Bundesliga Tränen trotz Aufholjagd

Die Kölner Spieler (im Bild Marco Höger) ahnen, dass das 2:2 gegen Schalke zu wenig ist im Kampf um den Klassenerhalt.

(Foto: dpa)

Auch wenn der Kölner Abstieg nun praktisch besiegelt ist, erhoben sich die Zuschauer nach dem Abpfiff und spendeten den Spielern minutenlang Applaus. Nicht nur bei Torwart Timo Horn flossen Tränen nach dem 2:2 (1:2) vor eigenem Publikum gegen den FC Schalke 04. "Jeder Gang zu den Fans ist nicht einfach. Aber nicht, weil man etwas befürchtet", sagte Marcel Risse. Der Mittelfeldspieler zeigte mit seinem Ausgleichstreffer, dass die Moral beim Tabellenletzten ungebrochen ist. "Das ist keine Söldner-Truppe, das ist eine Mannschaft, die den FC liebt und lebt", sagte Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck. Sauer war dagen sein Kollege Domenico Tedesco: "Arroganter kann man nicht spielen", schimpfte er bei Sky.

Nach 0:2-Rückstand holten die Kölner gegen den Tabellenzweiten aus Schalke noch einen Punkt. Doch der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt drei Spiele vor dem Saisonende acht Zähler, der sechste Abstieg ist kaum noch zu verhindern. Für die Schalker ist bei sieben Punkten Vorsprung auf Rang fünf das Comeback in der Champions League nach vier Jahren fast schon sicher. Allerdings schmolz der Vorsprung auf Verfolger Dortmund auf zwei Punkte.

"Von Champions League brauchen wir momentan gar nicht reden. Da gibt es Mannschaften, die das besser machen", sagte Tedesco. Der Trainer war nicht gut auf seine Spieler zu sprechen. "Fahrlässigkeit, Arroganz, das kann man nennen wie man will", sagte er und bemängelte: "Wir haben die Torchancen nicht genutzt. Das darf uns nicht passieren."

Nach Toren von Breel Embolo (5.) und des starken Jewgen Konopljanka (23.) schienen die Gelsenkirchener eigentlich auf dem besten Weg zum siebten Sieg aus den letzten acht Spielen. Doch Köln schlug durch Leonardo Bittencourt (26.) und Risse (83.) zurück.

Den Kölnern droht der sechste Abstieg

Die Kölner konnten sich auf den möglichen sechsten Absturz nach 1998, 2002, 2004, 2006 und 2012 lange vorbereiten - auch wenn in der Rückrunde nach Derby-Siegen gegen Mönchengladbach und Leverkusen sowie einem Überraschungs-Erfolg in Leipzig immer wieder Hoffnung aufkeimte. Seit dem 3. Spieltag steht der FC durchgängig auf einem Abstiegsplatz. Nur Arminia Bielefeld (7) und der 1. FC Nürnberg (8) sind öfter als sechsmal aus der 1. Liga abgestiegen. Die im Falle des Abstiegs direkte Rückkehr in die Bundesliga soll der gebürtige Kölner Markus Anfang als Trainer schaffen, der aktuell noch mit Holstein Kiel um den Aufstieg ins Oberhaus kämpft.

Vor dem Spiel hatte es ein kräftiges Gewitter rund um das Stadion gegeben. Nach Angaben des FC wurden im Umkreis von zwei Kilometern 40 Blitzeinschläge notiert, einer davon direkt auf den Vorwiesen der Kölner WM-Arena. Verletzt wurde offenbar niemand, die Partie vor 50 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion begann pünktlich. Während des Spiels blitzte es nicht, regnete und hagelte aber immer wieder, der Platz war entsprechend schwer bespielbar.

Die auf fünf Positionen gegenüber dem Pokal-Aus gegen Frankfurt veränderten Schalker begannen druckvoll und wurden früh belohnt: Embolo vollendete einen sehenswerten Konter nach Vorlage Konopljankas aus kurzer Distanz. Kölns Dominique Heintz prallte beim Rettungsversuch mit voller Wucht gegen den Pfosten, konnte aber weiterspielen.

Als der im Pokal nur eingewechselte Konopljanka beim 2:0 erneut die Schwäche der Kölner auf der rechten Abwehrseite ausnutzte, schien das Spiel entschieden. Doch die vor allem im defensiven Mittelfeld überforderten Kölner zeigten zumindest Moral: Bittencourt traf nach Vorlage von Nationalspieler Jonas Hector, den Trainer Stefan Ruthenbeck zentral offensiv statt links defensiv aufgestellt hatte.

Der Mann der ersten Halbzeit war aber weiter Konopljanka, auch wenn der Ukrainer auch mit vielen vergebenen Chancen auffiel. Nach einem Pfostenschuss (30.) wurde sein mit Gesichtsmaske aufgelaufener Gegenspieler Frederik Sörensen ausgewechselt, was die Fans mit Pfiffen und höhnischem Beifall quittierten. Konopljanka war aber weiter nicht zu halten, Sekunden vor der Pause scheiterte er jedoch an Kölns Torhüter Timo Horn.

Nach der Pause verflachte die Partie. Die Schalker konzentrierten sich auf ihre Kompaktheit, Köln fehlten über weite Strecken die Mittel. Der ansonsten fast nicht in Erscheinung getretene Simon Terodde scheiterte an Ralf Fährmann (55.). Kurz vor Schluss patzte Schalkes Schlussmann bei einem flatternden Freistoß von Risse (Fährmann hatte auch auf eine Mauer verzichtet). Doch der Ausgleichstreffer wird den Kölnern nichts mehr nützen.


Quelle: Opta Sportdaten

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