Der FC Bayern spielt beim 1:2 gegen Köln richtig schlecht. Die vom Trainer so inbrünstig geforderte Leidenschaft brodelt nicht einmal mehr auf Sparflamme. Und schon steht das Klinsmann-Projekt wieder auf der Kippe.
Es begann das große Laufen. Die Türen des Kabinentrakts gingen auf, heraus marschierten Lucio und Zé Roberto, fast schon im Stechschritt, die Rollen an ihren Koffern quietschten. Nicht links geschaut, nichts rechts, an den verdutzten Reportern vorbei, durch die Glastür durch. "Das müssen sie den Trainer fragen", erhaschte noch jemand, dann waren die Brasilianer weg.
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Der Binnenfrieden bei den Bayern ist nach der Niederlage gegen den 1. FC Köln schwer bedroht - und das gesamte Klinsmann-Projekt scheint wieder einmal auf der Kippe. (© Foto: ddp)
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Es folgten Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger auf gleichem Wege, in (fast) gleicher Geschwindigkeit. Und irgendwann kam Trainer Jürgen Klinsmann mit Assistent Martin Vasquez. Markus Hörwick, Pressesprecher des FC Bayern München, hetzte hinterher und rief der wartenden Schar "Pressekonferenz, morgen!" zu. Einige mit Kamera auf den Schultern oder Mikrofonen in der Hand versuchten zwar, die Verfolgung aufzunehmen. Vergebens.
Das 1:2 im Heimspiel gegen den 1. FC Köln verursachte bei einigen Mitgliedern der Bayern-Familie eine Art Fluchtreflex. Nur schnell nach Hause, ins Warme. Wo die Probleme weit weg sind. Denn hier, in der Münchner Arena tat sich ein völlig unerwartetes, in dieser Art lange nicht mehr gesehenes Problem auf: Es war die dritte Niederlage des stolzen FC Bayern München in der Rückrunde, was den Binnenfrieden im Klub schwer bedroht.
Ungereimtheiten gehören in dieser Saison zum FC Bayern dazu, der neue Trainer Klinsmann hat sich mit einigen Vorgehensweisen nicht nur Freunde gemacht. Doch einige dieser Ungereimtheiten schienen aus der Welt geschafft oder wurden durch die Erfolgsserie am Ende der Hinrunde überdeckt. Nach der Niederlage gegen biedere Kölner drohen alte wie auch neue Tumulte. Das gesamte Klinsmann-Projekt scheint wieder einmal auf der Kippe.
Waren die Niederlagen in Hamburg und in Berlin noch verzeihlich, weil Bayern zweimal passabel bis gut gespielt und zweimal nur unglücklich verloren hatte, mussten die Verantwortlichen diesmal konstatieren, dass "wir richtig schlecht gespielt haben" (Manager Uli Hoeneß).
Den Kölnern reichten zwei Konter in der ersten Halbzeit und eine anschließend konzentriert aufgebaute und bewegliche Zehn-Mann-Mauer um den eigenen Strafraum für den ersten Sieg in München seit zehn Jahren. Beim 0:1 passte Nemanja Vucicevic schön auf den in die Sturmmitte sprintenden Fabrice Ehret, der freistehend vor Torwart Michael Rensing vollstreckte (22.). Vor dem 0:2 tanzte Vucicevic vor Philipp Lahm, bis der Nationalverteidiger orientierungslos in den Rasen fiel und er seelenruhig auf Torschütze Daniel Brosinski zurücklegen durfte. "Da sahen wir in der Abwehr nicht gut aus", klagte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.
Schlimmer noch als die Gegentore war indes die Reaktion der Münchner. In der Vorrunde hatten sie gegen Wolfsburg einen 0:2-Rückstand noch in ein glanzvolles 4:2 gedreht, doch diesmal kam: fast nichts. Nur eine kurze Schlussoffensive samt 1:2 von Daniel van Buyten (84.).
Bislang hatte in heiklen Situation gegolten: Alle Bälle auf Franck Ribéry und alles wird gut. Diesmal hieß es: Alle Bälle auf Franck Ribéry und dann kommt Miso Brecko und nimmt ihm den Ball ab. Der Franzose schien überdies zunehmend die Lust zu verlieren. Ribéry zügelte zudem den Offensivdrang von Lahm, denn: wo immer der Linksverteidiger auch hinrennen wollte - da stand schon Ribéry. Und Zé Roberto leidet seit Weihnachten an einem rätselhaften Formabfall. Das ist wohl die größte Schwächung für den FC Bayern. Diesmal nahm Klinsmann den Brasilianer sogar vorzeitig vom Feld.
Auf der nächsten Seite: Prekär würde für Klinsmann die Lage, wenn die Mannschaft ernste Zweifel an seiner Autorität hegt.
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Verrückter Eisladen in der Maxvorstadt
Bayern hat schlecht gespielt, ja, dennoch hätten sie das Spiel gewonnen wenn Köln nicht so freundlich vom Schiedsrichtergespann unterstützt worden wäre.
Kurz vor dem nicht gegebenen Klose-Tor hätte es Elfmeter für Bayern geben müssen. Rafati stand in Blickrichtung 3 Meter hinter Petit und Ribery. Warum er nicht gepfiffen hat, bleibt sein Geheimnis. Auch beim 1:0 durch Klose stand Rafati nur wenige Meter von Podolski entfernt und hätte seinen Linienrichter nur fragen müssen, was denn da nun Abseits war. Daß Podolski bei seiner "kopfballverlängerung" ca 1 Meter unter dem Ball war hätte aber auch der Linienrichter sehen müssen. Und dann kommt noch ein klarer Elfmeter an Donovan kurz vor Schluß dazu.
Man muß sich auch ob der Entscheidungen im Spiel Berlin-Wolfsburg fragen, ob man nicht dieses Jahr unter das Meisterfoto "mit freundlicher Unterstützung der DFB-Schiedsrichtergruppe" schreiben sollte.