere Torsituation erspielte, muss ihm hoch angerechnet werden. "Inter hat so gespielt, wie wir es erwartet haben" sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal. "Inter spielt mit einer guten Organisation und so mussten wir in einem engen Raum angreifen."

Anzeige

Die Folge dieser Ausrichtung war eine signifikante Spielerballung auf der linken Seite. Für ihren Report nach Spielende erstellt die Uefa ja jede wichtige und unwichtige Statistik, unter anderem berechnet sie sie mit Hilfe der modernen Technik, auf welcher Position des Spielfeldes sich ein Spieler im Durchschnitt befunden hat. Wer in dieser Grafik eine Linie von Inter-Torwart Julio Cesar zu Bayerns Schlussmann Jörg Butt einzeichnet, der sieht: Gleich sechs Spieler von Inter Mailand hielten sich mehrheitlich auf der linken Seite, der Robben-Seite auf.

Da aber selbst Mourinho nicht in der Lage ist, mehr als zehn Feldspieler zu nominieren, entstanden auf der anderen Abwehrseite zwangsläufig kleinere Lücken. Doch es schien ihm fast egal zu sein, dass Altintop und Schweinsteiger dort in der einen oder anderen Situation relativ große Räume hatten - solange Robben gedoppelt, getrippelt, gequadruppelt oder gequintuppelt war, war die Welt in Ordnung. So mancher Zuschauer dürfte sich gefragt haben: Was wäre nun eigentlich gewesen, wenn auf der anderen Seite nicht der brave Altintop gespielt hätte, sondern der kreative Franck Ribéry? Diese Einseitigkeit hätte sich Mourinho jedenfalls nicht leisten können.

Ohne Ribéry aber entwickelte sich ein Spiel, in dem Inter nur halb so viel Ballbesitz und nur halb so viele Torschüsse hatte wie der FC Bayern - und trotzdem verdient gewann. "Jeder Trainer hat die Wahl, so zu spielen, dass er gewinnt", sagte Louis van Gaal, aber in diesem Moment klang nicht nur der Champions-League-Final-Verlierer van Gaal resigniert, sondern auch der Offensivfußballverfechter van Gaal.

Dass aber im kommenden Jahr wieder eine von José Mourinho trainierte Mannschaft mit einem solchen Spielstil die Champions League gewinnt, das scheint fraglich. Real Madrid als kompakte Einheit, die auf Konter lauert? Das scheint in etwa so wahrscheinlich wie der Friedensnobelpreis für den in der Schlussphase eingewechselten Marco Materazzi.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Fünf gegen Robben
  2. Sie lesen jetzt Neuer Stil bei Real?
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/hum)