Robben und Gomez angeschlagen, Klose glücklos, Schweinsteiger gesperrt: Beim Spiel gegen Manchester muss Louis van Gaal auf Spieler setzen, denen er das Vertrauen entzogen hat.
Es darf davon ausgegangen werden, dass Arjen Robben finanziell ausgesorgt hat, wenn er einmal mit dem Fußball aufhört, doch falls nicht: Er hat noch andere Talente. In der medizinischen Schnelldiagnose auf dem Rasen beispielsweise macht ihm kaum jemand etwas vor. Robben weiß sofort, wenn es vorbei ist. Erst ein tastender Griff an die linke Wade, dann eine kategorische Da-geht-gar-nichts-mehr-Geste zur Bank des FC Bayern - kurz vor Abpfiff war das Spiel beendet, das für Robben mit einer Einwechslung zur Halbzeit erst begonnen hatte.
Miroslav Klose agiert derzeit glücklos - wie in dieser Szene gegen den VfB Stuttgart. (© Foto: ddp)
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Seinem hochsensiblen Athletenkörper sollte eigentlich viel Schonung gewährt werden nach jenem atemraubenden 70-Meter-Solo drei Tage zuvor zum 1:0-Sieg im DFB-Pokal bei Schalke 04 und vor dem Festspiel-Dienstag im Viertelfinale der Champions League gegen Manchester United. Doch nun wird der fragile Filigran wohl ausgerechnet gegen ManU fehlen, seine erste Felddiagnose hatte auch am Sonntag noch Bestand: Zerrung der linken Wade, Einsatz unwahrscheinlich.
Kleine Muskelfasern, große Folgen. Die Robben-Verletzung war die dramaturgisch passende Pointe eines aus Münchner Sicht völlig verkorksten Nachmittags. Was für die Tabelle zählt, sind die Fakten: Wie schon in der Woche zuvor beim 1:2 in Frankfurt, konnten die Bayern auch beim 1:2 (1:1) gegen den VfB Stuttgart eine 1:0-Führung nicht behaupten. "Zwei Niederlagen hintereinander - das passiert nicht oft", grübelte Mark van Bommel, der Kapitän jenes Klubs, der nun mit einem Zwei-Punkte-Rückstand zum Spitzenspiel am Ostersamstag nach Schalke reist.
Schwerer zu deuten sind die internen Stimmungen bei den Münchnern -, und dass da am Samstag einiges in Schieflage geraten sein könnte, darauf deutete nicht nur der optische Eindruck im Stadion hin, sondern auch eine Kernbotschaft von Miroslav Klose, dem vereinsamten Mittelstürmer. Angesprochen auf den Doppelwechsel zur Pause, als Arjen Robben und Frank Ribéry vom Publikum mit einem orkanartigen Erlöser-Beifall empfangen wurden, sobald sie nur die kunterbunten Schuhe schnürten, sagte er: "Das sind zwei Spieler, die ein Spiel allein entscheiden können. Aber man muss auch bedenken, dass neun andere auf dem Platz sind, die die Drecksarbeit machen."
Eingewechselt wurde die Prominenz, für sie ausgewechselt wurde das Tor: Danijel Pranjic, der in der 32. Minute die Flanke zum 1:0 gab, und Ivica Olic, der sich im Stile eines Kung-Fu-Kämpfers dem Ball entgegenwarf. Der Plan war klar, aber er ging nicht auf. Eine ermattende Stuttgarter Abwehr sollte von den Dribbelkünstlern Robben/Ribéry über die Flügel aufgerissen werden, doch die Elf fand "keine Lösungen" mehr, wie Bayern-Stratege Louis van Gaal beklagte.
Auf dem Statistik-Zettel, den die Münchner später verteilen ließen, stand hinter der Rubrik "Torschüsse" die Ziffer"9" - doch wer streng rechnete und nach dem 0:1 nur noch die ernsthaften Prüfungen für Jens Lehmann in die Wertung nahm, dem blieb eine "1". Ein einziges Mal noch, bei einem Klose-Kopfball Mitte der zweiten Halbzeit, musste der VfB-Torwart stabil an der richtigen Stelle stehen. Da Trainer naturgemäß auch Spekulanten sind, bleibt festzustellen, dass sich Louis van Gaal an diesem Tag verzockt hat: Warum er Olic, seiner vitalsten Sturmkraft, zur Pause das Vertrauen entzog, blieb sein Geheimnis.
Zumal die Rolle des Miroslav Klose schon bis zum ManU-Spiel dringendst einer Überarbeitung bedarf. Zu sehr reiht sich Klose unter besagte Drecksarbeiter ein, die Fleißpunkte in der eigenen Hälfte sammeln, zu selten ist er dort zu Gast, wo ein Stürmer erwartet wird: in des Gegners Strafraum, in the box, wie die Risikozone in England genannt wird.
Die Hilfsdienste mögen Kloses sozialer Ader geschuldet sein, gewiss auch der bitteren Erkenntnis, dass das Duo Robben/Ribéry seinen Promibonus auslebt, doch die Folgen für die Struktur der Bayern-Elf sind gravierend: Vorne, im Zielbereich, fehlte nicht nur gegen den VfB Stuttgart die Zuspitzung. Da auch beim Kollegen Mario Gomez zuletzt die Muskelfasern streikten, flogen bei vielen im Publikum ein paar sehnsüchtige Gedanken gen Süden.
