Von Ein Kommentar von Thomas Hummel

Außer Bayern scheint kein deutscher Klub mit den Großen in der Champions League mithalten zu können. Das liegt auch an fehlendem Selbstvertrauen.

Nach dem ersten Spieltag der Champions League ist fast zu befürchten, dass die Skeptiker recht behalten. Die Bundesliga stellt ohne den FC Bayern in Europas Königsklasse zwar eifrige, aber letztlich erfolglose Herausforderer der Topmannschaften aus Spanien, Italien und England. "Die internationale Reibung ist fundamental, um die letzten Schlachten zu bestehen", sagte der argentinische Fußball-Philosoph Jorge Valdano. Und eine solche Reibung sieht er in Deutschland eben nur beim Münchner Edelklub.

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Vorbei, schon wieder: Kevin Kuranyi trauert einer Chance gegen Valencia nach. (© Foto: Getty)

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Klar, Werder Bremen machte bei der Millionentruppe in Madrid ein bisweilen sehr gutes Spiel, war durch die Künste des phänomenalen Diego über weite Strecken sogar die bessere Mannschaft. Doch dieses Schema kommt einem bekannt vor: Die Bremer erhalten artig Komplimente (Real-Trainer Bernd Schuster: "Werder war ein schwieriger Gegner") - beenden aber die Auseinandersetzung als Verlierer. Vergangene Saison Barcelona und Chelsea, davor Juventus. Diesmal Madrid.

Dabei ist Werder ein deutscher Lichtblick im Dunkel der Champions League. Bei den Kollegen von Schalke 04 kündigt sich die Fortsetzung einer noch schlimmeren Bilanz an: Aus in der Vorrunde, wie schon 2005, wie schon 2001. Auch bei der Niederlage gegen Valencia galt: Schalke war keinesfalls die schlechtere Mannschaft, aber am Ende reicht es in den entscheidenden Spielen einfach nicht.

Wie ist das zu erklären?

Zuerst darf hier einer wie Bremens Trainer Thomas Schaaf darauf hinweisen: "Man muss aber schon mal überlegen, wer uns hier gegenübergestanden hat und wen wir aufgeboten haben." Werder musste auf einige Stammspieler verzichten. Auf der Ersatzbank von Real saßen Arjen Robben, Royston Drenthe und Robinho, die insgesamt 60 Millionen Euro gekostet haben. Der Unterschied in der Finanzkraft ist dramatisch.

Doch Valdanos "internationale Reibung" weist auf einen weiteren Aspekt hin: Die Erfahrung, das Selbstvertrauen und den Willen, gegen die Besten zu bestehen. Auch wenn die Voraussetzungen widrig sind. Der FC Bayern hatte im vergangenen Jahr wahrlich keine gute Mannschaft, dennoch kam er bis ins Viertelfinale der Champions League. Für die Münchner ist es unmöglich, mit einer knappen Niederlage gegen Real zufrieden zu sein - selbst wenn die halbe A-Jugend auf dem Platz stünde. Diesen Eindruck hat man bei den anderen deutschen Klubs nicht.

Werder-Manager Klaus Allofs hatte vor Dienstag bereits vor einer Packung gewarnt, sollte sich seine Mannschaft nicht deutlich steigern. Vermutlich ist er jetzt ganz froh über das knappe 1:2.

Die Trainer der deutschen Champions-League-Klubs hatten angekündigt, den Kampf um den Einzug in das Achtelfinale annehmen zu wollen. Wenn sie dieses Unternehmen erfolgreich bestehen wollen, müssen sie aber all ihre Spieler davon überzeugen, dass sie stärker sein können als die berühmten Gegner - und verdienen die auch noch so viel.

Nur dann werden die deutschen Spieler in den letzten Schlachten bestehen.

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(sueddeutsche.de)