Bayer Leverkusen erobert mit einem 2:0 in Bremen die Tabellenführung - Werder rutscht hingegen in eine schwere Krise.

Werder Bremen im grauen Mittelmaß, daran muss man sich erst gewöhnen. Zuletzt hatten die Bremer zumindest Spektakel geboten, auch wenn sie keine drei Punkte holten: wundervolle Tore geschossen, noch mehr Tore zugelassen mit haarsträubenden Abwehrfehlern. Am Dienstagabend rutschten sie mit einer schnöden 0:2 (0:0)-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen in eine schwere Krise. Die schwächste Abwehr der Liga kassierte die Gegentore Nummer 21 und 22 durch Arturo Vidal (71.) und Manuel Friedrich (80.), der Angriff kam ohne die verletzten Diego und Pizarro nie in Schwung.

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Freudentraube in Rot, betrübtes Gesicht in Grün-Weiß: Leverkusen gewinnt in Bremen. (© Foto: AP)

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Bayer übernahm mit dem Sieg zumindest für einen Tag wieder die Tabellenführung - Zeichen dafür, dass die Mannschaft von Bruno Labbadia diese Saison die Rolle spielen könnte, die in den vergangenen Jahren Werder besetzte. Symbolisch für den Machtwechsel, der sich abzeichnet, stand das Mittelfeld-Duell der Nationalspieler Torsten Frings und Simon Rolfes. Es ging eindeutig an den Leverkusener, der mit seiner Zweikampfstärke und Übersicht bestach. "Weiterarbeiten und den Kopf nicht hängen lassen", das war nach dem Spiel die lapidare Antwort von Torsten Frings auf die Frage, wie man das Bremer Spiel wieder in die Gänge bekommen kann.

Helmes feuert aus allen Rohren

Die Verantwortlichen von Werder Bremen hatten vor dem Spiel ihren Druck auf Trainer und Mannschaft erhöht. Jürgen L. Born, der Klubchef, formulierte für Bremer Verhältnisse geradezu drastisch: "Ich erwarte eine Explosion." Von einer Explosion war aber in der ersten Halbzeit nichts zu sehen, bestenfalls konnte man von einem Strohfeuer gleich zu Beginn des Spiels sprechen. Drei Minuten waren erst vorüber, als dem Bremer Abwehrspieler Henrique am Strafraum ein Handspiel unterlief. Hugo Almeida drosch den Ball beim Freistoß mit unglaublicher Wucht aufs Tor, doch nicht platziert genug, so brachte Torwart René Adler seine Fäuste dahinter.

Wenig später wurde Almeida von Markus Rosenberg im Strafraum glänzend freigespielt; dessen Linksschuss aus spitzem Winkel ging an Torwart Adler, aber auch am rechten Pfosten vorbei. Der überragende Henrique konnte einen Schuss von Özil im letzten Moment abblocken, eine Viertelstunde war da vorüber, und damit auch der Schwung der Bremer. Leverkusen kontrollierte das Spiel, ohne allerdings zu gefährlichen Torszenen zu kommen. Patrick Helmes feuerte, wie es seine Art ist, aus allen Rohren, aber mit einer Streuung, die alle möglichen Ziele in Gefahr brachte, bloß nicht das Werder-Tor.

Das Bremer Spiel kam zwischendurch völlig zum Erliegen, was auch mit der langen Liste von Verletzten zu tun hatte. Als letzter Profi hatte sich am Montag Clemens Fritz wegen muskulärer Probleme abgemeldet, ähnliche Beschwerden beklagen auch Diego und Pizarro. Mesut Özil und Aaron Hunt schafften es nicht, Linie ins Spiel zu bringen. Wenigstens gelang es den Bremern noch, auch zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Art Powerplay aufzuziehen, aber René Adler musste nicht ein Mal ernsthaft eingreifen.

Vidal ins leere Tor

Trainer Thomas Schaaf versuchte, das Blatt mit zwei Einwechslungen zu wenden. Said Husejinovic, bosnischer U-21- Nationalspieler, kam für Aaron Hunt und Sebastian Boenisch für Sebastian Prödl. Boenisch hatte zuletzt mit seinen Flanken gegen Dortmund (3:3) und bei Panathinaikos Athen (2:2) Tore eingeleitet - diesmal aber brachte er das Unglück mit aufs Feld. Kaum war Boenisch im Spiel, schlug der Leverkusener Castro eine präzise Flanke auf Helmes in den Strafraum. Der verlängerte den Ball per Kopf an den Fünfmeter-Raum, wo Torwart Christian Vander und Per Mertesacker klären wollten - sie prallten zusammen, und die Kugel sprang zu Arturo Vidal, der sie nur ins leere Tor zu schieben brauchte.

Zu allem Überfluss musste nun auch Per Mertesacker, nach drei Spielen Sperre zurückgekehrt, verletzt vom Feld. Mit Frank Baumann als Abwehrchef und Ivica Vranjes im Mittelfeld setzte Werder zum Endspurt an. Rosenberg zwang mit einem fulminanten Schuss René Adler zur einzigen Glanzparade des Spiels (79.), doch im Gegenzug sorgte Leverkusen für die Entscheidung: Nach einer Ecke kam Torwart Vander nicht an den Ball, Rolfes traf den Pfosten - und Friedrich trat den Ball lässig unters Tordach.

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(SZ vom 29.10.2008)