BVB vergibt Sieg gegen Gladbach Nachlässig vor der München-Reise

Borussia Dortmund erreicht in Mönchengladbach nur ein Unentschieden - der Rückstand in der Tabelle wächst und wächst. Der verletzt ausgewechselte Abwehrchef Mats Hummels gibt für den Pokal-Knaller gegen den FC Bayern jedoch Entwarnung.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Sebastian Kehl schaute nur bedingt deprimiert, als er nach dem Abpfiff die Kabine aufsuchte. Für seinen Klub Borussia Dortmund stehen in der nächsten Zeit Spiele an, nach denen würde Kehl als Kapitän dieser Mannschaft anders reagieren, wenn er in der Nachspielzeit den möglichen Siegtreffer derart vergeben würde wie am Sonntagabend im Gastspiel in Mönchengladbach. Kehl hatte den Ball aus fünf Metern neben das halbleere Tor geschossen, der BVB musste sich deshalb bei der Borussia vom Niederrhein mit einem 1:1 (1:0) begnügen. "Wir sind heute nicht richtig glücklich", sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp, relativierte diesen Zustand aber flugs: "Man muss auch nicht jeden Tag glücklich sein."

Es kommen nun Tage, da würde den Dortmundern das Glück sehr viel mehr bedeuten. Am Mittwoch gastieren sie im Pokal-Viertelfinale beim FC Bayern, in der Woche darauf empfangen sie zum Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League Schachtjor Donezk (Hinspiel 2:2). Da wird die Belegschaft des noch aktuellen deutschen Meisters nicht mehr die souveräne Gelassenheit einer Kaffeefahrt zeigen, mit der sie eine Stunde und dreizehn Minuten vor dem Anpfiff am Stadion im Stadtteil Holt ankam - und mit der sie auch das Unentschieden routiniert hinnahm.

In München wird es hitziger zugehen und einer größeren Emotionalität bedürfen. "Das wird eine komplett andere Sache", kündigt Mittelfeldmann Ilkay Gündogan an. Tabellarisch hat das 1:1 jedoch auch einen Effekt: Dortmunds Rückstand in der Tabelle ist am Wochenende von 15 auf 17 Punkte angewachsen - das ist keine Lücke mehr, das ist ein Graben.

Am Sonntag waren beide Borussias nicht in Idealformation angetreten. Gladbach vermisste den verletzten venezolanischen Zauberfuß Juan Arango und den gelb-gesperrten Mittelfeldflitzer Patrick Herrmann; für Letzteren spielte der kleine Amin Younes erstmals in der Startelf. Mike Hanke durfte in die Spitze. Dortmund entbehrte seine gesperrten Stürmer Robert Lewandowski und Julian Schieber sowie den verletzten Flügelläufer Jakub Blaszczykowski. Nuri Sahin musste zunächst wieder zuschauen, Moritz Leitner spielte zentral-offensiv. Mario Götze versuchte sich erneut als Mittelstürmer.

Mit ihrem bewährtem 4-4-2-System auf Stabilität bedacht, hielten die Gladbacher ihre Gäste vom Tor fern. Aber das gelang letztlich doch nur eine halbe Stunde lang. Dann veränderte ein Steilpass des früheren Gladbachers Marco Reus in den Strafraum auf Mario Götze die Ausgangssituation. Der schnelle Götze legte den Ball am Gladbacher Torwart Marc-André ter Stegen vorbei und stürzte über dessen immer länger werdenden Beine - weshalb Schiedsrichter Perl ein Elfmeterpfiff ebenso wenig erspart blieb wie den Gladbachern der 0:1-Rückstand durch Götzes Foulelfmeter nach 31 Minuten.

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