BVB Fans und der Anschlag Angst vor den Dortmunder Verrohten

  • Nach der Attacke auf den BVB-Bus stellt sich erneut die Frage nach den Problemen des Vereins mit den eigenen Fans.
  • Nach den Ereignissen beim Spiel gegen Leipzig rückte eine Gruppe namens "0231 Riot" in den Fokus.
  • Ob diese Gruppierung auch in Verbindung mit dem neuerlichen Angriff steht, muss geklärt werden.
Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Am Mittwochmittag, als in Karlsruhe gerade die Sprecherin der Bundesanwaltschaft in nüchternen Worten erklärte, dass man von einem terroristischen Hintergrund für den Anschlag auf Borussia Dortmunds Mannschaftsbus ausgehe, waren auf dem Alten Markt im Herzen der City schon wieder die Fußball-Trikots in der Überzahl. Das ist immer so, wenn der BVB spielt. Und erst recht an Heimspieltagen wie diesem, wenn ein Hauch von Internationalität durch die Stadt streift. Zumal dann, wenn der Besuch aus dem Millionärs- und Glamour-Städtchen Monaco kommt und sogar den Fürsten Albert mitgebracht hat ins Westfälische.

Terrorismus in Dortmund? Kaum zu glauben. Jedenfalls nicht für das Fußballvolk mit den schwarz-gelben Schals und den sonnengelben Trikots, das sich an den Stehtischen vorm Wencker's eingefunden hat, wo seit dem 14. Jahrhundert Bier gebraut und getrunken wird. Warum sollte man hier, wo man glücklich ist, am Rande der ganz großen Trampelpfade der Geschichte zu sein, einen Anschlag verüben? Und was soll das mit Fußball zu tun haben?

Der erbarmungslose Sport

"The show must go on", unter diesem Motto sollen die Fußballer des BVB ein gesellschaftspolitisches Signal senden und heute gegen Monaco spielen. Die Leistungsmühle Fußball kennt kein Innehalten. Von Thomas Hummel mehr ...

Dortmunds Fußball-Leidenschaft wird viel beschworen, allerorten in der Welt der Fans, aber an diesem Mittwoch kann jeder erkennen, welche Energie, Freude und welchen Trost der BVB in dieser Stadt verbreiten kann. Viele zeigen Handyfotos von sich und ihren neuen Freunden, Monaco-Fans, die sie am Abend nach der Spielabsage spontan in ihren Privatwohnungen untergebracht hatten. Bei all der Begeisterung muss man aber auch wissen, wie fraktioniert in Wirklichkeit die Anhängerschaft des BVB ist.

Von den gut 600 000 Dortmundern sind 700 000 BVB-Fans

Wer nur im Fernsehen das gelbe Meer der 25 000 auf der Südtribüne sieht, der hält das leicht für eine einheitliche Front von Gleichgesinnten. Die Sprechchöre sind legendär; die Gelbe Wand und ihre Wechselgesänge mit den anderen drei Tribünen der Arena aber zeigen schon, dass BVB-Fans zwar gemeinsame Nenner haben, aber auch in Gruppen und Stämme zerfallen, wenn das Spiel zu Ende zelebriert ist.

Von den gut 600 000 Dortmundern, so sagt man in der Stadt, sind 700 000 BVB-Anhänger. Nicht nur einfach so, sondern mit Fahnenmast im Vorgarten oder BVB-Flagge im Klofenster sowie mit Stadion-Dauerkarte seit immer schon. Aber viele der Gruppen und Grüppchen sprechen kaum noch miteinander. Und vor wenigen Wochen gingen im Fußball-Biotop von Dortmund die roten Lichter an.

Drohung an der Friedhofsmauer: Die Dortmunder Polizei nahm das gegen BVB-Präsident Joachim Watzke gerichtete Grafitto durchaus ernst.

(Foto: oh)

Da attackierte ein 500 Mann starker Mob enthemmter BVB-Fans die verschreckten Anhänger des RB Leipzig. Leipzig gilt als Ausgeburt des Kommerz im Fußball, weil der Sponsor, ein Brause-Milliardär, den Klub mit Riesensummen in die Bundesliga gepusht hat. Das Gegenmodell zum BVB, dessen Anhänger soviel Wert darauf legen, eine eigene Kultur zu haben. Ein Wohlfühl-Milieu, in dem sie mitbestimmen über den Erfolg ihres Klubs - trotz der Sponsorenmillionen, die BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und seine Vorstandscrew einsammeln, um Champions-League-Spiele wie das gegen AS Monaco überhaupt erst möglich zu machen.