Champions League Die Gefahr der Stallregie

Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick: Plant schon länger mit der Champions League

(Foto: dpa)

Zwei Klubs, die vom Red-Bull-Konzern entwickelt wurden, könnten demnächst in der Champions League direkt aufeinandertreffen: Leipzig und Salzburg. Das weckt Befürchtungen.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Bis zum 24. August sollte sich die Aufregung gelegt haben. An diesem Tag wird in Monaco die Gruppenphase zur Champions League ausgelost, und zu Problemen sollte es eigentlich nur theoretisch kommen. Denn in der Praxis ist der FC Red Bull Salzburg in all den Jahren zuvor zuverlässig an den Hürden der Qualifikation gescheitert. In diesem Sommer steigt Österreichs Serienmeister in Runde zwei ein - Gegner ist der Sieger des Duells zwischen dem Hibernians Football Club aus Malta und dem FCI Tallinn aus Estland. Das sollte zu schaffen sein, aber auch dann folgen noch zwei Runden mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad, in denen verhindert werden kann, dass in Monaco akut die folgende Frage gestellt wird: Ist es möglich, dass der FC Red Bull Salzburg und RB Leipzig in der selben Gruppe landen? Antwort heute: Im Prinzip ja, aber ...

Wie tückisch diese Frage ist, lässt sich allein aus der Politik mit den Vereinsnamen erkennen. Beide Klubs stammen ja aus dem selben Mutterhaus, beide werden weiter vom selben Energiegetränk genährt. Die Österreicher streichen nun gemäß den Werbe-Richtlinien zur Champions League allein für diesen Wettbewerb das "Red Bull" heraus und treten als FC Salzburg an. Den Leipzigern hingegen, die sich zu 99 Prozent im Eigentum der Red Bull GmbH befinden, bleibt das Kürzel "RB" gestattet. Steht es doch offiziell nicht für "Die Roten Bullen", jenem Marketing-Logo, unter dem der Aufsteiger durch die Bundesliga auf Platz zwei raste, sondern für: RasenBallsport Leipzig. Die assoziative Kraft des Kürzels "RB" wird geflissentlich ignoriert.

Dies tut auch jene Kammer mit dem nicht weniger eindrucksvollen Kürzel FKKK: "Rechtsprechende Kammer der Uefa-Finanzkontrollkammer für Klubs". Dass diese nun verkündet hat, beide Antragsteller zur Champions-League-Saison 2017/18 zuzulassen, provoziert eine Frage: Wer kontrolliert das? Welche unabhängige Instanz prüft, dass die Entflechtung beider Klubs so radikal praktiziert wird, wie es die FKKK des europäischen Fußball-Verbandes Uefa behauptet? Und dass dort viel mehr als nur die Türschilder verschoben wurden, nachdem sich der eher intransparente Brause-Konzern aus der Klubführung in Salzburg zurückgezogen haben will, er bei beiden Klubs aber Hauptsponsor bleibt?

In der freien Wirtschaft gäbe es weitere Kontrollinstanzen

Damit landet das Problem bumerangartig wieder bei der Uefa. Denn die statuiert mit ihrer "Lex Red Bull" ein Exempel, auf das sich im Kosmos der Milliardäre und Konzerne, die Fußball-Klubs einsammeln, bald einige Eigentümer berufen dürften. Die Gefahr ist virulent, dass es zu Formel 1-artigen Szenarien kommen kann, zu einer Art Stallregie. Die regelt dann, wie im Duell von Mercedes 1 und Mercedes 2, bei Gazprom 1 gegen Gazprom 2 das Weiterkommen.

Die freie Wirtschaft fasst manipulative Szenarien unter dem Begriff "Insiderhandel" zusammen. Kalkuliert wird mit jeder denkbaren menschlichen Versuchung - zu Prävention wie Sanktionierung gibt es in den USA eine eigene Bundesbehörde und in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Beide dienen dazu, Vertrauen in Börsen und Märkte zu pflegen.

Und im Fußball? Der kontrolliert sich selbst. Wie der Sport überhaupt akzeptiert er nahezu nie eine als unabhängig lizenzierte Instanz. Und das ist es, was eine "Lex Red Bull", mag sie im Rahmen der Uefa-Regeln auch paragrafentreu abgewickelt worden sein, so diskutabel erscheinen lässt. Salzburg gegen Leipzig, Red Bull gegen Red Bull - die Begleitmusik eines solchen Duells mag man der Champions League nicht wünschen.

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