Bundesliga, 12. Spieltag Leverkusener Trugschluss

Nach einer schnellen 3:0-Führung lässt Bayer die hoffnungslos unterlegenen Karlsruher weitgehend in Ruhe. Und so gleicht der KSC noch aus.

Von Thomas Hummel

Die erste Serie riss schon nach 24 Minuten. Bayer Leverkusen hatte ja vor der Fahrt nach Karlsruhe viermal hintereinander 2:0 gewonnen. Das war nun nicht mehr möglich, die Mannschaft führte da bereits 3:0. Die nächste Serie war 13 Minuten später hinfällig: Der abgefälschte Freistoß des Karlsruhers Antonio da Silva landete im Tor von Rene Adler, der damit zum ersten Mal seit 397 Minuten wieder einen Ball aus seinem Tor holen musste.

Foul in Karlsruhe: Doch dieser Tritt gegen Barnetta (r.) schmerzte den Leverkusener am Ende nicht am schlimmsten.

(Foto: Foto: AP)

Dass auch zwei weitere Serien an diesem Nachmittag noch enden würden, dass hätte kaum einer mehr erwartet. Den vier Leverkusener Siegen standen ja zuletzt fünf Karlsruher Niederlagen gegenüber. Nach dem 3:0 für die Gäste hätte man auf dem Wettmarkt ziemlich viel Geld verdienen können bei einem Einsatz gegen einen Leverkusener Sieg. Doch der KSC kämpfte sich in außergewöhnlicher Manier in das Spiel zurück und erreichte noch ein 3:3. Leverkusen verpasste damit den Sprung an die Tabellenspitze, während die Badener wieder Hoffnung im unteren Tabellendrittel schöpfen.

Helmes nach 32 Sekunden

Vor der Begegnung im Karlsruher Wildparkstadion war viel die Rede gewesen von der Rückkehr von Bruno Labbadia. Der Leverkusener Trainer hatte seine Stürmerkarriere 2003 in Baden beendet. Doch die Aufstellung verriet, dass Labbadia keine Geschenke mitbringen wollte, er stellte die gleichen elf Akteure auf den Platz wie zuletzt beim souveränen Erfolg gegen Wolfsburg: also vorne das Stürmerduo Patrick Helmes und Stefan Kießling. Und der auf der Tribüne sitzende Bundestrainer Joachim Löw sah zu Beginn, warum er die beiden im engen Kreis seiner Kandidaten führt.

Schon nach wenigen Sekunden schickte Arturo Vidal den Ball über die Karlsruher Abwehrreihe hinweg, Helmes war auf dem einsamen Weg Richtung Tor. Der 24-Jährige wartete lange, und weil Torwart Markus Miller keine Bewegung machte, drosch er ihm den Ball durch die Beine. 1:0, nach 32 Sekunden.

Das zweite Tor folgte nach 17 Minuten. Wieder flog der Ball über die Viererkette des KSC hinweg, Renato Augusto flankte den Ball in die Mitte, wo Kießling völlig frei das 2:0 köpfte. Allerdings hatte der Stürmer zuvor Gegenspieler Martin Stoll in die Hacken getroffen, Stoll war gefallen. "Wenn man oben steht, bekommt man hier einen Freistoß", klagte der gesperrte KSC-Verteidiger Maik Franz. Und als dann Michal Kadlec noch einen Freistoß direkt in die Karlsruher Maschen setzte (24.), herrschte Untergangsstimmung im Wildpark.

Vorneweg Antonio da Silva

Zuletzt hatten die Badener ja schon zu Hause gegen Schalke 0:3 verloren, dann 1:4 in Hoffenheim. Nun also wieder 0:3. Trainer Edmund Becker pustete tief durch an der Seitenlinie und schickte die Ersatzbank zum Warmmachen. Bis zu diesem Zeitpunkt war seine Elf den Leverkusenern hoffnungslos unterlegen gewesen. Wie schon in Hoffenheim war der Wille bemerkbar, aber das Können reichte einfach nicht. Allen voran Joshua Kennedy als einsamer Kämpfer in der Spitze oder der Innenverteidiger Martin Stoll.

Labbadias Mannschaft hingegen zeigte, welch technisch feine Gruppe sich da gebildet hat. Vor allem die Pässe aus dem Mittelfeld in die Spitze zerschnitten die steife Abwehr der Gastgeber fast nach Belieben. Allerdings gab sich die junge Elf nach dem 3:0 zufrieden mit dem Erreichten und ließ den Gegner erstmal in Ruhe. Was die Karlsruher dazu nutzten, ihre Nervosität in den Griff zu bekommen und sich wieder etwas zuzutrauen.