Bundesliga Völler wütet wieder - zum Glück

Rudi Völler (re.): Aufregender Sonntag in Leverkusen

(Foto: dpa)
  • Rudi Völler liefert sich mit Sky-Moderator Sebastian Hellmann einen hitzigen Streit.
  • Mit Wutreden hat der Sportdirektor von Bayer Leverkusen bereits Erfahrung.
  • Wut ist das Letzte, was vom Volkssport Fußball noch authentisch durchblitzt.
Von Saskia Aleythe

Gut möglich, dass Rudi Völler von seinem Hausarzt nun erst mal ein paar Stunden Meditation verschrieben bekommt. Wer den Sportdirektor von Bayer Leverkusen am Sonntagabend im Fernsehen toben sah, der musste sich schon Sorgen machen: Ein hochroter Kopf zappelte da neben Sky-Moderator Sebastian Hellmann. Es brauchte nicht mal eine Tonspur, um zu erkennen: Der Mann ist richtig wütend. Wütend kann er, das weiß man von Völler.

Es war ja die Szene des Spieltags gewesen: Schiedsrichter Felix Zwayer hatte die Partie zwischen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund beim Stand von 1:0 für den BVB unterbrochen, weil sich Bayer-Trainer Roger Schmidt geweigert hatte, den Innenraum zu verlassen. Doch richtig in Rage redet sich Völler im Anschluss wegen eines nicht gegebenen Elfmeters. Aus Völlers Sicht eine Revanche des Schiedsrichters. "Steile These", sagt der Moderator. Und dann beißt sich Völler richtig an ihm fest.

Als Völler gefragt wird, was er nun mit Trainer Schmidt besprechen wird, ist der 55-Jährige wie angestachelt. "Was haben Sie jetzt mit dem Roger Schmidt?", fragt Völler empört, Kritik am Verhalten des Coaches will er nicht zulassen. "Viel wichtiger ist doch, dass da kein Elfmeter gepfiffen wird", sagt Völler und starrt Hellmann aggressiv in die Augen. "Ich meine doch nur", setzt der Moderator an, "ja was meinen Sie, was?", keift Völler dazwischen. Und setzt schon zur nächsten These an.

"Wer hat uns denn mehr geschadet heute? Der Schmidt oder der Schiedsrichter?", fragt Völler, "seien Sie mal ehrlich jetzt. Nicht, wenn das Mikro aus ist, sagen, du hast ja recht, Rudi." Dass er keinen Strafstoß gegeben hat, bezeichnete Schiedsrichter Zwayer selber als Fehlurteil. Besänftigt hat das Völler nicht, er schließt mit einem Epilog: "Vielleicht hat er [Schmidt, Anm.d.Red.] den Fehler gemacht, nicht hochzugehen. Aber das muss man jetzt doch nicht so aufpumpen, die Nummer. Man muss die Mannschaften doch nicht reinschicken. Geh doch hin und sag, Herr Schmidt, Sie müssen auf die Tribüne, weil Sie zu laut waren beim vierten Offiziellen. Warum hat er das nicht gemacht?" Kurzer Handshake, dann ist er verschwunden.

Spielunterbrechung in der Bundesliga Felix Zwayer - ein Schiedsrichter greift durch

Weil Leverkusens Trainer nicht auf die Tribüne will, schickt Felix Zwayer alle vom Rasen - danach gibt es viel Aufregung und einen tobenden Rudi Völler.

Jetzt ermittelt der DFB-Kontrollausschuss gegen Völler. Dabei ist sein jüngster Auftritt nur einer von vielen, mit denen er nach seiner aktiven Karriere für Aufsehen gesorgt hat. Legendär ist sein Wutanfall im ARD-Studio vom September 2003, als er nach einem 0:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Island über die Fragen von Gerhard Delling herzieht. "Das ist für mich das Allerletzte, wechselt den Beruf", sagte Völler. Im Gespräch mit Moderator Waldemar Hartmann meinte er: "Du sitzt hier locker auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken und bist schön locker."

Ja, Völler ist schon eine empfindliche Seele und man muss fast sagen: Zum Glück. Im maßgeschneiderten Anzug-Profifußball sind Emotionen rar geworden, die Wut ist das Letzte, was vom Volkssport noch authentisch durchblitzt. Wie unsouverän Völler dann streitet, ist eigentlich schon wieder liebenswert.

Authentisch durchgeblitzt ist bei Völler im November allerdings auch etwas anderes: Sky-Moderatorin Jessica Kastrop hatte der Weltmeister bei einem Auftritt verächtlich die Hand getätschelt, als sie eine kritische Frage stellte, ebenfalls zu Roger Schmidt. Mit einer Frau über Fußball streiten? Pff. Alles nicht so einfach mit den Emotionen.