Von Claudio Catuogno, Wolfsburg

Grafite prallt, fällt und trifft: Die Spieler des VfL Wolfsburg lachen dank eines 2:1-Erfolgs gegen Leverkusen über die Tabelle - und der Meisterschaft entgegen.

Rudi Völler kam um die Ecke gebogen, das bittersüße Rudi-Völler-Lächeln im Gesicht, und sagte: "Ja, was soll man sagen?" Zu so einem Spiel. Der VfL Wolfsburg als beste Heimmannschaft der Liga gegen Völlers Leverkusener, das Team mit der besten Ausbeute auf fremden Plätzen. Aber eben auch: der Erste gegen den Neunten, der Effizienzmeister aus Niedersachsen gegen die ewig unvollendete Bayer-Elf.

Bundesliga - 28. Spieltag

Grafite wird unsanft von René Adler gestoppt. (© Foto: Getty)

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Völler, der Sportdirektor, sagte einfach nur: "Schade!" Das sei heute "schon die Art Fußball" gewesen, "die wir uns vorstellen - auf dem Platz ist kein großer Unterschied zu erkennen zwischen den Wolfsburgern und uns". Auf dem Platz nicht. Aber eben in der Tabelle.

So kommt es, dass Rudi Völler das am Dienstag stattfindende Pokal-Halbfinale gegen den FSV Mainz 05 schon als "wichtigstes Spiel der Saison" bezeichnet: Weil der Weg ins internationale Geschäft über die Bundesliga kaum noch möglich erscheint nach der unglücklichen 1:2-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg am Samstagnachmittag.

Ähnlich äußerte sich Leverkusens Trainer Bruno Labbadia ein paar Meter weiter, im Pressesaal der Wolfsburger Arena: "Was soll man zu so einem Spiel groß sagen", begann er, hilflos mit den Schultern zuckend. "Wir haben sehr gut begonnen, sind dann aus dem Nichts in Rückstand geraten. Wenn man den Spielverlauf sieht, hätten wir hier einen Sieg verdient gehabt. Aber es spricht natürlich für den VfL Wolfsburg, dass er so ein Spiel dann noch gewinnt."

Man lernt schon eine Menge über die wundersame Tabellenführung der Wolfsburger, wenn man ihren Gegnern zuhört. Wie sie wahlweise mit dem Schicksal oder dem Schiedsrichter hadern und Mühe haben, ihre Niederlagen zu akzeptieren. Das furiose Wolfsburger 5:1 gegen den FC Bayern ist schon wieder ein paar Tage her, seither ist der VfL der Klassenprimus der Liga, aber Cheftrainer Felix Magath hat festgestellt, dass "meine junge Mannschaft diesen Platz an der Tabellenspitze nicht kennt und nicht gewohnt ist".

Deshalb "haben wir uns letzte Woche beim 2:1 in Mönchengladbach schwer getan, haben uns heute gegen Leverkusen schwer getan und werden uns auch nächste Woche wieder schwer tun." In Cottbus. Der Abstand auf den FC Bayern hat sich aber trotz der sichtbaren Mühen nicht verringert. Gerade das macht Magaths Wolfsburger für die Konkurrenz so bedrohlich: Dass sie auch gewinnen, wenn sie ihre Gegner nicht dominieren. Oder besser: wenn sie sie nicht über 90 Minuten dominieren.

Denn Szenen, die den VfL Wolfsburg zum legitimen Meisterschaftsanwärter machen, seiner mausgrauen Vergangenheit zum Trotz, gibt es nach wie vor in jedem Spiel, auch in diesem 2:1 gegen Leverkusen wieder. Zvjezdan Misimovic hat die entscheidende Szene am Samstag in der Sprache der Fußballer nacherzählt: "Ich mit dem Kopf zu Edi, der Edi mit dem Körper super zurück zu mir. Ich sehe dann, dass Grafa links startet, spiel' den Pass in den leeren Raum und hoff' natürlich, dass Grafa ihn rein macht."

Das war in der 85. Minute. Und natürlich macht Grafa ihn rein, eiskalt verlädt er den Nationaltorwart René Adler und platziert den Ball im Toreck, zum 2:1-Siegtreffer. "Grafa" heißt eigentlich Grafite, "Edi" heißt Edin Dzeko, und gemeinsam mit dem begnadeten Passgeber Misimovic, genannt "Zwetschke, bilden die Stürmer Grafite (22 Treffer in 19 Spielen) und Dzeko (16/26) seit Monaten das aufsehenerregendste Offensivdreieck der Liga.

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  2. VfL Wolfsburg: Lachend der Meisterschaft entgegen
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