Dieses 0:4 in Barcelona hat den FC Bayern tief getroffen, vor allem deshalb, weil die Niederlage noch drastischer hätte ausfallen können. Die Münchner blicken mit dem Fernglas auf die europäische Spitze, Jürgen Klinsmann muss sich hinterfragen.
Der Zitateschatz von Uli Hoeneß ist derart reich, dass sich ohne großen Aufwand ein Wälzer von mindestens 500 Seiten füllen ließe. In dieser Sammlung gibt es den Satz vom 8. Mai 2007, als der Manager des FC Bayern sagte: "Wir müssen dafür sorgen, dass wieder das Wehklagen einsetzt, wenn die anderen uns in der Tabelle mit dem Fernglas anschauen."
Jürgen Klinsmann beim Spiel gegen den FC Barcelona. (© Foto: Getty)
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Wie so oft sollte Hoeneß recht behalten mit dieser Aussage - nur seitenverkehrt: Kaum zwei Jahre später hat der FC Bayern dafür gesorgt, dass Wehklagen einsetzen, weil nun die Münchner mit dem Fernglas auf die europäischen Spitzenklubs schauen müssen. "Die erste Halbzeit war eine Demontage. Es wurden uns die Grenzen aufgezeigt", sagte Trainer Jürgen Klinsmann nach dem Spiel.
Die Verantwortlichen wurden noch drastischer: "Was ich in der ersten Halbzeit gesehen habe, war das Fürchterlichste, was ich von dem FC Bayern je gesehen habe", sagte Präsident Franz Beckenbauer. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ergänzte: "Was wir hier erlebt haben, hat reichlich Leute schockiert. Die Frage ist, ist man mehr wütend oder traurig."
Dieses 0:4 hat den FC Bayern tief getroffen, vor allem deshalb, weil die Niederlage in dieser Höhe nicht verdient war. Ein 0:6 wäre leicht möglich gewesen oder gar ein 0:8, hätte der FC Barcelona die zweite Spielhälfte nicht zu einer Trainingseinheit verwandelt, die dem bekannten "5 gegen 2" ähnlicher war als einem Spiel. Diese blamable Vorstellung zielt vor allem auf den Stolz und das Selbstverständnis dieses Vereins, der sich seit Jahren in der Rolle dessen sieht, der den deutschen Vereinsfußball würdig vertritt, während andere Vereine wie Werder Bremen, Schalke 04 oder der Hamburger SV sich regelmäßig nach den ersten Runden aus der Champions League verabschieden.
Und nun - wie schon im Vorjahr in St. Petersburg - eine deutliche 0:4-Niederlage in einem wichtigen Spiel auf europäischer Bühne. Es bleibt die Frage, wie die Verantwortlichen des FC Bayern diesen Auftritt - auch in Verbindung mit dem 1:5 in Wolfsburg - bewerten. Uli Hoeneß erklärte, er wolle "erst eine Nacht darüber schlafen". "Man muss in Ruhe die Dinge bewerten und rational eine Entscheidung treffen", ergänzte Rummenigge.
Gründe für diese Niederlage gibt es viele. Freilich fehlten beim FC Bayern wichtige Spieler wie Miroslav Klose, Lucio und Philipp Lahm - und es ist nicht erst seit dieser Woche bekannt, dass es dem Kader der Münchner an Tiefe fehlt. Und natürlich ist der FC Barcelona derzeit das Höchstmaß im europäischen Vereinsfußball - eine Mannschaft, die nur schwer zu stoppen ist, wenn sie sich derart entfalten darf wie an diesem Mittwoch.
Auffällig war jedoch, wie sehr sich dieser FC Barcelona entfalten durfte, während die Spieler des FC Bayern die interessierten und staunenden Zuseher gaben. Das Zeichen, das Mark van Bommel zu setzen versuchte, als er Lionel Messi unsanft stoppte, mutete eher an wie ein Frustfoul als eine kraftvolle Botschaft an seine Mitspieler, endlich hineinzufinden in dieses Spiel. Seine Mitspieler Franck Ribéry und Luca Toni, die das Prädikat "Weltklasse" für sich reklamieren, reagierten nicht darauf und betrachteten die katalanischen Kurzpass-Koryphäen beim Exekutieren jenes Fußballs, den Klinsmann eigentlich von seiner Mannschaft fordert.
Der FC-Bayern-Coach hat diesen Kader nicht zusammengestellt, wie er kürzlich im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärte. Es ist aber nicht nur die Aufgabe eines Trainers, Reformen anzustoßen und ein Umdenken zu fordern - es ist die einem Trainer ureigene Aufgabe, aus einem Kader das Optimale herauszuholen. Und Klinsmann muss sich nun fragen, ob es eine kluge Entscheidung war, den Torhüter zu wechseln vor dieser Partie. Ob es sinnvoll war, Christian Lell gegen den flinken und fintenreichen Lionel Messi spielen zu lassen - und warum das Duell Massimo Oddo gegen Thierry Henry bisweilen einem Wettlauf zwischen einer Antilope und einem Wasserbüffel nicht unähnlich war.
