Schnelle Tore durch Nemanja Vidic und Cristiano Ronaldo: Manchester United entnervt Inter Mailand beim 2:0 und zieht ins Viertelfinale der Champions League ein.

Ein paar Angriffe gab es noch, aber die wirkten eher resignativ als entschlossen, und so endete auch Inter Mailands Versuch, Englands Fußballmacht in Europa einzudämmen, mit einer Niederlage. 2:0 (1:0) gewann Manchester United sein Achtelfinal-Rückspiel der Champions League auf heimischem Grund in einem Spiel, das temperamentvoll begann, aber nach Manchesters zweitem Tor durch Cristiano Ronaldo schon kurz nach der Pause deutlich an Elan verlor. Das reichte nach dem 0:0 im Hinspiel, welches die Briten auch schon dominiert hatten, und Italien beklagte seinen nächsten Verlust im internationalen Wettbewerb.

Cristiano Ronaldo erzielt das 2:0 für Manchester United. (© Foto: AP)

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Es handelte sich bei dem Treffen in Old Trafford übrigens tatsächlich um ein Fußballspiel zweier Mannschaften, nicht um das Duell zweier würdevoll ergrauter Herren, das musste man sich vor dem Anpfiff durchaus nochmal klar machen. Denn die Vorberichte auf die prestigeträchtige Partie zwischen Englands und Italiens Meister waren doch sehr stark auf die Trainer zugeschnitten: Die Rückkehr des früheren Chelsea-Coaches José Mourinho, 46, auf die Insel als Inter-Coach galt unter britischen Fußball-Beobachtern als Ereignis für sich.

Zumal der selbstbewusste Portugiese als guter Tipp auf die Nachfolge des 67-jährigen Manchester-Prinzipals Sir Alex Ferguson gilt - obwohl nicht einmal klar ist, wann genau diese Nachfolge zu klären ist. Und bei Ferguson selbst fällt ein kleines Mourinho-Trauma auf, weil sein ManU im Laufe der Jahre von 13 Spielen gegen Mourinho-Teams (vor Inter waren das der FC Porto und der FC Chelsea) nur zwei gewinnen konnte.

Der Small Talk zum Ereignis gab allerdings nicht viel her, das dem Kampf Ferguson vs. Mourinho hätte Würze verleihen können. Altväterlich erklärte der Sir, seine miserable Bilanz gegen Mourinho sei der Beweis, dass auch er "verwundbar" sei, "wie jeder im Fußball". Zu Mourinhos vermeintlicher Zukunft in Manchester sprach er nur, um nichts zu sagen, und gestand dem Gegner ansonsten großmütig Siegphantasien zu: "Inter Mailand hat jedes Recht, in das Spiel zu gehen und zu denken, dass sie gewinnen können." Mourinho wiederum beschränkte seine Optimismusattacken auf das Nötigste ("Ich finde, dass 0:0 das bessere Ergebnis für das Team ist, welches das Rückspiel auswärts hat"). Es war im Grunde auch kein Wunder, dass die beiden Trainer sich nicht ärgerten: Sie mögen sich, neben dem Feld tauschen sie bisweilen Scherze und Weinflaschen aus.

Manchester wirkte fehlbar

Die Auseinandersetzung ihrer Mannschaften war interessanter, zumindest zunächst. Sie nahm früh Fahrt auf durch einen Treffer des serbischen United-Verteidigers Nemanja Vidic, der bei einem Eckstoß des ManU-Motors Ryan Giggs seinem Gegenspieler Patrick Vieira durch bloßes Freilaufen einen Drehwurm zufügte und die präzise Flanke technisch sauber ins Inter-Tor köpfte. Diese Führung musste wie eine Provokation wirken auf die Italiener, aber die brauchten noch eine Weile, um ihr gefährliches Konterspiel gegen die spielbestimmenden Engländer auf Touren zu bringen.

Nach 29 Minuten setzte Inters Schweden-Import Zlatan Ibrahimovic einen aufsetzenden Kopfball an die Latte. Wenig später verzog Dejan Stankovic den Ball knapp nach Doppelpass mit Ibrahimovic (37.), der wiederum in der 40. Minute einen gepflegten Inter-Angriff mit einem vielversprechenden Schuss abschloss. Das waren Augenblicke, in denen Manchester fehlbar wirkte, wobei auch auf der anderen Seite immer wieder Gefahr aufzog: John O'Shea scheiterte nach sehenswerter Ballstaffette aus kurzer Distanz an Inter-Torwart Julio Cesar (37.), und Wayne Rooney schoss zum Abschluss einer bewegten ersten Halbzeit übers Tor.

Inter zeigte eine respektable Auswärtsleistung, und war dennoch früh gezähmt. Rooney tänzelte auf der linken Seite in Position und sandte eine Flanke in den Strafraum, die so sanft und einladend durch die Abendluft gesegelt kam, dass Cristiano Ronaldo kaum anders konnte, als sie mit einem genussvollen Kopfstoß im Inter-Tor zu versenken. Die Uhr zeigte erst die 49. Minute, und doch war das Spiel nun irgendwie vorbei. Inters Adriano traf volley den Pfosten, aber das 0:2 hatte den Italienern die Zuversicht geraubt. Ihre Präzision verwandelte sich in Fahrigkeit, das Spiel verflachte, und die Mourinho-Bilanz des alten Sir Ferguson sah um einen Sieg freundlicher aus.

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(SZ vom 12.03.2009/jüsc)