Bundestrainer Löw über das 4:4 "Daraus lerne auch ich"

Bundestrainer Joachim Löw äußert sich nach seiner Grippe zum irritierenden 4:4 in der WM-Qualifikation gegen Schweden: Er räumt eigene Fehler ein, widerspricht aber dem Ruf nach einem Führungsspieler. "Einen Ton wie auf dem Kasernenhof" lehnt er ab.

Von Philipp Selldorf

Rasenschach - die Fußball-Taktikkolumne Wie Schwedens Trainer die Wende schaffte

Das 4:4 von Berlin in der taktischen Nachbetrachtung: Nach einer völlig passiven ersten Halbzeit wechselte Schwedens Trainer Erik Hamrén zweimal und stellte seine Mannschaft wesentlich offensiver auf den Platz. So holten sie tatsächlich vier Tore auf. Es war ein Lehrstück, wie man einem starken Gegner mit eigener Offensive begegnet.

(Video: Süddeutsche.de)

Am vorigen Mittwoch kündigte das Zweite Deutsche Fernsehen auf seiner Homepage einen Knüller an. Als Gast des Aktuellen Sportstudios präsentierte die Redaktion einen Mann, den sie in der langen Programmvorschau als "Retter aus dem Hinterzimmer" feierte.

Was Horst Heldt davon hielt, dass ihn das ZDF einerseits als heldenhaften Retter ehrte, ihn aber andererseits ins Zwielicht tauchte - als Gelsenkirchener Hinterzimmerinsassen -, das hat der Manager des FC Schalke 04 nicht weiter kommentiert. Dafür brachte er zum Ausdruck, dass er es für ziemlich merkwürdig und ziemlich unhöflich hielt, dass ihn das ZDF am Freitag geradewegs wieder auslud. Weil es meinte, einen noch spannenderen Gast gewonnen zu haben, nämlich den Bundestrainer Joachim Löw, der einst an Jürgen Klinsmanns Seite als Retter der Nationalmannschaft angetreten war, inzwischen aber selbst für den einen oder anderen Rettungsschirm Verwendung zu haben scheint.

Löw sollte am Samstag über die Ursachen und Folgen des mysteriösen 4:4 im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden sprechen, doch bevor er sich aus Freiburg auf den Weg nach Mainz machen konnte, wurde er zum Schweigen gebracht. Allerdings nicht von der Obrigkeit des Deutschen Fußball-Bundes, wie in manchen fiebernden Zirkeln tatsächlich fabuliert worden war. Sondern von einer fiebrigen Grippe, die ihm den Auftritt im Fernsehen unmöglich machte.

Löws Bedürfnis, sich und seine Mannschaft zu erklären, hatte aber auch am Montag noch Bestand, und so bekamen nun statt des ZDF die drei Nachrichtenagenturen dpa, sid und dapd die Gelegenheit zur Anhörung. Die Ratgeber des halbwegs genesenen Bundestrainers legten Wert auf ein breites Forum. Ebenfalls war es ihnen wichtig zu zeigen, dass sich der Trainer in stürmischen Tagen nicht vor der Öffentlichkeit versteckt. Dieser Verdacht war bereits hier und da geäußert worden, nachdem Löw im Anschluss an die Europameisterschaft eine bald sechs Wochen währende Schweigephase eingelegt hatte.

Wer sich also am Samstag vielleicht noch um den kurzfristig verhinderten Löw gesorgt hatte, der konnte sich nach seinen Äußerungen am Montag wieder beruhigen. Zwar äußerte der Bundestrainer einige Kritik, richtete diese Kritik aber vor allem an sich selbst.

Zum Beispiel war er, wie das Gros der Kritiker, nicht einverstanden mit seinen Aus- und Einwechslungen. "Das ist natürlich ein Vorwurf an mich, absolut. Vielleicht hätte ich mit einer Auswechslung ein Signal senden können, mit einem defensiven Mann, der in der Lage ist, die Mannschaft zu entlasten", stellte er fest, plädierte aber auf mildernde Umstände: "Ich konnte auch nicht glauben, dass das Spiel kippt. So etwas habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt. Daraus lerne auch ich. Mein Plan war zuerst, als das Spiel etwas aus den Fugen geriet, ballsichere Spieler zu bringen, um wieder die richtige spielerische Qualität zu haben und die Schweden von unserem eigenen Tor wegzuhalten. Aber das ist nicht aufgegangen."