Von Johannes Aumüller

Gegen Juventus Turin freut sich Trainer van Gaal über den besten FC Bayern seiner Amtszeit. Doch am Ende steht ein 0:0 und das Bangen um Arjen Robben.

Erst seit knapp drei Monaten ist Louis van Gaal als Cheftrainer des FC Bayern tätig, und noch steckt der Niederländer voller Rätsel und Unwägbarkeiten, was sich bei nahezu jedem Spiel der Münchner beim Blick auf den Aufstellungsbogen manifestiert. Eine Sache aber hat der 58-Jährige nachhaltig geklärt: dass er bisweilen richtig wütend werden kann. Gegenüber Spielern, die im Training seinen Passübungsvorgaben nicht genügend nachkommen. Gegenüber Journalisten, die ihm Fragen stellen, die ihm nicht in den Kram passen. Und, wie beim 0:0 des FC Bayern am Mittwochabend gegen Juventus bewiesen, gegenüber Schiedsrichtern.

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Louis van Gaal kann sauer werden: Gegen Turin bekommt der vierte Schiedsrichter Lee Mason aus England seinen Grimm zu spüren. (© Foto: AFP)

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Als Howard Webb nach zweiminütiger Nachspielzeit die Partie abpfiff, stürmte van Gaal so wütend auf den Assistenten und den vierten Mann zu, als wolle er ihnen mindestens einen Aufstellungsbogen um die Ohren hauen. Ein ganzes Bündel an Erklärungen lieferte er hinterher für seinen Wutausbruch: Das ganze Spiel über habe Webb sehr kleinlich gepfiffen, die Nachspielzeit sei nicht korrekt gewesen, und es sei nicht normal, in dieser Spielsituation abzupfeifen.

Dass er es bei seiner Attacke auf dem Feld übertrieb, räumte er später freimütig ein "Ich sehe, der Markus hat das sehr vernünftig gemacht", sagte er mit einem schmunzelnden Blick auf die Fernsehbilder, die deutlich zeigten, wie Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick den wütenden van Gaal aus dem Umkreis der Unparteiischen entfernte.

Mediendirektor Hörwick war an diesem Abend nicht der einzige Münchner, der aus van Gaals Mund ein großes Lob vernahm. Auch seine Spieler lösten in ihrem oft so kratzbürstig und streng auftretenden Trainer viel Begeisterung aus. "Ich denke, so eine gute Bayern-Halbzeit haben wir in dieser Saison noch nicht gesehen", sagte er - und hatte recht. Die Münchner spielten und passten und kombinierten in den ersten 45 Minuten, als wollten sie ihrem Trainer nachhaltig beweisen: Sieh her, Louis, wir haben dich und deine Anforderungen verstanden. Mit einer geringen Fehlerquote und hoher Passsicherheit kontrollierten sie die Partie, was van Gaal besonders freut, denn Ballkontrolle ist für den Niederländer der Schlüssel zu allem weiteren.

Formidabler Franck Ribéry

Zu diesem "allem weiteren" zählten gegen Juventus Turin vor allem mehrere fein herausgespielte Torchancen und einige formidable Antritte von Franck Ribéry, der gleich mehrere starke Szenen hatte und als Höhepunkt auf engstem Raum zwei Gegenspieler austanzte. Dazu zählten aber auch eine weitgehend solide Abwehr, die nur drei gegnerische Torchancen zuließ, und ein überraschend präsentes Sechser-Duo im Mittelfeld, das aus Bastian Schweinsteiger und dem für Anatolij Timoschtschuk in die Startelf gerückten Andreas Ottl bestand. Fatalerweise zählte zu "allem weiteren" aber nicht die Freude über ein Tor, weshalb es beim 0:0 blieb und die Bayern-Spieler allesamt "sauer" und "enttäuscht" das Stadion verließen.

Formal hatte van Gaal wieder das 4-3-3 gewählt, wobei mit Thomas Müller einer aus dem Mittelfeld seine Rolle diesmal so offensiv auslegte, das die Bayern-Formation bisweilen schon einem 4-2-4 glich - was eine im Weltfußball erfolgreiche Mannschaft zum letzten Mal zu einer Zeit praktizierte, als die Aufstellungsbögen noch auf Pergament notiert wurden. Doch so offensiv die Münchner auch antraten, so gut sich die Angriffskräfte (Ribéry, Klose, Müller, Robben) ergänzten und so zahlreich sie sich beste Torchancen erspielten (insgesamt sechs) - ein Treffer gelang ihnen nicht.

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  2. Brennpunkte im Kader
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