Nach dem Sieg gegen Lyon diskutiert der FC Bayern über die taktischen Finessen des Trainers, die rote Karte von Ribéry und die gespaltene Persönlichkeit des Arjen Robben.
Um die Lautstärke an einem Ort zu verdeutlichen, wird gemeinhin der Vergleich mit einem startenden Flugzeug herangezogen. Das ist grundsätzlich schwierig, weil kaum jemand neben einem Flugzeug steht, wenn es startet - und in den vergangenen Tagen war es noch schwieriger, weil in ganz Europa kaum ein Flugzeug gestartet war. Vielleicht kann deshalb künftig als Maßeinheit die 40. Spielminute beim Halbfinale der Champions League zwischen dem FC Bayern und Olympique Lyon herangezogen werden.
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Vater rüffelt bockigen Sohn: Louis van Gaal nimmt sich Arjen Robben vor. (© Foto: AFP)
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In diesem Moment betrat Lyons Stürmer Lisandro Lopez das Spielfeld und die Pfiffe des Publikums waren so laut, als würden alle Flugzeuge, die derzeit am Münchner Flughafen herumstehen, gleichzeitig die Turbinen anwerfen. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Thomas Müller nach dem Spiel. Drei Minuten zuvor war Franck Ribéry dem Argentinier böse auf den Fuß getreten und des Feldes verwiesen worden. "Es war eine harte Entscheidung", sagte Müller - und fügte wie fast alle Kollegen an: "Aber man kann diese rote Karte geben."
Mit dem Platzverweis wurde aus dieser Partie, die als Ribéry-Spiel - der Franzose spielte auffälliger als sein Pendant Arjen Robben - begonnen hatte, ein Trainer-Spiel. Der FC Bayern gewann diese erste Partie gegen Olympique Lyon nicht nur deshalb mit 1:0, weil der formidabel agierende Bastian Schweinsteiger seine Kollegen immer wieder nach vorne trieb oder weil Arjen Robben seine Gewohnheit fortsetzte, wichtige Tore zu erzielen. Der FC Bayern war in dieser Partie vor allem deshalb erfolgreich, weil Trainer Louis van Gaal taktisch herausragende Entscheidungen traf.
Auf die Hinausstellung von Ribéry reagierte er während der Halbzeitpause, er nahm den Stürmer Ivica Olic vom Feld und ersetzte ihn durch den defensiven Anatolij Timoschtschuk. Aus einem 4-4-2-System wurde eine 4-2-2-1-Formation, van Gaal verlieh seiner Mannschaft durch diesen Tausch Stabilität und sorgte gleichzeitig dafür, dass der FC Bayern trotz Unterzahl stets Druck auf den Gegner ausüben konnte. "Nach der roten Karte war Feuer drin, das hat richtig Spaß gemacht", sagte Thomas Müller. Philipp Lahm ergänzte: "Wir haben es geschafft, dass Lyon 90 Minuten lang keine Torchance hatte. Zum einen, weil die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen stets gering waren. Zum anderen haben wir zahlreiche Gelegenheiten herausgespielt."
Schon vor Ribérys Herunterstellung durften die Statistiker ein halbes Dutzend brauchbarer Gelegenheiten notieren, die unglücklich (Schweinsteiger, Ribéry), ungestüm (van Buyten, Olic) oder unüberlegt (Müller) vergeben wurden. Auch in Unterzahl erspielte, ja erspielte, sich der FC Bayern Gelegenheiten - die wiederum unglücklich (Pranjic) oder unüberlegt (Müller) vergeben wurden. "Vielleicht hätten wir höher gewinnen müssen", sagte Lahm. "Aber wenn mir vor dem Spiel jemand das 1:0 angeboten hätte, dann hätte ich sofort unterschrieben."
