Champions League "Das haben auch viele Bayern-Spieler noch nie erlebt"

Andreas Beck war Nationalspieler und Profi bei Besiktas. Vor dem Champions-League-Achtelfinale spricht er über den Stil des Bayern-Gegners - und die Stimmung im Rückspiel.

Von Benedikt Warmbrunn

Zwei Jahre lang, von 2015 bis 2017, hat Andreas Beck für Besiktas Istanbul gespielt. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung warnt der inzwischen zum VfB Stuttgart zurückgekehrte Rechtsverteidiger den FC Bayern davor, seinen Gegner im Achtelfinale der Champions League (Hinspiel an diesem Dienstag um 20.45 Uhr im SZ-Liveticker) zu unterschätzen. Beck beschreibt Besiktas als eine Mannschaft, die sich dem offensiven Spiel verschrieben hat. "Ich glaube, die Identität des Vereins gibt es gar nicht her, dass man sich hinten rein stellt. Das ist eine Grundkultur bei Besiktas, dass man selbst Fußball spielen will. Da sind schon Profis am Werk, die werden Lösungen haben, die werden Muster in der Münchner Mannschaft erkennen."

Besiktas profitiere davon, dass die Klubführung vor wenigen Jahren entschieden habe, verstärkt auf Routine im Kader zu setzen - die Mannschaft hat einen Altersschnitt von über 30 Jahren. Spieler wie der Portugiese Pepe, der Spanier Negredo oder der Chilene Medel seien "natürlich auch Meister in anderen Disziplinen, die wissen genau, was es braucht, um zu gewinnen. Es geht da um die wichtigen Kleinigkeiten auf dem Platz, auch mal um die Beeinflussung der Zuschauer oder des Schiedsrichters." Kleinigkeiten, die auch gegen den FC Bayern den Ausschlag geben könnten.

Istanbul habe einen großen Vorteil, sagt Beck: die Stimmung im eigenen Stadion

Dennoch ist auch für Beck Besiktas - die erste türkische Mannschaft, die in der Champions League Gruppensieger wurde - gegen den FC Bayern der Außenseiter. Der Klub habe aber einen großen Vorteil: die Stimmung im eigenen Stadion. "Für mich steht eines fest: Sollte nach dem Hinspiel in München auch nur ein kleines Türchen für Besiktas offen sein - ein Auswärtstreffer oder gar ein Unentschieden -, dann wird es im Rückspiel spannend. Trotz aller Routine, trotz aller WMs und EMs, trotz all der Champions-League-Spiele, die die Bayern im Kader haben: Was sie dann im Stadion bei Besiktas erwarten würde, haben auch viele Bayern-Spieler noch nie erlebt."

Ausführlich spricht Beck im Interview auch darüber, wie es war, als Fußballer unter politisch unruhigen Umständen in der Türkei zu leben. Zu seiner Zeit gab es einen Anschlag nahe des Stadions von Besiktas, die Schießerei an Neujahr im Club Reina sowie den Putschversuch im Sommer 2016. Beck berichtet, dass er in diesen schweren Zeiten einen enormen Zusammenhalt in der Bevölkerung gespürt habe. "Man merkt das an der Grundstimmung. So ein Land kann ja auch in tiefe Trauer verfallen, aber in der Türkei hat die Unruhe eher das Gegenteil bewirkt. Man hat sich dagegen gestellt und gesagt: Wir trauern, aber intensiv und kurz."

Besonders intensiv sei dies in der Nacht des gescheiterten Putschversuches gewesen: Damals "gab es Auseinandersetzungen auf den Brücken, Flugzeuge sind mit Überschall über die Stadt gedonnert, man hat Helikopter und Panzer gesehen, ein kriegsähnlicher Zustand - aber sechs, sieben Stunden später, nachdem die Sonne aufgegangen ist, bin ich wieder über diese Brücke gefahren, als ob nichts gewesen wäre".

"Was ist schon normal?"

Zwei Jahre lief Andreas Beck für Besiktas Istanbul auf, den Achtelfinalgegner des FC Bayern. Der Stuttgarter Verteidiger warnt vor der Atmosphäre im Rückspiel - und erzählt, wie es war, im Angesicht politischer Unruhen Fußball zu spielen. Von Christof Kneer und Benedikt Warmbrunn mehr...