Klinsmann ist ein Mensch, der fordert, sich stets zu hinterfragen. Dieser Jürgen Klinsmann muss nun bewerten, ob er den gesamten Kader des FC Bayern tatsächlich besser machen kann. "Helm auf und durch", sagte Klinsmann nach dieser Begegnung, bei der er am Ende regungslos in seiner Coaching Zone stand.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Klinsmann nicht nur einen Helm braucht - sondern bald auch ein Fernglas, um die Spiele des FC Bayern zu betrachten.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/jja)
Verrückter Eisladen in der Maxvorstadt
Jetzt ist das Wehklagen gross, als jahrzehntelanger Bayernfan bin ich in zweierlei Hinsicht "betroffen " nach der Vorstellung in Barcelona. Jetzt prasselt es Kritik an allem und jedem, Klinsmann raus, ist noch das Einfachste. Ja, Angriffsflächen bot und bietet er genügend: Mexikanischer Cotrainer, Buddhas auf dem Dach usw.. Man stelle sich vor, ein japanischer Fussballclub stellt sich schwarze Madonnafiguren aus Altötting aufs Dach!
Nein, Spass beiseite, die Fehler sind nicht gestern gemacht worden und mit Lahm und Luzio hätte man nur 0:3 verloren!
Ein Gutes hat diese Pleite der letzten Wochen, gnadenlos wurden die Fehler aufgezeigt und nicht an allen ist Klinsmann schuld. Wer verkündigte dauernd lauthals, man brauche keine Verstärkung, sogar noch in der Winterpause?
Ich bin darauf gefasst, sofort beschimpft und geschmäht zu werden: Für mich liegt der Hintergrund der jetzigen Misere im Sommermärchen der WM und der Poldi/Schweini-Hysterie! Ein paar Sonntagsschüsse genügten, die beiden in den Fussballhimmel zu heben.
Es braucht doch keine Video-Aufzeichnungen der letzten Wochen, um zu belegen, dass Schweinsteiger ein äusserst durchschnittlicher Spieler ist. Wie verbringt er seine 90 Minutenauf dem Spielfeld? Meist äuft er herum wie ein Lehrling, der am ersten Arbeitstag erkannt hat, den falschen Beruf gewählt zu haben. Stimmen die Zahlen die kolportiert werden, so hat Schweinsteiger ein Mehrfaches an Jahresgehalt wie z.B. Herr Mehdorn, der von der gesamten Nation in der Luft zerrissen wird wegen seiner Ansprüche. Ja sicher, der Vergleich hinkt ein wenig, aber könnte man nicht verlangen, 90 Minuten lang wenigstens Kampfgeist zu zeigen?
Ja, ich lasse Lell und Ottl in Ruhe, ich habe mich nur auf einen Führungsspieler konzentriert!
"Ich gebe auch den Medien- und Eventfans ein gehöriges Maß an Mitverantwortung."
Das ist natürlich nur konsequent. Nachdem die Bayern-Fans hier ja seit Ewigkeiten bei jedem SZ-Artikel Amok gelaufen sind, der einen Funken Kritik am "Flagschiff" des deutschen Fußballs enthalten hatte; müssen für Sie ja zwangsläufig auch die Medien schuld sein, wenn's die herbste Klatsche auf europäischer Bühne seit Menschengedenken gibt. Ist jetzt nicht superlogisch, aber war die Kritik hier im Kommentarbereich ja selten.
Wie ich bereits schrieb: Das war eine Bayern-Klatsche, nehmt sie hin und versucht nicht noch Hinz und Kunz da mit reinzuziehen; das macht doch alles nur noch lächerlicher. Die Retter des deutschen Fußballs seid Ihr doch schließlich auch immer ganz alleine gewesen. ;-)
und der Aufstieg des VfL Wolfsburg bedeutet auch einen Aufstieg für Christian Wulf, da das Land Niedersachsen einen nicht unbeträhtlichen Anteil an VW-Aktien besitzt :-)
Mal wieder zum Kringeln ihr Kommentar. Sie deuten wahrscheinl. auch den morgendlichen Gang aufs Klo irgendwie politisch.
Klinsi hat wohl insgeheim den Fehler gemacht, dass er den FCB wie die Nationalmannschaft trainieren wollte. Da diese Vereinsmannschaft ja auch immer gern so tat, als sei sie sowieso die bessere Nationalmannschaft, lag es nahe zu glauben, dass man aus dem FCB den nächsten Weltpokalsieger formen könnte.
Nun ist klar geworden, dass sich die Münchner Überheblichkeit nicht auszahlt.
Ob ein anderer den Bayern helfen kann ist allerdings auch fraglich.
Vielmehr versinnbildlicht der FCB derzeit ganz gut, was auch der CSU widerfährt, nämlich den langsamen Verlust von überregionaler Stärke.
...eine schnittmenge zwischen Euch gibt) die deutsche Mannschaften auf Weltniveau spielen sehen möchten empfehle ich Eurosport: dort läuft die EHF Champions League, mit 3 deutschen Mannschaften im Halbfinale:-)
Ich hoffe der HSV Hamburg zeigt gegen Ciudad Real seine Zähne und setzt sich durch. Handball hat auch einen sehr hohen Stellenwert in Spanien.
Paging