BVB in der Krise Dortmunds Schicksal entscheidet sich

Wo geht es für Borussia Dortmund hin? Die Spiele gegen Schalke und Tottenham werden eine Antwort geben.

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Von Sebastian Fischer

Ende November beginnt die Zeit der Jahresrückblicke, auch im Sport. Es ist eine Routine-Aufgabe für Programmplaner, doch diesmal steht ihnen eine komplizierte Herausforderung bevor. Denn Borussia Dortmund ist zwar eine der beliebtesten Fußballmannschaften des Landes. Doch es wäre kaum zu rechtfertigen, eine Sendung nur mit einem einzigen Bundesligaverein zu füllen. Der Anschlag auf den Mannschaftsbus, die Entlassung von Thomas Tuchel, die den Pokalsieg überstrahlte, der Verkauf von Ousmane Dembélé. Es ist eigentlich schon zu viel passiert für ein Jahr, doch es geschieht ständig mehr. In der kommenden Woche zum Beispiel, in Spielen gegen Tottenham Hotspur und Schalke 04, entscheidet sich mal wieder nicht weniger als das Schicksal des BVB.

Marcel Schmelzer war die Müdigkeit anzusehen, als er nach dem fünften Spiel ohne Sieg in Serie, der 1:2-Niederlage am Freitagabend beim VfB Stuttgart, wieder zukunftsweisende Worte verlieren musste darüber, wie die Elf den Weg aus "dieser bescheidenen Phase" finden müsse. "Ich weiß, dass es langweilig ist, das immer wieder zu hören", sagte der BVB-Kapitän.

Chef-Scout Sven Mislintat steht vor dem Wechsel zum FC Arsenal

Allein der Freitag hatte die Geschichte des Dortmunder Jahres wieder umgeschrieben. Trainer Peter Bosz hatte seinen Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang suspendiert, weil dieser am Donnerstag 35 Minuten zu spät zum Abschlusstraining erschienen war und tags zuvor zum nicht genehmigten Werbedreh im Kabinentrakt geladen haben soll. Der Stürmer, der nach anhaltender Formschwäche eigentlich gestärkt aus der Länderspielpause kommen sollte, war plötzlich wieder weg. Er übt inzwischen immerhin wieder mit der Mannschaft, erschien sogar pünktlich zum Training. In Stuttgart war dann aber schnell nicht mehr der fehlende Stürmer das Thema, da Marc Bartra und Roman Bürki eine Szene darboten, die jeden Jahresrückblick bereichern wird. Schmelzer nannte sie "Slapstick", Bosz "fast lächerlich". Bartra hatte seinem Torwart den Ball zu fest zurückgepasst, Bürki war ihm ohne Not entgegengelaufen, der Ball versprang, Stuttgarts Akolo traf zum 1:0. Bürki schaute fragend zu Bartra, der sich fluchend abwandte. Es war das Symbolbild der Krise.

Nun sogar mit Slapstick

Der BVB verliert auch gegen Stuttgart - und ist genervt und ratlos. Wie soll der Klub der Krise entkommen? Trainer Bosz weiß keine Lösung. Von Matthias Schmid mehr ...

Es wird in dieser Woche gemäß üblicher Branchenregeln auch um die Zukunft des Trainers Bosz gehen, den die Spieler zwar verteidigen, der aber eine der rätselhaftesten Ergebniskrisen der jüngeren Bundesliga-Geschichte verantwortet. Doch zuvor ging es am Sonntag erst mal mit einer neuen Negativmeldung weiter.

Mehrere Medien berichteten, Chef-Scout Sven Mislintat verlasse den BVB für den FC Arsenal. Mislintat, der mindestens eine Millionen Euro Ablöse kosten soll, gilt als einer der Strategen der Erfolge des vergangenen Jahrzehnts. Er war verantwortlich für die Transfers von Spielern wie Robert Lewandowski, Shinji Kagawa oder Raphael Guerreiro. Und spätestens, als am Abend auch noch Schalke in der Tabelle vorbeizog, war die Situation so dramatisch wie noch nie in dieser Saison.

Sie waren so stolz im Sommer auf die kaum mehr für möglich gehaltene Ruhe im Klub, die auch der neue Trainer verbreitete. Ruhe, "das hat uns eigentlich immer ausgezeichnet", sagte Sportdirektor Michael Zorc damals. Die Ruhe schien auf dem Höhepunkt angelangt zu sein, als der BVB im September als Tabellenführer gegen Augsburg schwach spielte und trotzdem mit 2:1 gewann. Von einer besseren Mentalität als im vergangenen Jahr, als enge Spiele oft verloren gingen, war die Rede. Doch danach ging so ziemlich alles schief.

Von der Ruhe ist nichts mehr übrig.