Champions League Benfica ist ein Glückslos für den FC Bayern

Benfica Lissabon setzte sich im Achtelfinale gegen Zenit St. Petersburg durch.

(Foto: AFP)
  • Benfica Lissabon will wieder an seine erfolgreichste Zeit in den Fünfzigern und Sechzigern mit Stürmer Eusébio anknüpfen.
  • Der Viertelfinal-Gegner des FC Bayern in der Champions League erlebt gerade eine stabile Phase. In der heimischen Liga führt Benfica die Tabelle an.
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Von Oliver Meiler

Losglück ist immer eine Frage der Perspektive. Und so beeilen sich die Losbeglückten stets, das Glück mit gepuderten Elogen über den zugelosten Gegner zu relativieren. Mit forcierten, ja übertriebenen Respektsadressen. So erging es nun auch Benfica Lissabon: Regelrecht überschüttet wurden die Portugiesen von Lobeshymnen aus München auf ihre Stärke, die Größe des Vereins, den sonnigen Klang des Namens.

Obwohl ja allen klar ist, dass die besungene Größe schon eine ganze Weile her ist. Benfica selbst würde sich wahrscheinlich nicht mal dagegen wehren, als Glückslos wahrgenommen zu werden. Die größte Chance des Außenseiters liegt bekanntlich darin, unterschätzt zu werden.

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Der Klub erlebt gerade eine euphorische und stabile Phase

Benfica Lissabon arbeitet schon lange an einer Renaissance, mit ständigen Rückfällen und zwischenzeitlichen Aufstiegen. Im Moment erlebt der Klub gerade eine recht euphorische und stabile Phase - als Tabellenführer der portugiesischen Liga, knapp vor den beiden ewigen Rivalen, dem Stadtkonkurrenten Sporting und dem FC Porto, der Nemesis im Norden des Landes.

Es wäre der dritte Titel in Serie, wenn er denn gelänge. 2014 hatten es die Benfica-"Adler" auch ins Finale der Europa League geschafft und unterlagen dort erst nach Elfmeterschießen dem FC Sevilla. So überraschend kommt die Qualifikation für das Viertelfinale der Champions League, erstmals seit 2012, also gar nicht. Erstaunlich ist sie dennoch.

Von den acht übrig gebliebenen Teams hat Benfica den Kader mit dem bescheidensten Prominenzfaktor. Im Tor steht ein Mann, der viel erlebt hat in seiner Karriere, lange für Inter Mailand spielte und nach einem besonders unerfreulichen Erlebnis eigentlich schon aufhören wollte mit dem großen Fußball: Júlio César, 36, hatte an jenem Julitag vor zwei Jahren in Belo Horizonte das brasilianische Tor gehütet, ein bisschen wenigstens - beim 1:7 gegen Deutschland.

Die größte Aufmerksamkeit im Kader zieht der Brasilianer Jonas auf sich

Er wechselte danach zu Queens Park Rangers und nach Toronto, bevor man sich in Lissabon seiner erinnerte. Zwei seiner Landsleute, Luisao und Jardel, bilden die zentrale Innenverteidigung im defensiven 4-4-2. Luisao ist ein Veteran des Vereins, ein Pfeiler hinten, elegant und stämmig, schon seit 2003 dabei und mittlerweile 35 Jahre alt.

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Im Mittelfeld vertraut Rui Vitória, der neue Trainer ohne internationale Erfahrung, dem Argentinier Nicólas Gaitán und Renato Sanches. Der ist erst 18, Portugiese mit Wurzeln in Kap Verde, und tritt bemerkenswert souverän und ballsicher auf. Sanches erscheint dem Verein dermaßen wertvoll, dass er ihn mit einem Langzeitvertrag und einer Freikaufklausel über 45 Millionen Euro an sich gebunden hat.

Am meisten Aufmerksamkeit zieht aber Jonas Gonçalves Oliveira auf sich, kurz Jonas genannt, oder auch "Jonas Pistolas". Der brasilianische Stürmer erlebt gerade den Höhepunkt seiner Laufbahn, mit 31 Jahren. Nach vielen Jahren in Spanien spielt er nun seit zwei Saisons bei Benfica und erzielte allein in der Meisterschaft 48 Tore in 53 Spielen. Auch Jonas hat eine bleibende Erinnerung an deutsche Gegner, in seinem Fall eine erfreuliche, beinahe rekordwürdige: 2011, damals in Diensten des FC Valencia, erzielte er das erste Tor beim 3:1 gegen Bayer Leverkusen in der Champions League - nach 10,96 Sekunden.

An seiner Seite stürmt in der Regel Kostas Mitroglou, ein griechischer Internationaler, der in Deutschland aufgewachsen ist, auch fußballerisch. Ganz große Namen sind also keine dabei, für teures Personal fehlt das Geld. Man gibt sich auch gern demonstrativ vernünftig.