17 Jahre, acht Monate, 13 Tage: David Alaba, ein nigerianisch-philippinischer Österreicher, soll dem FC Bayern gegen Florenz zum Viertelfinal-Einzug verhelfen.
Die Trikotnummer haben sie provisorisch mit rotem Klebeband auf den Koffer gepappt, den David Alaba zum Check-in zieht, es sieht nach einer 27 aus. Bisher ist Alaba die Nummer 35 gewesen beim FC Bayern, in der Reserve um den jungen Trainer Mehmet Scholl, sie spielt in der dritten Liga und hat nach Startproblemen einen schönen Aufstieg bis Rang elf hingelegt. David Alaba hat dort zuletzt vor zwei Wochen gespielt, beim 2:0 gegen Stuttgart II, 796 Zuschauer, aber nur die erste Hälfte. Dann war Schluss für Alaba. Wegen einer Anordnung von ganz oben. Von Louis van Gaal.
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Im Sommer zieht er in seine erste eigene Wohnung, vorher spielt er aber Champions League: David Alaba (re.), österreichischer Nationalspieler in Diensten des FCB. (© Foto: rtr)
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Seit Montag ist Alaba nun mit den Bayern unterwegs, mit dem FC Bayern I, trainiert vom Jugendförderer van Gaal, 58, der am Dienstag im Stadio Artemio Franchi von Florenz den Sprung ins Viertelfinale der Champions League anstrebt. Und wenn nicht alles täuscht und Philipp Lahm nicht noch auf die Linksverteidiger-Position wechselt, spielt dort David Alaba, Österreicher, Sohn eines Nigerianers und einer Philippinin. Alaba ist an diesem Dienstag 17 Jahre, acht Monate und 13 Tage jung.
Alaba? Genau, Alaba!
Schon am Samstag in Köln, als er nach der Verletzung Diego Contentos in der Liga debütierte, ging ein Raunen durchs ansonsten Poldolski-trunkene Stadion. Alaba? Genau, Alaba kam, nicht der kroatische Internationale Pranjic, und Lahm wechselte auch nicht nach links, auf dass ihn rechts vielleicht Görlitz ersetzt hätte, Andreas Görlitz, der einstige Nationalspieler. Van Gaal hat das so entschieden, er nimmt im Zweifel die Jungen wie zuvor Badstuber und Müller, beide 20. Alaba wird Ende Juni einen Profivertrag erhalten, dann ist er 18, der Nächste wird Mittelfeldspieler Christoph Knasmüllner sein. Noch ein Österreicher. Und 17.
Alaba sei jetzt die erste Option, hat van Gaal betont, "er ist ein linker Außenverteidiger, auch wenn er selbst das nicht denkt". Stimmt, "schon lieber im Mittelfeld" sehe er sich, sagt Alaba vor dem Abflug in die Toskana. Er hat noch nie Linksverteidiger gespielt. Noch nie. Aber er wird sich wohl nicht wehren, er gilt sowieso als höflicher junger Mann und sagt: "Ich weiß nicht, ob ich wirklich spiele, aber ich freue mich sehr."
Talentscouts sind ja so etwas wie Juwelenjäger, und Alabas Name stand früh in den Datenbanken der Topklubs. Auch Manchester United umwarb ihn. Bayern-Jugendleiter Werner Kern und die Junioren-Trainer Stephan Beckenbauer und Hermann Hummels schauten ihm einst beim Kick Tirol gegen Austria zu. "Wir kannten ihn ja schon", erinnert sich Kern, "aber als wir ihn dann sahen - da waren wir uns schnell einig."
Seit Januar trainiert Alaba fix bei den Profis mit. Doch dass ein Frühreifer eines der 13 Zimmer im Jugendhaus bewohnt, hatte sich bei den Bayern bereits herumgesprochen, nachdem er im Sommer 2008 aus der Nachwuchsakademie von Austria Wien zugezogen war. Sie haben ihm sogar gegen ihre Gepflogenheiten geraten, die Schule aufzugeben nach der Mittleren Reife. Sie waren sich einfach sicher bei Alaba. Ausbilder Hermann Gerland schwärmte früh von ihm.
Schmäh und Stolz
Auch wegen der Nähe zu Wien hatte sich Alaba für die Bayern entschieden, er sei eben "ein Familienmensch". Seine Mutter arbeitet als Krankenschwester, der Vater legt als DJ in Wiener Clubs auf; mit einer Rap-Band stand er mal oben in den Charts. Einen Prachtkerl haben die Alabas offenbar großgezogen: Im Frühjahr 2007 spielte der Junior für Österreichs U17. Mit 14. Im Herbst des selben Jahres stand er in der U19 und im Profikader von Austria Wien. Und seit Oktober 2009 ist er Nationalspieler, der jüngste Österreichs, versteht sich: Alaba wurde in der WM-Qualifikation eingewechselt, in Paris gegen Frankreich (1:3). Sie hatten ihn natürlich in München gebeten, sich das genau zu überlegen mit Österreich. Aber der Bezug der Alabas zu dem Land, das sie aufnahm, siegte. George Alaba, der Vater, erhielt vor 24Jahren politisches Asyl in Österreich, er ist dankbar. "Und ich bin a echter Wiener", wienerlt David Alaba.
Physisch stark, athletisch, schnell, guter Schuss und klar im Kopf, das wird über den Linksfuß erzählt. Ein guter Junge sei er zudem, in der Freizeit engagiert sich Alaba manchmal als Co-Trainer der Eliteschule. Aber reicht das schon für die Champions League? "Wenn er in Florenz spielt", sagt Mehmet Scholl, "dann mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Er ist ein kompletter Spieler, dem nur Erfahrung fehlt - und die sammelt er gerade." Und Kapitän Mark van Bommel, neben dem Spindnachbarn Franck Ribéry engste Bezugsperson Alabas, versichert: "Wir vertrauen ihm alle, und er kann das - das sieht man täglich im Training."
Im Pokal gegen Fürth spielte Alaba schon mal eine halbe Stunde, als jüngster Bayern-Spieler überhaupt. Um 19.30 Uhr war damals Treffpunkt, um 19 Uhr rief Co-Trainer Gerland an, da Ivica Olic erkrankt war: "Kleiner, pack' deine Sachen, du bist dabei." David Alaba war pünktlich.
Im VIdeo: Im Achtelfinal-Rückspiel reicht dem FC Bayern München beim AC Florenz ein Unentschieden.
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(SZ vom 09.03.2010/jbe)
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Immerhin ist auch einmal ein Beckenbauer mit 17 (?) in die erste Mannschaft des FCB gekommen! Damals hieß der Trainer "Tschick Csaikowsky!"
Das wirkt schon elektrisierend, was der van Gaal da macht. Viel Glück!!
In neun Monaten van Gaal sind mehr Nachwuchstalente in die erste mannschaft integriert worden als in 8 Jahren unter Hitzfeld und Magath. Da wurde ehr die konsequente Vernichtung der Jugend betrieben. Was machen denn die anderen clubs in Deutschland wenn das dann bei Bayern soo weiter geht?
Nachwuchsförderung ist ja OK und unverzichtbar; Aber soooo masiv?
Hoffentlich geht`s gut.
Jetzt ist Bayern der Club der auf junge Talente "aus der Region" setzt!