Denn gerade dieses Spiel gegen Stuttgart wäre eines für den Stürmertypus Luca Toni gewesen, für einen, der vorne drückt und schiebt, der präsent und lästig ist und manchmal etwas Verbotenes versucht. Luca Toni gehört noch den Bayern, am Samstag traf er für den AS Rom; nach dem Siegtor gegen Inter Mailand zeigte er dort seinen berühmten Ohrenschrauber. Falsch war es nicht, perspektivisch auf den sperrigen Toni zu verzichten, falsch aber ist es, dessen zentrale Rolle nicht stets neu zu besetzen.
Chance für Altintop oder Timoschtschuk
"Ich bedanke mich für die Mühe, die sie sich gemacht haben", sprach Louis van Gaal auf der Pressekonferenz salbungsvoll in Richtung seiner Spieler. Es sind strapaziöse Tage, in denen viel zu gewinnen und viel zu verlieren ist. Gesundbeten kann er Robben bis zum Dienstag nicht, aber er wird seinen Kader umstellen müssen, zumal der im Mittelfeld nahezu unersetzliche Bastian Schweinsteiger eine Gelbsperre absitzt.
Louis van Gaal wird auf Spieler setzen müssen, denen er das Vertrauen eigentlich entzogen hat: auf Altintop oder Timoschtschuk zum Beispiel, Reservisten, die auch einmal prominent und wertvoll waren. Am Samstag saßen beide bei Anpfiff neben Robben und neben Ribéry. Da genossen sie ein Privileg. Sie saßen auf der teuersten Bank der Welt.
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(SZ vom 29.3.2010/jüsc)
Bergkirchweih in Erlangen
vielleicht war oder ist das in Gelsenkirchen einfacher; denn von Schalke war nichts zu erwarten, und Schalke hat noch nichts erreicht und hat auch im Pokal recht destruktiv gespielt, viele Schulden und zu guter letzt als Trainer ja keinen Schlechten.
Ob man den Tabellenstand von Schalke als Indiz einer Wandlung nehmen kann, glaube ich nicht - allerdings baut auch Felix Magath konzeptionel an der Mannschaft, so wie er das auch in Wolfsburg versucht hat. Trotzdem ist auch Magath nicht von ähnlichen Fehlgriffen gefeit, wie sie VG unterlaufen. Aber auf einem guten Weg ist er allemal und für eine Überraschung ist er immer gut, wie uns die vergangene Saison lehrt.
Ich meine mit Saulus aber nicht, dass die Mannschaft mit schlechten Spielern besetzte gewesen ist, sondern dass die Mannschaft als Kollektiv auch nicht annähernd so stark gewesen ist, wie die Summe ihrer Einzelspieler hätte vermuten lassen. Ich denke, dass VG - wie im Übrigen auch Felix Magath, Jürgen Klopp, Thomas Tuche, Michael Skibbe etc. - genau das Gegenteil anstrebt: nämlich eine Mannschaft die erheblich stärker ist als die Summe ihrer Einzelspieler - und das hat es in München zum letzen Mal unter Ottmar Hitzfeld gegeben.
Na gut, dann gewinnen wir halt morgen... :-)
"Dabei gibt es keinen Grund; denn wer konnte und kann allen Ernstes glauben, dass mit einem neuen Trainer, kaum entscheindend neuen Spielern, die der Trainer eher auch perspektivisch geholt hat, wer konnte glauben, dass diese Mannschaft sich von heute auf morgen vom Saulus zum Paulus wandelte..."
1) Hm, schauen sie sich doch mal Schalke an.... da findet o.g. exakt gerade statt...
2) Bayern hat übrigens diese Saison Robben und Gomez geholt...und war auch letztes Jahr kein "Saulus"
... zu lernen.
Nebenbei: Selbst wenn ein Müller mal überspielt sein sollte - wenn er ein wirklich guter werden will, muss er auch da durch.
Also: ich fand es eigenlich langweilig, in jedem Jahr unter Magath Schale und Pott zu holen und in Europa zu versauern.
Die Beckenbauer, Müller, Meier ... haben auch ein klein wenig Zeit bekommen. Und die kennt man heute noch.
Die Nervosität des Diskutantenkreises amüsiert.
Dabei gibt es keinen Grund; denn wer konnte und kann allen Ernstes glauben, dass mit einem neuen Trainer, kaum entscheindend neuen Spielern, die der Trainer eher auch perspektivisch geholt hat, wer konnte glauben, dass diese Mannschaft sich von heute auf morgen vom Saulus zum Paulus wandelte, sie mit einigen Punkten Vorsprung deutscher Meister wird, sie nebenher den DFB Pokal gewinnt und sie zudem mindestens ins Endspiel der CL einzieht?
Mal ehrlich: die Mannschaft hatte nach Hitzfeld noch unter Magath doch keine Perspektive langfristig sich in Europa zu etablieren. Wieder unter Hitzfeld wurde dann aber genausowenig perspektivisch aufgebaut. Klinsmann hatte zumindest die Ahnung wohin es gehen sollte und nun versucht sich Van Gaal an einem längerfristigen Aufbau einer strukturell gesunden Mannschaft. Meines Erachtens ist dies eine besonders spannende Geschichte: erstens die Integration von jungen Hochbegabten und etablierten Begabten, zweitens die Einführung eines modernen Spielsystems und drittens: dabei Erfolg zu haben.
Natürlich wird VG schauen, wer passt in die Struktur der Mannschaft, wie er sie sich vorstellt, wer kann seine Vorstellungen vom Fußball umsetzen und ist dafür bereit
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