Der FC Bayern gewinnt gegen Eintracht Frankfurt locker mit 4:0 - die Fans forderten dennoch während der 90 Minuten die Ablösung des Trainers.
Nach der Schmach von Barcelona hat der FC Bayern München das erste von acht Endspielen in der Bundesliga gewonnen und Jürgen Klinsmann vorerst den Job gerettet. Gegen eine ähnlich wie die Münchner in der Champions League am Samstag in der Liga überforderte Mannschaft von Eintracht Frankfurt schoss sich der Rekordmeister beim 4:0 (3:0) zumindest ein bisschen den Frust von der geschundenen Fußball-Seele. Franck Ribéry (3. Minute), Luca Toni (17.), Lucio (23.) sowie Bastian Schweinsteiger (48.) erhielten ihrem Club in turbulenten Tagen die Chancen auf den 22. Meistertitel.
Freude auf der Bayern-Bank: Jürgen Klinsmann und Uli Hoeneß. (© Foto: dpa)
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Für den schwer in der Kritik stehenden Coach, der sich trotz anfänglicher "Klinsmann raus"-Rufe oft mit einem Lächeln auf der Trainerbank zeigte, bedeutete der klare Sieg drei Tage vor dem Rückspiel gegen den FC Barcelona zumindest ein wenig Ruhe vor den kommenden Spielen.
Mark van Bommel dagegen war selbst nach diesem Spiel sauer - noch immer ging es um die Partie in Nou Camp: "Ich verstehe nicht, dass jetzt über Willen und Herz diskutiert wird, nur weil wir gegen Barcelona einen schlechten Tag hatten. Ganz ehrlich: Ich kapiere es nicht. Wir wollten doch." Der Gegner sei einfach besser gewesen, der FC Bayern habe schlecht gespielt - aber deshalb dürfe man nicht sofort den Willen in Frage stellen.
Der FC Bayern war vom Anpfiff an nach dem 1:5 in Wolfsburg und dem 0:4 in Barcelona mit Biss um Wiedergutmachung bemüht: Nach 14 Sekunden gab es durch Zé Roberto das erste Foul, nach 131 Sekunden die Führung durch Ribéry. Unhaltbar schlug der 22-Meter-Schuss des Franzosen im Tor der zuvor vier Spiele ungeschlagenen Frankfurter ein. Beim anschließenden Jubel hob der Franzose die rechte Hand, auf der eine "5" zu sehen war. Die Trikotnummer seines Bayern-Freundes Daniel van Buyten, der wegen der Erkrankung seines Vaters nach Belgien gereist war. Es bleibt die Frage, warum der Franzose in den Spitzenspielen nicht so spielen wollte - oder konnte.
Wie drei Tage zuvor in der Champions League vertraute Klinsmann im Tor erstmals auch in der Liga Routinier Jörg Butt (Klinsmann: "Er war am Mittwoch der einzige, der den Kopf hingehalten hat.") und degradierte damit endgültig seine bisherige Nummer eins Michael Rensing, der anders als sein Trainer aufmunternde Worte aus der Fankurve vernehmen durfte. Die Rufe verstummten bis kurz vor Spielende, vereinzelt war gar "Butt, Butt, Butt" zu hören, denn der 34-Jährige war über 90 Minuten ein sicherer Rückhalt; wenngleich von den harmlosen Hessen auch kaum beschäftigt. Michael Rensing dagegen saß das gesamte Spiel über wie versteinert auf der Ersatzbank.
"Natürlich tut einem das im Herzen weh, wenn die Fans still sind oder so etwas rufen", sagte Bastian Schweinsteiger nach dem Spiel. Die Mannschaft hätte nach den schlechten Spielen in Wolfsburg und Barcelona die richtige Reaktion gezeigt.
Anders erging es Butts Kollege Oka Nikolov, der schon eine Viertelstunde nach der Führung ein weiteres Mal überwunden wurde. Ribéry lupfte einen Freistoß zu Toni und der Italiener nahm den Ball direkt mit dem linken Fuß und schoss ihn ins Tor. Per Kopf stellte Lucio, für den die Statistiker vor der Pause 100 Prozent gewonnene Zweikämpfe errechneten, den Pausenstand her. Die "Klinsmann raus"-Rufe wurden leiser.
Nach dem Seitenwechsel war dann vor 69.000 Zuschauern in der Allianz Arena weiter Freude angesagt. Einen Ball von Toni konnte Nikolov, dessen Team die letzten 15 Minuten wegen der Verletzung von Benjamin Köhler nur noch zu Zehnt spielte, nicht komplett entschärfen. Schweinsteiger schob als Glücklicher zum 4:0 ein, Pech hatte er dagegen bei einem Freistoß an die Latte nur wenige Minuten später (67.).
Größer als über das 4:0 war der Jubel in der Arena nur, als in der 80. Minute der Gladbacher Ausgleich gegen Wolfsburg eingeblendet wurde, doch mit dem 1:2 wenig später war die Hoffnung auf einen Patzer des Spitzenreiters wieder dahin. "Wir hoffen nun schon, dass wir noch angreifen können", sagte Mark van Bommel.
"Drei, vier Mannschaften werden nun alles tun, um oben dranzubleiben. Wir brauchen nun dringend Punkte - aber man sieht intern, dass die Spieler alles tun wollen, um Deutscher Meister zu werden", sagte Klinsmann nach dem Spiel. Nun bleiben den Münchnern noch sieben Spiele, nicht nur drei Punkte aufzuholen - sondern auch das Torverhältnis zu verbessern.
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(dpa/sueddeutsche.de/jüsc)
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