Champions-League-Aus von Rapid Wien Ums Oaschleckn

Es hat nicht ganz gereicht: Die Spieler von Rapid Wien

(Foto: dpa)

Dramatische Nachspielzeit: Trotz riesengroßer Chancen verpasst Rapid Wien die Champions League. Erst vergibt der österreichische Klub einen "Sitzer", dann trifft er nur die "Stange".

Von Thomas Hummel

Für Norddeutsche muss der Satz über diese letzten, dramatischen Minuten im Stadion von Lemberg unscheinbar klingen. Rapid habe großes Pech gehabt, "als Beric einen Sitzer vergab und Prosenik die Stange traf", schreibt die österreichische Nachrichtenseite heute.at über das Fußballspiel am Dienstagabend. Ein Spieler namens Beric kickt offenbar im Sitzen und ein anderer schießt an die Eckfahne. Für so manchen nördlich von Tirol bestätigen sich hier ein paar Vorurteile über Österreich. Fahren die Bewohner nicht alle Ski? Spielt da überhaupt jemand Fußball?

Rapid Wien hat sich zu Saisonbeginn aufgemacht, nicht nur den Piefkes, sondern ganz Europa zu zeigen, dass eine österreichische Mannschaft den modernen Fußball versteht. Ajax Amsterdam hatten die Wiener schon besiegt, in den Playoff-Spielen um die Champions-League-Teilnahme ging es nun gegen Schachtjor Donezk. Ein Verein, der sich trotz des Krieges in der Heimat zuletzt in der Champions League etabliert hatte. An Donezk ist Rapid Wien nun gescheitert. Knapp. Sehr knapp. Ums Oaschleckn, wie der Wiener sagt.

Das Hinspiel hatte Rapid zu Hause 0:1 verloren. Im Rückspiel in Lemberg zeigte Donezk mit seinen vielen Brasilianern wieder sein technisch feines, schnelles Spiel. Doch Rapid hielt mit guter Struktur, viel Einsatz und Entschlossenheit dagegen. In der Halbzeit stand es 2:2. Die Österreicher brauchten noch ein Tor. Es begann die Nachspielzeit.

Da sauste eine Flanke in den Strafraum, wo Mittelstürmer Robert Beric alleine am Fünfmeterraum stand. Beric musste nicht einmal springen, so genau flog die Kugel auf ihn zu. Kopfball. "Ich habe ihn schon drin gesehen", sollte Trainer Zoran Berisic später sagen. Er sah falsch. Der Ball war nicht drin. Vorbei. "Ich würde alle meine Tore in meinem Leben geben, wenn ich diesen Kopfball reingemacht hätte", sagte Beric. Diesen "Sitzer", wie man in Österreich sagt. Also eine Chance, die im Normalfall der Opa mit dem Rollator verwertet. Doch das war noch nicht alles.

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Fünfte Minute Nachspielzeit: Freistoß Rapid, der Torwart lässt den Ball abklatschen und Philipp Prosenik schießt den Ball an den Pfosten (österreichisch: "Stange"). Haare raufen, Schlusspfiff, Hände vors Gesicht. Aus.

Zehn Millionen Euro, mindestens, wäre ein Sieg wert gewesen. Für einen Klub wie Rapid Wien eine Riesensumme. Zehn Jahre lang war der Verein nicht mehr in der europäischen Sahneliga gewesen, wo die ganz großen Klubs spielen und das ganz große Geld verdient wird. Geld, mit dem das neue Stadion im Stadtteil Hütteldorf sicher schneller abbezahlt wäre.

Viel wird nun von Stolz gesprochen in Wien. Stolz auf diesen starken Auftritt des Sportklub Rapid. Er ist ein Symptom dafür, dass in dem kleinen Alpenland seit Jahren gut gearbeitet wird. Aus der Jugend kommen zunehmend gut ausgebildete Talente nach, die Nationalmannschaft steht dicht vor ihrer ersten Teilnahme bei einem großen Turnier seit vielen Jahren.

Doch gescheitert ist gescheitert. Rapid kann in Salzburg nachfragen, wie sich das anfühlt. Der mit den Millionen des Brauseherstellers Red Bull aufgerüstete Klub versucht es ja seit vielen Spielzeiten umsonst und scheitert jedes Mal in der Champions-League-Qualifikation - mit der Folge, dass die besten Spieler stets so schnell wie möglich das Weite suchen.

Robert Beric übrigens, der den "Sitzer" vergeben hat in der 90. Minute, wird wohl in den nächsten Tagen nach England oder Frankreich wechseln.

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