Von Christof Kneer

Hennef ohne Rasenheizung, Spontantrips nach Belek und Südamerikaner ohne Weihnachtsurlaub: Die Bundesligisten müssen lernen, mit der kürzesten Winterpause seit 30 Jahren umzugehen.

Gerne und sehr zu Recht wird über den sogenannten asiatischen Markt gespöttelt, den der deutsche Fußball seit vielen Jahren zu erobern gedenkt, weshalb er gelegentlich Energie Cottbus oder Arminia Bielefeld hinüberschickt. Diese schöne Maßnahme führte unter anderem dazu, dass Asien den chinesischen Cottbus-Profi Shao zu Gesicht bekam, den es aber schon kannte.

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Lukas Podolski und der 1. FC Köln sind kurzfristig zum Trainingslager nach Belek geflogen. (© Foto: Getty)

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Deshalb bringt der deutsche Fußball diesmal sicherheitshalber seine Schwergewichte in Stellung: Bayern München und Werder Bremen sind am Wochenende nach Dubai geflogen, um dort ihre Rückrunden-Trainingslager abzuhalten. "Die Bundesliga vor Ort erlebbar zu machen" heißt das im Geschäftsdeutsch von Holger Hieronymus, dem Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

Solche Sätze kennt man aus der Vorbereitungszeit, aber ansonsten gibt es plötzlich kaum mehr Gewohnheiten, an die man sich halten kann. Und um es an dieser Stelle einmal klar zu sagen: Der asiatische Markt kann diesmal wirklich nichts dafür. Er ist völlig unschuldig daran, dass die gute alte Bundesliga gerade etwas bahnbrechend Neues probieren muss: Sie versucht, eine Winterpause zu veranstalten, die keine richtige Winterpause mehr ist.

Zwei Wochen nach Hinrunden-Ende haben die letzten der 18 Erstligisten den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen, und in nicht einmal zwei Wochen wird beim Auftaktspiel zwischen dem FC Bayern und der TSG Hoffenheim (15. Januar) schon wieder offiziell um Punkte gekämpft - es ist die kürzeste Winterpause seit 30 Jahren.

"Den Winter vor Ort erlebbar machen", diesen Slogan hat noch kein PR- Stratege erfunden, aber es wird jetzt allmählich Zeit. So haben zum Beispiel die Profis des 1. FC Köln schwer gestaunt, als sie am Samstag bei minus zwei Grad im Schnee übten; noch mehr staunten sie, als sie erfuhren, dass die Sportschule Hennef über keinerlei Rasenheizung verfügt.

Dort wollte der FC für die Rückrunde proben, doch spontan beschlossen die Klub-Oberen, die Vorbereitung ins türkische Belek auszulagern. "Wir wollten ursprünglich zu Hause bleiben, weil wir in der ohnehin kurzen Vorbereitung nicht auch noch zwei Reisetage verlieren wollten", sagte FC-Manager Michael Meier.

Abzüglich der kurzfristig geflüchteten Kölner sind es immer noch vier Erstligisten (Leverkusen, Hoffenheim, Hannover, Bochum), die in der Heimat bleiben - eine erste Reaktion auf die neuen Eckdaten des Rahmenterminkalenders, an den die Bundesliga und ihre Konsumenten sich gewöhnen sollten. "Die kurze Winterpause hängt nicht nur mit der WM zusammen, die Winterpause wird erst mal so bleiben", sagt Meier, der zum Vorstand der DFL gehört. Der Terminkalender für die Saison 2010/2011 ist bereits verabschiedet, auch in der kommenden Saison wird der Betrieb im Winter nur dreieinhalb Wochen zur Ruhe kommen.

Auf der nächsten Seite: Wie sich die DFL sogar wissenschaftlich mit der verkürzten Winterpause befassen will.

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