BVB siegt 1:0 gegen Leipzig Tuchels Explosion

Thomas Tuchel nach dem Schlusspfiff.

(Foto: Lars Baron/Getty)
  • In letzter Sekunde schießt RB Leipzig noch ein Tor, aber der Schiedsrichter zeigt Abseits. So gewinnt Borussia Dortmund 1:0.
  • Davor vergaben Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus beste Chancen.
  • Thomas Tuchel zeigte sich nach dem Spiel gelöst wie lange nicht.
Von Felix Meininghaus, Dortmund

Zum Ende der ersten Halbzeit brach es aus dem Dortmunder Verteidiger Sokratis heraus, nachdem er wieder einmal zu einem der für ihn typischen brachialen Tacklings angesetzt hatte. Er sprang schnell auf, riss mehrmals die Arme hoch und versuchte so die ohnehin laute Menge im Dortmunder Stadion noch einmal anzutreiben. Szenen wie diese ließen keinen Zweifel: Dieser Samstagabendkick in Dortmund war keine normale Bundesligapartie, hier ging es um mehr: um den Prestigekampf Tradition gegen Emporkömmling.

Das hatten die Besucher des Spiels bereits früh erfahren, als sie auf dem Weg ins Stadion die Plakate betrachten konnten, die in der Dortmunder Innenstadt zu sehen waren: "Red Bull? Verpisst Euch! Der Fußball gehört uns!", war dort zu lesen. Auch auf der Südtribüne machten die Dortmunder Anhänger aus ihrer Abneigung keinen Hehl: "Für den Volkssport Fußball - gegen die, die ihn zerstören", stand da, dazu noch eine Reihe von geschmacklosen und beleidigenden Bannern. Vielen Dortmundern sind die Leipziger, die die Bundesliga aufmischen, weiterhin ein Dorn im Auge. Unbestritten ist jedoch, dass sie ihre Arbeit in der Bundesliga derzeit um einiges effektiver erledigen als unter anderem Dortmund. So war die Borussia gefordert. Sie musste in diesem Spitzenspiel punkten, um ihre Champions-League-Ambitionen zu wahren.

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Das hat sie geschafft. Am Ende gewann der BVB die Partie 1:0 (1:0), letztlich ist er jedoch immer noch satte acht Punkte hinter den Leipzigern in der Tabelle platziert. "Es war ein 4:0 verkleidet als 1:0. Wir haben auf einem hohen Niveau verteidigt, überragend umgeschaltet und nur vergessen, den Deckel draufzumachen. Es war ein hochverdienter Sieg, der sich überragend anfühlt", sagte BVB-Trainer Thomas Tuchel nach dem Spiel. Die Gastgeber, die nun immerhin wieder Tabellendritter sind, verbuchten den Erfolg als eminent wichtig, "es war unsere Pflicht, dieses Spiel zu gewinnen", betonte Marco Reus. Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl gab sich als fairer Verlierer, "es ist keine Frage, dass Dortmund diesen Sieg verdient hat."

Hasenhüttl musste Stammpersonal ersetzen, Tuchel verzichtete freiwillig darauf

Während Hasenhüttl auf Stammkräfte wie Timo Werner, Emil Forsberg, Diego Demme und Marcel Sabitzer verzichten musste, überraschte Tuchel mal wieder mit seiner Aufstellung: Nicht nur der Weltmeister Mario Götze saß auf der Bank (zum dritten Mal in Folge), sondern auch offensive Kapazitäten wie André Schürrle, Christian Pulisic oder Shinji Kagawa. Nach dem Spiel wollte sich Tuchel zur Causa Götze nicht äußern. "Das ist kein Thema nach dem Spiel, dass wir einen Ersatzspieler rauspicken und darüber reden. Das ist der völlig falsche Zeitpunkt", sagte der BVB-Trainer.

Der Respekt vor Leipzig war offenbar so groß, dass sich Tuchel entschloss, Erik Durm zu bringen, um die defenisve Stabilität zu erhöhen. Beide Mannschaften arbeiteten sich von Beginn an mit extrem hohen Aufwand aneinander ab, im eng bepackten Mittelfeld gab es eine Vielzahl mit höchster Intensität geführter Zweikämpfe. Dortmund erarbeitete sich dabei Vorteile, doch dem BVB gelang es nicht, seine Gegenstoßaktionen mit der nötigen Präzision vorzutragen. Das änderte sich erst in der 35. Minute, als Ousmane Dembélé seinen großen Auftritt zelebrierte: Das 19-jährige Talent schnappte sich auf der rechten Außenbahn den Ball, umkurvte in Höchstgeschwindigkeit zwei Gegenspieler und flankte auf Pierre-Emerick Aubameyang, der nur noch seinen Kopf hinhalten musste. Es war der 17. Saisontreffer des Torjägers, der im Verlauf der Woche noch über einen möglichen Abgang aus Dortmund sprach. Thomas Tuchel explodierte nach diesem Treffer regelrecht. Er lief auf den Rasen, feuerte das Publikum an. Vor dem Spiel sprach er von "Druck". Das sah man in dieser Situation.

Minimale Abseitsstellung verhindert den Leipziger Ausgleich

Nach dem Wechsel erhöhte Leipzig die Schlagzahl und spielte zielstrebig nach vorn. Dem BVB bot sich so erstaunlich viel Platz, doch erst schob Reus den Ball am Tor vorbei, dann schloss Aubameyang zu harmlos ab und kurze Zeit später schoss Reus aus kurzer Distanz Leipzig-Torwart Peter Gulacsi an. So blieben die Gäste im Spiel und drängten auf den Ausgleich, die Bemühungen wurden fast belohnt.

Am Ende durften die Dortmunder froh sein, dass Schiedsrichter Tobias Stieler und sein Team in der Nachspielzeit eine minimale Abseitsstellung erkannten und dem Treffer des eingewechselten Federico Palacios die Anerkennung verweigerten. "Wir haben alles auf diesen Lucky Punch gesetzt", sagte Hasenhüttl, "schade, dass es nicht geklappt hat." Trotz der dritten Saisonniederlage war der Österreicher nicht niedergeschlagen: "Wir haben mit Leidenschaft dagegengehalten, egal wie gebeutelt wir heute waren. Ich glaube nicht, dass eine Niederlage in Dortmund diese Mannschaft aus der Bahn werfen wird."


Quelle: Opta Sportdaten

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