Cedrik-Marcel Stebe "Ich bin froh, wenn ich die Matches überlebe"

Das Stirnband, hier in Gelb, ist sein Markenzeichen: Cedrik-Marcel Stebe, 26, ehemalige Nummer 71 der Welt, 2013 beim Rasenturnier in Halle.

(Foto: Schreyer/Imago)

Vor vier Jahren rettet Cedrik-Marcel Stebe das deutsche Daviscup-Team vor dem Abstieg - dann stoppt ihn eine beispiellose Verletzungsgeschichte.

Von Matthias Schmid

Das Stirnband, das sich Cedrik-Marcel Stebe vor jedem Match um den Kopf bindet, ist noch immer weiß. Wie im September 2012, als er dem deutschen Davis-Cup-Team am Hamburger Rothenbaum in der fünften und letzten Partie den entscheidenden dritten Punkt zum Klassenverbleib gegen Australien bescherte - mit einem Sieg gegen den früheren Weltranglistenersten Lleyton Hewitt. Das Stirnband ist das letzte Überbleibsel aus seiner erfolgreichsten Zeit als professioneller Tennisspieler. Stebe war damals mit 21 Jahren so etwas wie der Hoffnungsträger im deutschen Tennis, Nummer 71 der Welt, ein Spieler mit flotten Schlägen und riesigem Potenzial. Eingehüllt in die Deutschlandfahne feierte Stebe nach dem verwandelten Matchball mit den euphorisierten Zuschauern ein weiteres Jahr in der Weltgruppe der besten 16 Nationen.

Wenn Stebe, 26, heute antritt, schauen mehr Spieler und Trainer zu als Besucher. In der vergangenen Woche schlug er beim Future-Turnier in Oberhaching auf - er ist zurück auf der untersten Turnierebene im Welttennis, nachdem ihn nicht enden wollende Verletzungsprobleme von der großen Bühne geworfen haben. Zweieinhalb Jahre spielte der gebürtige Schwabe, der inzwischen in Vaterstetten lebt, überhaupt nicht mehr, bis er im Mai dieses Jahres wieder an seinem ersten Turnier teilnahm.

Seine Krankenakte wächst auf die Dicke der Bibel an

Nach seinem Zweitrundensieg in Oberhaching gegen den Schweizer Raphael Baltensperger sitzt Stebe im Kraftraum und lockert seine Muskulatur. "Ich muss meinen Körper wieder an die Belastungen gewöhnen", erzählt er und fügt nach einer Kunstpause hinzu: "Ich bin einfach nur froh, dass ich wieder spielen kann. Und die Matches überlebe."

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Stebe ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine hoffnungsvolle Karriere schnell in der Sackgasse enden kann, wenn der Körper nicht mitspielt. Nach der ersten Operation wegen eines sogenannten Hüftimpingements, einer Gelenkblockade, im September 2013 folgte ein beispiellose Verletzungsgeschichte. Seine Krankenakte wuchs in dieser Zeit auf die Dicke der Bibel an. Nach der Genesung kam der nächste Rückschlag. Rückenbeschwerden, Schambeinentzündung links, Lendenwirbelprobleme, eine weiche Leiste links, eine weiche Leiste rechts, die operiert werden musste, und zu schlechter Letzt wieder eine Schambeinentzündung, rechts.

"Ich habe an mir und den Ärzten gezweifelt"

"Ich haben schon an mir und den Ärzten gezweifelt", gibt Stebe zu, der ständig zwischen Platz und Praxis hin und her pendelte. Dass Stebe angesichts seiner Leidenszeit nicht alles hingeschmissen und die Profitour verlassen hat, liegt an seiner Herangehensweise an die Situation. Er ertrug sie nur, indem er sich immer weiter von seinem Beruf entfernte.

Er unterließ es auch, Jubelbilder von seinem Davis-Cup-Sieg anzuschauen, er verfolgte die Szene überhaupt nicht mehr. Stattdessen reiste Stebe, besuchte Freunde in Italien oder auf anderen schönen Flecken der Erde. "Ich konnte nicht mitansehen, wie meine früheren Konkurrenten immer weiter spielten und in der Rangliste nach oben kamen", bekennt Stebe. Er habe den Abstand gebraucht, "damit ich weiter an mich glauben konnte".