Bayern verspielt beim Bundesliga-Start gegen den Hamburger SV ein 2:0 und muss wegen seiner Abwehrschwächen mit einem 2:2 leben.
Die meisten bekommen in der Münchner Arena Komplexe. Der HSV aber nicht. Noch keine Partie hat er hier seit dem Umzug der Bayern verloren, und das ist auch am Freitag so gewesen. Ein verdientes 2:2 (1:2) holten die unter ihrem neuen Coach Martin Jol angriffslustiger wirkenden Hamburger trotz eines frühen 0:2 und sorgten somit dafür, dass der Einstand von Jürgen Klinsmann nicht wirklich glückte.
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Glückwunsch: Bastian Schweinsteiger traf zum 1:0, wurde von Trainer Jürgen Klinsmann aber dennoch ausgewechselt. (© Foto: ddp)
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"Als Trainer will man einen Dreier einfahren, und wir waren eigentlich auf einem guten Weg", sagte der neue Bayern-Coach später, "aber der HSV hat hinterher beeindruckend gespielt und das Ergebnis verdient." Ein weiteres Mal führte er "eine zerfahrene Vorbereitung" und die fehlenden Könner wie Ribéry, Toni und Demichelis ins Feld. Klinsmann wirkte enttäuscht, aber nicht niedergeschlagen.
Es ist ja viel passiert seit jenem Tag im Mai 1997, an dem er ziemlich spektakulär seinen Abschied vom FC Bayern ankündigte. Damals spielte Klinsmann noch im Olympiastadion, nullnull stand es gegen Schlusslicht SC Freiburg, als der Trainer Trapattoni den Profi Klinsmann herausnahm, worauf dieser in eine Werbetonne trat und, so ist es zumindest überliefert, den italienischen Vorgesetzten mit einem ,,vai a cacare'' bedachte (was in etwa bedeutete, Trapattoni möge ein Geschäft auf der Toilette erledigen). Gut elf Jahre später ist Klinsmanns also zurückgekehrt in die Bundesliga, in der heutzutage neben dem Spielfeld nicht nur Werbetonnen herumstehen; sondern, zumindest zum Saisonstart, auch klassische Sänger und Funktionäre, die neben dem Abspielen der Nationalhymne für einen verzögerten Anpfiff sorgen.
Schweini und Poldi jubeln samt Mentor
Klinsmanns Welt ist das alles nicht, so viel ist sicher, aber auch er ist ja dann bald entschädigt worden für die quälende Prozedur. Denn es entwickelte sich sofort ein flottes Duell. Wild und unkonzentriert wie Rennpferde, die aus der Box gelassen werden, präsentierten sich jedenfalls beide Mannschaften, was dem Unterhaltungswert zugute kam. In der Münchner Deckung führte dieser Zustand allerdings zu ähnlichen Tumulten im eigenen Strafraum wie am Sonntag im Cupspiel, das die Bayern in Erfurt glücklich 4:3 gewannen: Schon nach 90 Sekunden tauchte Olic frei vor Rensing auf, drei Minuten später prüfte der Kroate die neue Nummer eins per Direktabnahme. Und der langjährige Bayer Trochowski, der beim HSV van der Vaarts Schatten vertreiben soll, zog fulminant aus halblinker Position ab, traf aber den Pfosten.
Wie es sich für den FC Bayern gehört, reagierte er auf den nur mit Glück abgewendeten Rückstand umgehend - mit dem Führungstreffer. Zé Roberto erfreute sich nach einer flinken Einwurfkombination - Klinsmann auf Lahm - über Freiheiten auf links und brachte den Ball scharf dorthin, wo nach Reinhardts ungewollter Weiterreichung der heranstürmende Schweinsteiger trocken abzog (12.). Vier Minuten später erhöhte Podolski per Strafstoß lässig auf 2:0, nachdem Mathijsen Gegenspieler Schweinsteiger bei einem hohen Ball ungeschickt und ausdauernd gehalten hatte. Schweini & Poldi jubelten also wie draußen ihr Mentor Klinsmann - sollte den Bayern und ihrem Freund aus Nationalelf-Zeiten ein märchenhafter Einstieg gelingen?
Die Bayern selbst verhinderten diesen Spaziergang mit diversen Kopien jener Unzulänglichkeiten in der Innenverteidigung, welche ihnen bereits in Erfurt das Leben erschwert hatten. Demichelis-Ersatz van Buyten ließ jedenfalls den neuen HSV-Kapitän Jarolim vor dem Anschlusstor im Münchner Strafraum dribbeln und Trochowski jenen Flankenball auflegen, den Guerrero mit präzisem Kopfstoß zum 1:2 verwertete (25.).
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