Ausgerechnet Madrid: Dort, wo Real für einen marktradikalen Größenwahn unter den Fußballklubs steht, kann der solide FC Bayern die Champions League gewinnen. Wird sich Europas Fußball von den Münchnern inspirieren lassen?
Es war eine wirklich gute Idee des europäischen Fußballverbandes, das Champions-League-Finale 2010 in Madrid anzusetzen. Besonders gut fanden sie die Idee zunächst in Madrid selbst, beim örtlichen Fußballklub Real, der sich ohnehin vorgenommen hatte, die begehrteste Trophäe des Vereinsfußballs mal wieder zu gewinnen. Praktischerweise würde man diesen Triumph nun auch noch im eigenen Stadion feiern können, gegen den FC Chelsea vielleicht oder Manchester United, gegen Inter Mailand oder den Lieblingsfeind aus Barcelona, vielleicht auch gegen den FC Bayern... Obwohl: Gegen den FC Bayern nicht. Die Deutschen würden es bestimmt nicht ins Finale schaffen. Hatten die nicht gerade eines der turbulentesten Jahre der jüngeren Vereinsgeschichte hinter sich? Und was war schon von diesem seltsamen deutschen Vereinsfußball zu erwarten, der ja immer noch so rührend solide ist, so bedauernswert frei von Superstars und somit vollkommen rückständig?
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Ein Team vor dem Triple: Bayern München kann gegen Inter Mailand den dritten Titel der Saison gewinnen. (© ag.ddp)
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Inzwischen ist es so gekommen, dass der Schauplatz Madrid immer noch für eine gute Idee gehalten wird, allerdings nicht mehr in Madrid. Fast 300 Millionen Euro hatte Reals Präsident Florentino Pérez in neue Spieler investiert, das Finale im Bernabéu-Stadion sollte zu seiner persönlichen Krönungsmesse werden - nun aber muss Pérez mit ansehen, wie sich Inter Mailand und der FC Bayern München im Stadion einquartieren, während Real zum sechsten Mal in Serie im Achtelfinale ausgeschieden ist. Es ist vor allem der Schauplatz, der die gute Geschichte des FC Bayern noch besser macht: Entlang der Achse Madrid/München lässt sich alles erklären, was man über den modernen Fußball und seine Verankerung in der Gesellschaft wissen muss.
Der Fußball ist ja einiges gewöhnt inzwischen, nie kann er sich wehren, wenn die Politik ihn mal wieder als Metapher missbraucht. Häufig hört man Politiker von Eigentoren reden, von Abseitsstellungen und Punktgewinnen, und wenn nicht alles täuscht, dann muss der Fußball jetzt wieder ganz tapfer sein. Das bayerische Erfolgsjahr ist wirklich eine Steilvorlage für alle, die den Fußball als Chiffre fürs wahre Leben verstehen. Real Madrid ist die Investmentbank unter den europäischen Fußballklubs, sie steht für einen marktradikalen Größenwahn, der von sich selbst nichts weniger erwartet, als den mutmaßlich teuersten Spieler der Welt zu besitzen. 96 Millionen Euro hat sich Pérez im vorigen Sommer den Portugiesen Cristiano Ronaldo kosten lassen, eine Protzpersonalie, der unter anderem ein gewisser Arjen Robben zum Opfer fiel. Der wurde gegen eine vergleichsweise geringe Gebühr von 24 Millionen Euro zu den rührend soliden und vollkommen rückständigen Deutschen nach München abgeschoben. Die Investmentbank Real hat sich komplett verspekuliert.
Das Modell FC Bayern
Wer im Jahr 2010 im Fußball Erfolg haben will, muss Monopoly und Schach spielen. Real Madrid spielt seit langem nur noch Monopoly, wie die meisten Klubs in Spanien, deren Bosse vorwiegend der Immobilienbranche entstammen. Das abrupte Ende des spanischen Immobilienbooms hat viele Klubs inzwischen an den Rand des Ruins geführt, was - kreditfinanzierte - Renommiertransfers nicht ausschließt. Man darf es ruhig amüsant finden, dass nun gerade der FC Bayern Modell steht für ein modernes europäisches Spitzenteam - jener Klub, der zwar dank einer ehernen Vereinsregel niemals die Kreditabteilung bemüht, dem aber durchaus eine Begabung zur spektakulären Einkaufspolitik nachgesagt wird. Jahrelang grassierte in der Branche der Spott, der FC Bayern könne sich seine Scouting-Abteilung sparen. Wer in der Liga auffällig spielte, hatte gute Chancen, umgehend von Bayern gekauft zu werden; und wer es wagte, gegen Bayern auffällig zu spielen, bekam erst recht einen Vertrag aufgedrängt.
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