Wissenschaftlich ist bisher nicht erforscht, was Schiedsrichter empfinden, wenn sie einen Platzverweis verhängen. Und welches Gefühl hat der Referee, wenn er sich selbst vom Platz stellt?
Wissenschaftlich ist bisher nicht erforscht, was Schiedsrichter empfinden, wenn sie einen Platzverweis verhängen. Sie reden auch selten darüber. Es ist aber vorstellbar, dass mancher Schiedsrichter nicht ungern von der roten Karte Gebrauch macht, dass er später mit seinen Assistenten im ICE-Bistro ein Bier darauf trinkt und abends die Szene noch mal im Fernsehen anguckt. Schiedsrichter sind zwar Amtspersonen, sie sind aber - selbst die deutschen - immer noch Menschen, und der Platzverweis ist ein verführerisches Mittel der Macht. Aber welches Gefühl hat der Schiedsrichter, wenn er sich selbst vom Platz stellt?
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Der schnellste Platzverweis der Bundesliga-Geschichte: Felix Brych zeigt Kölns Youssef Mohamad die rote Karte. (© REUTERS)
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Solche Fälle kommen vor. Eine englische Quelle berichtet vom Beispiel aus einer Sonntagsliga, bei der Peterborough North End auf Royal Mail AYL traf. Genervt über die ständigen Beschwerden beider Parteien war Spielleiter Andy Wain dem meckernden Torwart von Peterborough so nahe getreten, dass er sich für die Provokation selbst bestrafen musste. "Wenn ein Spieler so was macht, stelle ich ihn vom Platz - also musste auch ich gehen", sagte Wain, der nicht stolz auf sein resolutes Handeln, sondern untröstlich über sein Verhalten war.
Der Tatort in einem anderen Sonntagsligaspiel war das Stadion des Vereins Southampton Arms, zu Gast war das Team von Hurstbourne Tarrant British Legion. Schiedsrichter Melvin Sylvester hatte einen Spieler geschlagen, der ihn zuvor gerempelt und beschimpft hatte. Klarer Fall von Tätlichkeit. Der Fußballverband Hampshire sperrte den Referee für sechs Wochen und beschloss eine Geldstrafe von 20 Pfund, was Sylvester sehr verärgerte, weil er fand, er sei vom Schiedsrichter genug bestraft worden.
Auch Felix Brych musste sich am Samstag in Köln Mangel an Gefühl - zumindest in den Fingerspitzen - vorwerfen lassen, doch er hat nur den Regeln gehorcht und keine Macht missbraucht, als er dem FC-Verteidiger Yussef Mohamad nur 87 Sekunden nach Spielbeginn die rote Karte zeigte. Womöglich hat er später im ICE trotzdem ein Bier darauf gehoben, denn unter den mehr als 1000 Platzverweisen in der Bundesligageschichte ist keiner früher verhängt worden. Aber vielleicht hat Brych ja gar nicht die Eisenbahn benutzt. Philipp Selldorf
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(SZ vom 23.08.2010/jüsc)
Führungsstreit bei der Linken
Ich denke, dass man die rote Karte theoretisch geben konnte, dies aber eine schlechte Entscheidung war. Zudem wäre ein Spieler von beispielsweise Bayern München nicht nach 90 Sekunden wegen Haltens, auch als letzter Mann, vom Platz geflogen. Des weiteren hat der werte Dr. Brych seine scheinbar harte Linie im weiteren Verlauf des Spiels nicht durchgezogen.
Zur Intention des Artikels: man darf sich dabei auch mal fragen, was Menschen dazu bewegt, freiwillig Fussball-Schiedsrichter zu werden. Mir würde es nicht gefallen, immer der ... vom Dienst zu sein.
Ich habe ja das Gefühl, dass Herr Selldorf selber Fußball spielt und am Wochenende vom Platz gestellt wurde.
Und jetzt seinen Frust über die "Scheiß-Schiris", wie es im Fußball-Jargon heißt, loszuwerden versucht...
... gegenüber der gedruckten Ausgabe: Da wäre ich mir mal nicht so sicher, ob ein Vorteil vorliegt, siehe Vermerk am Ende des Artikels "(SZ vom 23.08.2010/jüsc)". Wenn mich nicht alles täuscht, ist der Artikel in der Ausgabe von heute erschienen.
Zum Glück musste für diesen Online-Artikel kein Baum gefällt werden. Die rote Karte war vertretbar. Dass das Spiel oder die Saison des Spielers zum Zeitpunkt des Fouls erst knapp 90 Sekunden alt war, ist völlig unerheblich. Punkt!
Was ist denn das bitte für ein Artikel?
Da werden zwei Belanglosgkeiten aus englischen Sonntagsligen erwähnt und dann ein Vergleich zur völlig richtigen roten Karte im Köln-Spiel am Samastag gezogen.
Und mit dem letzten Satz hat sich der Autor ja eindrucksvoll selbst diequalifiziert.
Und was soll dieser haltlose Vorwurf Schiedsrichter würden sich an ihrer Machtpoition und der Verteilung rter Karten aufgeilen?
Die rote Karte für den Kölner war völlig berechtigt. Und gelten zu Spielbeginn andere Regeln als im weiteren Spielverlauf? Darf man sich zu Spielbeginn Notbremsen und Tätlichkeiten leisten, weil die Schiris da die Augen zudrücken?
Nein, Herr Brych hat in dieser Situation alles richtig gemacht.
Dem Autor des Berichts sei die Lektüre von Thomas Brussigs "Schiedsrichter Fertig" ans Herz gelegt.
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