Von Javier Cáceres

Christian Lells unvergesslicher Albtraum gegen Leo Messi. Der kleine Stürmer hält die gesamte Bayern-Abwehr in Atem.

Seine Absichten hatte Leo Messi, 21, sehr eindeutig formuliert. "Ich will diese Champions League gewinnen", hatte der junge Argentinier am Vorabend der Partie gegen den FC Barcelona erklärt, den eigenen Blick mit großer Bestimmtheit auf das Finale in Rom gerichtet. Der FC Bayern?

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Da hilft auch kein Festhalten. Der Stürmerstar Lionel Messi ist nicht vom Ball zu trennen. (© Foto: Reuters)

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Ein Hindernis, das jedoch im Verlaufe der Stunden bis zum Abend immer kleiner wurde, in dem Maße, wie durchsickerte, dass Philipp Lahm, Bayerns etatmäßiger Linksverteidiger, verletzungsbedingt ausfiele. Ein in Spanien umso mehr respektierter Mann, als er mal vom FC Barcelona begehrt wurde.

Aber Lell? Wer ist Christian Lell, der ihn am Mittwochabend ersetzen sollte?, fragten sich die Barcelonesen. Im Camp Nou hat er sich nun einen Namen gemacht: Als der Mann, der von Messi, 21, genannt el Pulga, der Floh, in einen mutmaßlich ewigen, jedenfalls unvergesslichen Albtraum gestürzt wurde.

Längst herrscht in Spanien Konsens, dass Messi, der als Jugendlicher aus Rosario nach Barcelona kam, zum besten Fußballer der Welt herangereift ist. Am Mittwochabend wurde er zur dominierenden Gestalt eines unsagbar ungleichen Duells. Und das, obschon er weit beeindruckendere Vorstellungen geliefert hat, an Gegnern wachsen konnte.

Das war am Mittwoch nicht der Fall: Kaum je hat sich Messi in den vergangenen Jahren einem Gegenspieler gegenübergesehen, der ihm so viel Platz ließ wie Lell. Und kaum je gab es einen Verteidiger im Camp Nou, der überforderte wirkte als das Münchner Eigengewächs. Stets stand er in ehrfurchtsvoller Ferne von seinem Rivalen, gedanklich und physisch. Mit der Unerbittlichkeit seines Talents erspielte er sich Messi ein atemberaubendes Arbeitsprotokoll.

Zwei Tore steuerte der Argentinier selbst bei; die beiden weiteren Treffer der ersten Halbzeit durch Eto'o und Henry bereitete er vor, in der zweiten Halbzeit traf er auch noch die Latte. Lell kam dem Mann, den er bewachen sollte, bloß zwei Mal nahe: Beim ersten Mal versagte der britische Schiedsrichter den fälligen Elfmeterpfiff, beim zweiten Mal holte sich Lell eine gelbe Karte ab. Selbst wenn Messi l seine angestammte rechte Seite verließ und auf die linke wechselte, wurde Lell von seinem Albtraum eingeholt: Als Lell mit einem weiten Pass die Seite wechseln wollte, pflückte Messi den Ball aus der Luft.

Mehr als 30 Tore hat Messi nun in der laufenden Saison erzielt, in acht Champions-League-Begegnungen steuerte er acht Treffer bei. Der Weg nach Rom ist ein wenig kürzer geworden für den FC Barcelona. Dank Messi, der von 93.000 Barça-Anhängern mit langen Sprechchören gefeiert wurde.

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(SZ vom 09.04.2009/cpah)