Der FC Schalke 04 kämpft sich beim zunächst starken Hamburger SV zurück in die Partie und erreicht ein verdientes 1:1.

Vier Minuten vor dem Ende versuchte Martin Jol, wieder Leben in die Partie zu bringen: Der Trainer des Hamburger SV wechselte den 18 Jahre alten Tunay Torun ein, auf dass er die Schalker Abwehr verwirre. Doch die Einwechslung blieb wirkungs- und das Spiel leblos. 1:1 (1:0) trennten sich der Hamburger SV und Schalke 04 in einer Begegnung, deren Niveau in der zweiten Halbzeit kontinuierlich sank wie ein Barometer im Tief. Den Norddeutschen reicht der Punkt immerhin, um die Tabellenführung zu übernehmen. "Das war schon enttäuschend", sagte Martin Jol zum Ergebnis, "aber die erste Halbzeit war dafür wirklich hervorragend."

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Auf dem Kopf: Zuerst dominierte der HSV und Trochowski feiert sein Tor mit einem Salto (Foto), danach sollte Schalke besser werden. (© Foto: AP)

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Tatsächlich hatten sich zu Beginn der Partie beide Mannschaften das gespart, was man im Fußballdeutsch als "abtasten" bezeichnet. Der HSV rannte an, als müsse er einen Rückstand aufholen, und Schalke hielt zunächst stark dagegen. Nach vier Minuten erhielt der HSV einen Freistoß an der Strafraumgrenze, und seit einiger Zeit ist klar, wer in solchen Momenten zur Tat schreitet: Piotr Trochowski legte sich den Ball zurecht.

Er erlebt derzeit einen wunderbaren Herbst; beim HSV ist er nach dem Weggang von Rafael van der Vaart zum Kreativchef im Mittelfeld geworden, und auch in der Nationalmannschaft konnte er zuletzt überzeugen, nicht nur wegen seines Siegtors gegen Wales. Trochowski schießt in Hamburg alle Ecken und alle Freistöße, und es ist zu sehen, wie gut ihm das tut, da er zu den sensiblen Spielern gehört, also denen, die viel Akzeptanz brauchen, um Selbstvertrauen und in der Folge Leistung zu entwickeln.

Engelaars Fehler

Den Freistoß nach vier Minuten zog er über das Tor, aber er lenkte das Hamburger Spiel. Sein nächster Freistoß, eine Minute später, führte zu einer Kopfballchance durch Ivica Olic; Schalkes Torwart Manuel Neuer parierte glänzend. Und Schalke antwortete: Halil Altintop gab einen gefährlichen Schuss aus 23 Metern ab, den Hamburgs Schlussmann Frank Rost mit Mühe abwehrte (7. Minute). In diesem Rhythmus ging es eine knappe halbe Stunde weiter, bis das Spiel sich zu beruhigen schien. Dann aber unterlief dem Schalker Orlando Engelaar ein Abspielfehler in der eigenen Hälfte, David Jarolim erlief den Ball und passte auf Trochowski, und da es eben gerade seine Wochen sind, schoss er die Kugel ohne Umschweife aus 16 Metern unhaltbar zum 1:0 ins Tor (29.).

Der HSV beherrschte Schalke anschließend, und die Frage schien allein zu sein: Wie hoch fällt der Sieg aus? Aber so einfach ist es ja nie im Fußball. Zur zweiten Halbzeit kam Schalke in guter Verfassung aus der Kabine und begann druckvoll. Die Hamburger schienen überrascht zu sein wie die Schlange, wenn plötzlich das Kaninchen zum Angriff übergeht. 48. Minute: Jefferson Farfan schoss eine Freistoßflanke in den Hamburger Strafraum, der eingewechselte Benedikt Höwedes schraubte seine 1,87 Meter in die Höhe und beförderte die Kugel aus 14 Metern mit einem wuchtigen Kopfball zum 1:1 in Tor. Plötzlich war nicht nur alles wieder offen; es war ein anderes Spiel, denn nun war Schalke überlegen.

Mit größter Mühe parierte Rost einen abgefälschten Schuss von Jermaine Jones (51.), Schalke gelang nun alles, der HSV wirkte überfordert. Die Frage schien allein zu sein: Wann würde Schalke in Führung gehen? Aber so einfach ist es ja nie im Fußball. In der 64. Minute startete der HSV einen sehenswerten Angriff über die linke Seite, Olic flankte, Höwedes flog am Ball vorbei, und der eingewechselte Mladen Petric fand sich frei vor dem Tor - und traf den Pfosten. Es hätte ein Tor sein müssen, so war es immerhin eine Art Weckruf, denn dem HSV gelang es, Schalke auf das eigene, nun niedrige Niveau herunterzuziehen.

Phasenweise wirkte es, als spielten beide Teams auf Zeit, was mit Blick auf den rasanten Beginn der Partie dann doch etwas überraschend war. Die Hamburger droschen dann und wann den Ball planlos aus der Abwehr nach vorn, die Schalker bauten gemächlich auf, als stünde Tempo unter Strafe. Offensichtlich waren alle Beteiligten mit der Punkteteilung mehr oder weniger zufrieden, vielleicht weil sie wussten, dass es nach den gezeigten Leistungen ein gerechtes und angemessenes Ergebnis war.

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(SZ vom 20.10.2008)