Von J. Schmieder

Die Titelaspiranten können nicht nur nicht gewinnen - sie müssen auch Platzverweise und Verletzungen in Kauf nehmen. Das könnte Einfluss haben auf den Kampf um den Titel.

Otto Rehhagel, der alte Trainerfuchs, sagte einmal: "Wenn Du Deutscher Meister werden willst, dann musst Du beide Saisonspiele gegen den FC Bayern gewinnen." Mit Werder Bremen untermauerte er in der Saison 1992/93 diesen Ausspruch, seine Mannschaft gewann im Wesersatdion mit 4:1 und siegte in München mit 3:1 - und gewann am Ende der Saison mit einem Punkt Vorsprung den Titel. Ähnlich war es in der Spielzeit 2003/04, als Werder Bremen aus den Spielen gegen den FC Bayern vier Punkte erreichte und Deutscher Meister wurde.

Mladen Petric

Mladen Petric (re.) sieht nach einem Ellbogencheck gegen Marco Engelhardt die Rote Karte. (© Foto: ddp)

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Aus Rehhagels Sicht hatte der Hamburger SV am vergangenen Spieltag viel gewonnen. Die Mannschaft hatte den FC Bayern mit 1:0 besiegt und durch das 1:1 aus dem Hinspiel bereits eine positive Saisonbilanz gegen die Münchner erreicht.

Wie wenig diese Bilanz jedoch in dieser Spielzeit wert sein kann, zeigten die Begegnungen des 19. Spieltags. Man muss gegen die Mannschaften aus dem hinteren Tabellendrittel genügend Punkte sammeln, um den Titel zu gewinnen. Der Hamburger SV unterlag beim Karlsruher SC mit 2:3, Hertha BSC Berlin schaffte in Bielefeld ebenso nur ein 1:1 wie Tabellenführer Hoffenheim beim Tabellenletzten Gladbach. Und Verfolger Leverkusen musste sich dem VfB Stuttgart mit 2:4 geschlagen geben.

Was noch schlimmer wiegen könnte: Beim Hamburger SV erhielt Mladen Petric aufgrund einer Tätlichkeit die Rote Karte, am kommenden Sonntag wird er ebenso fehlen wie sein Kollege Ivica Olic. Bei Leverkusen gab es einen Platzverweis für Arturo Vidal, der nun am Freitag in Hoffenheim aussetzen muss. Dort wiederrum sind mit Ibisevic und Hildebrand zwei wichtige Spieler verletzt.

So sehr sich Karl-Heinz Rummenigge in der Premiere-Moderatorenbox auch mühte, er konnte einfach nicht mehr seriös gucken. Immer wieder lächelte er schelmisch, bis er schließlich preisgab: "Das ist ein guter Tag für den FC Bayern." Wenn Rummenigge sich so äußert, ohne dass die Münchner ein Spiel absolviert haben, dann sagt das schon sehr viel darüber aus, was bisher geschehen ist an diesem 19. Spieltag.

Vorbild Stuttgart

Der FC Bayern könnte mit einem Sieg gegen Dortmund die Niederlage gegen den Hamburger SV tatsächlich als Ausrutscher deklarieren, der bereits eine Woche später korrigiert wird. Dann wären die Münchner Tabellenzweiter und hätten nur noch einen Punkt Rückstand auf die TSG Hoffenheim.

Es sind die Spiele gegen vermeintlich schwächere Gegner, die im Titelkampf die Entscheidung bringen könnten. Wie das geht, stellte der VfB Stuttgart in der Saison 2006/2007 unter Beweis. Die Mannschaft holte ausreichend Punkte, sodass sie auch Niederlagen gegen den FC Bayern und Schalke 04 verkraften konnte.

Wenn der FC Bayern in dieser Saison Deutscher Meister wird, dann werden der Hamburger SV, die TSG Hoffenheim und Hertha BSC Berlin die Ursache vielleicht nicht in den Spielen gegen die Münchner suchen müssen, sondern in diesem 19. Spieltag.

(sueddeutsche.de/)

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