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Freundschaft zwischen den Geschlechtern
Bayern hat deshalb so gut gespielt, weil OL grottenschlecht war. Die Mannschaft war im Vergleich zur 2.Halbzeit in Madrid gegen Real kaum wiederzuerkennen. Inwieweit diese indiskutable Leistung mit der Anreise zusammenhängt, ist schwer zu beurteilen, aber jeder, der schon einmal eine so lange Busreise hinter sich gebracht hat, weiß, welche Tortur damit verbunden ist. Auch Barca wirkte gegen Inter nach der knapp 1000 km langen Busfahrt nicht gerade frisch. Die betroffenen Mannschaften wollen das zwar nicht als Entschuldigung gelten lassen, was sie ehrt, eine Verlegung der Spieltermine dieser Woche -immerhin Halbfinals- wäre, falls bei dem dichten Terminkalender überhaupt möglich, aus meiner Sicht sicherlich die fairere Lösung gewesen.
Zum Schiedsrichter: Es gibt sehr wenige Schiedsrichter, die sich überhaupt trauen, in München einen Bayern-Spieler vom Platz zu stellen (wer außer Signore Rosetti, immerhin Welt-Schiedsrichter 2008, noch?). Die rote Karte für Ribéry ist vertretbar, ein solcher Tritt kann üble Verletzungen zur Folge haben. Dass der Getretene weiterspielen kann, darf nicht das Kriterium für das Ahnden eines Fouls sein. Übrigens: Das theatralische Zusammensacken nach einer Attacke des Gegners mit anschließender mindestens dreifacher Drehung um die Längsachse und sofortiger Wunderheilung -in der Premier League so gut wie nicht zu sehen- ist doch eine Bayern-Spezialität (wird das im Training eigentlich geübt?). Und: Bayern wäre nicht im Halbfinale, wenn die Schiedsrichter nicht fleißig nachgeholfen hätten (Florenz). Das Gezeter des Herrn Hoeneß dient doch nur der Einschüchterung, ich erinnere mich noch gut, wie er vor einigen Jahren vor laufender Kamera verlauten ließ, dass er dafür sorgen werde, dass der Schiedsrichter (der Name ist mir leider entfallen) kein Spiel der Bayern mehr pfeifen dürfe (unglaublich!).
Zum Kommentator: Ich habe das Spiel bei Sky gesehen, Marcel Reif ist ohne jeden Zweifel der beste im deutschsprachigen Raum (ich sage das, obwohl Reif die rote Karte für Ribéry auch als zu hart eingestuft hat und obwohl bei ihm in letzter Zeit doch eine bayernfreundlichere Kommentierung festzustellen ist). Sein Niveau ist immer noch um Klassen besser als das Geschwafel der Herren v. Thurn und Taxis (Originalzitat: Der blutjunge Lustenberger) oder Dittmann (Originalzitat: Die Bayern haben hinten riesengroße Löcher).
Man könnte die "Geniestreiche" von van Gaal auch mit etwas mehr Understatement beurteilen...
Offensiver raus, Defensiver rein
Wieder gleich viele Spieler am Feld, also alles zurück: Defensiver raus, Offensiver rein
Zum Schluss, Absicherung des Spielstands und Schonung für die
Liga: Robben raus.
Aber darauf wäre der Autor dieses Artikels scheinbar nie gekommen...
Zum Schiedsrichter:
diese seltsame Ansetzung von Rossetti wird auch bei den Barça Fans in Deutschland diskutiert und schon für sehr seltsam befunden...ebenso wie die Ansetzung des Portugiesen, der sich offensichtlich sehr gut mit Mourinho verstand...
die UEFA versteht mal wieder kein echter Fan...
Sie schrieben: Der Autor verkauft es als taktische Meisterleistung Van Gaals, nach der Roten Karte für die eigene Mannschaft einen Defensiven einzuwechseln und als wieder personeller Gleichstand war einen Offensiven.
Tja, wie man es falsch machen kann, hat uns einer der besten Trainer gezeigt - SAF (Sir Alex F.), der bei der 3:0 Führung Rooney vom Feld nahm und beim Stand von 3:2 dann keine schlagkräftigen Alternativen mehr hatte. Lesen Sie mal in der UK Foren nach, wie dies von den ManU-Fans gesehen wird - "SAF raus" sind noch harmlose Kommentare.
Man hätte als Laie auch auf die Idee kommen können, mit einer weiteren Offensivkraft das erste Tor erzwingen zu wollen....
Paging