Mit einem glanzvollen 4:2 gegen den HSV verbleibt Leverkusen im Titelkampf und lässt die erste Saisonpleite aus der Vorwoche vergessen - nur Nationalkeeper Adler irritiert mit einem Lapsus.

Die Spitze hatten sie verloren und vorige Woche auch den Nimbus der Unbesiegbarkeit, und das auch noch in Nürnberg. Leverkusens Profis befanden sich nicht in gerade in einer guten Phase, als sich am Sonntag der HSV in der ausverkauften BayArena vorstellte: nur ein Sieg aus den zurückliegenden fünf Partien. Der traditionelle Absturz schien vorgezeichnet, doch irgendetwas ist in diesem Jahr anders in Leverkusen.

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Zwei Stürmer, drei Tore: Stefan Kießling und Eren Derdiyok waren wieder einmal die Garanten für den Leverkusener Sieg. (© Foto: ap)

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4:2 (1:1) gewann jedenfalls das Team von Jupp Heynckes, es war ein verdienter Erfolg, bei dem die Leverkusener mal wieder spielerisch brillierten. Sie bleiben damit im Titelrennen und sicher auf Kurs Champions-League-Teilnahme. "Die Mannschaft hat sich besonders in der zweiten Halbzeit sehr gesteigert", sagte Heynckes zufrieden, "ich denke, wir haben heute die richtige Reaktion gezeigt." Auf Nürnberg. Und auf das Gerede vom traditionellen Absturz.

Absturz bleibt aus

Ohne Kroos und Reinartz (Gelbsperren) ging Bayer 04 in das Duell, in welchem die Hamburger noch einmal den dritten Platz attackieren wollten. Castro rückte ins defensive Mittelfeld, für ihn verteidigte rechts Schwaab; für Kroos kam der in Nürnberg in der Startelf fehlende Schweizer Barnetta wieder ins Team. Beim HSV begann van Nistelrooy erneut neben Petric im Sturm, wie schon gegen Anderlecht. Während der Holländer bis zum Ende wirkungslos blieb, besaß Petric zumindest die erste Chance: Von Elia geschickt, lupfte er den Ball am herausstürmenden Keeper Adler vorbei - allerdings auch neben das Tor (11.).

Danach übernahm jedoch die Werkself das Mittelfeld. Barnetta, der zweikampfstarke Castro und der Brasilianer Renato Augusto mit seinen Dribblings erhöhten das Tempo. Barnetta , kurz zuvor mit einem Schussversuch gescheitert, leitete dann auch die Führung ein, indem er Kießling per Steilpass bediente; es sollte seine zehnte Torvorlage werden, der Höchstwert in der Liga: Die Hamburger Deckung mit Mathijsen und Rozehnal war geradezu grotesk bis zur Mittellinie aufgerückt und verfolgte nun Kießling, der aber mit dem Ball am Fuß flinker war und überlegt ins Eck einschoss (22.). Von nun an dominierte Bayer04, Augusto prüfte Keeper Rost (27.), und Vidal wurde im letzten Moment geblockt (29.). Mitten in diese dominante Phase hinein meldete sich allerdings Adler in der latent köchelnden Torhüterdebatte zu Wort. Er tat das vermutlich eher unfreiwillig.

Adlers Konkurrenten um das deutsche WM-Tor, der Bremer Wiese und Schalkes Neuer, hatten ja zuletzt verbal ihre Ansprüche auf die Nummer eins erneuert. Und Adler dürfte sie bestärkt haben, als er daheim in ihrem Fernseher nach einem harmlos anmutenden weiten Schlag von Mathijsen herauseilte, obwohl doch der Kamerad Hyypiä zum simplen Kopfball bereit stand. Das böse Missverständnis nutzte Zé Roberto, er trat die Kugel zum 1:1 ins verwaiste Tor. Hyypiä zog verwundert die Schultern hoch. Und Adler ärgerte sich, zu Recht. "René wollte es da wohl besonders gut machen", urteilte Heynckes nach der Partie diplomatisch, "René muss jetzt einfach mit dem Druck und den Kritiken fertig werden."

Kießlings Tore 15 und 16

Die Szene spielte zunächst aber nur noch in den Köpfen von Wiese und Neuer eine Rolle. Denn die Leverkusener rannten nach der Pause wieder druckvoll nach vorn gegen einen von der Europa League offenbar ermüdeten HSV. Geschickt verlagerten sie immer wieder das Spiel, wie vor Derdiyoks schönem Kopfball zum 2:1 (55.), das Schwaab mit einer Flanke auflegte. Sieben Minuten später schien die Partie entschieden zu sein, Augusto hatte auf rechts mal wieder Aogo stehen lassen, und seine Hereingabe köpfte Stefan Kießling freistehend aus kurzer Distanz ein, bereits sein 16. Saisontor.

Rozehnals Anschlusstor nach einem Freistoß von Trochowski (83.) ließ noch einmal Zweifel am Fortschritt der Leverkusener unter Heynckes aufkommen, doch das dauerte kurz, nur ein Minütchen: Sie starteten einfach den nächsten Konter, über den unermüdlichen Ideengeber Barnetta und Derdiyok, den Abschluss übernahm diesmal der überragende Aushilfs-Sechser Castro mit einem satten Schuss unter die Latte (84.).

Damit war der enttäuschende HSV endgültig besiegt, Adler konnte sich sogar noch einmal auszeichnen in der Nachspielzeit, gegen Elia. "Die Jungs wollen von mir, dass ich rausgehe, ich habe noch gerufen, und Sami hat das auch gehört, er war aber wohl zu fokussiert", sagte Adler später zur Szene beim 1:1. Er räumte dann aber sehr aufrichtig ein, dass er gerade etwas verunsichert ist: "Wir haben eine geile Truppe, die mich im Moment fast ein bisschen mit durchschleppt."

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(SZ vom 15.03.2010/jbe)