Von Dominik Prantl

Trainer Jürgen Klinsmann muss bei der 0:1-Niederlage gegen Schalke 04 zusehen, wie ihn sein einfallsloser FC Bayern endgültig in Erklärungsnot bringt.

War es die Ruhe vor dem Sturm gewesen? Aufeinandertreffen der beiden Fußball-Bundesligisten Bayern und Schalke 04 sind, gemessen am medialen Getöse, ja beinahe so wichtig wie die Bundestagswahl, weil es in beiden Teams keine Grauzone zu geben scheint zwischen Triumphgeheul und Tränental. Aber dieses Mal?

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Geteiltes Leid ist doppeltes Leid: FCB-Trainer Jürgen Klinsmann und sein Manager Uli Hoeneß. (© Foto: dpa)

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Nichts war von Krisentumulten zu vernehmen gewesen; das Schalker Trainertrio Büskens/Mulder/Reck hat den Gelsenkirchenern schließlich nicht nur die Geheimnisse für erfolgreiches Fußballspiel, sondern offenbar eine neue Sachlichkeit vermittelt. Und Bayerns Luca Toni überraschte sogar mit ein bisschen Komödienstadl, als der nicht gerade als polyglott geltende Italiener mit einer in Deutsch gehaltenen Pressekonferenz an seinen Landsmann Giovanni Trapattoni ("Was erlaube Strunz") erinnerte. Doch nach den 90 Minuten gegen Schalke und einer 0:1-Niederlage der taktisch unflexiblen Bayern ist mit Sicherheit nicht nur Tonis gute Laune vergangen - auch die Ruhe an der Säbener Straße dürfte ein Ende haben.

Dabei starteten die Bayern auch auf dem Feld als bereite ihnen das Spiel mit dem Ball so richtig Spaß, als trage Trainer Jürgen Klinsmanns Idee vom One-Touch-Fußball zu einem solch späten Zeitpunkt der Saison nun doch noch Früchte. Die Münchner kombinierten gefällig, doch während sie sich beinahe einen Schönheitspreis verdienten, schlug Schalke zwar nicht preisverdächtig ansehnlich, aber dank Münchner Lethargie recht wirkungsvoll zu. FCB-Torhüter Hans-Jörg Butt verharrte bei einer Ecke Christian Panders auf der Linie, Andreas Ottl hob nur müde sein Bein, worauf der ihm zugeordnete Halil Altintop das 1:0 köpfelte (21.). "Wir haben einmal getroffen, das hat gereicht.", sagte Schalkes Trainer Mike Büskens später. Allein dieser lapidar dahingeworfene Satz war schon eine verbale Ohrfeige für den ambitionierten Konkurrenten, der sich nach Pokal und Champions League nun auch aus dem dritten Wettbewerb verabschiedet haben dürfte. Der Satz entblößte die Harmlosigkeit des Titelverteidigers, die Übungsleiter Klinsmann in noch stärkere Erklärungsnot bringen wird.

Duell der Hitzköpfe

Wahrlich seltsam war dieses Spiel, das Bayern zwar weiterhin dominierte, wegen des ausbleibenden Torerfolgs aber einfach nicht so richtig in den Griff bekam. Immerhin folgten dem Gegentor einige unterhaltsame Minuten. Franck Ribéry prüfte Manuel Neuer mit einem raffinierten Schuss (35.), José Ernesto Sosa schnippelte einen Freistoß an die Latte (37.), ehe noch ein paar Ruppigkeiten ausgetauscht wurden. Neuer geriet mit dem Mannschaftskollegen Kevin Kuranyi aneinander und Jermaine Jones - was erlaube Jones - schlug Mark van Bommel im Duell der Hitzköpfe rotwürdig ins Gesicht (38.).

Klinsmann reagierte auf die Harmlosigkeit seines Ein-Mann-Sturmes Luca Toni und stellte ihm in der zweiten Halbzeit Lukas Podolski an die Seite. Van Bommel drosch die Kugel nach einer halben Minute direkt auf Neuer, Bayern verschärfte den Druck. Doch obwohl Schalkes Abwehr trotz dreier Spiele ohne Gegentor nicht den Eindruck einer schwer zu knackenden Bastion machte, blieben Bayerns Offensivbemühungen berechenbar. Ribérys geniale Momente sind zu wenig, und Toni hat durch sein ständiges Lamentieren nicht mehr erreicht, als sich selbst zu diskreditieren. Er leidet zudem nicht nur unter der Absenz des selbstlosen Dauerstörers Miroslav Klose, sondern auch unter der Ungenauigkeit seiner fleißig flankenden Mitspieler. Fast wäre Schalke sogar das 2:0 geglückt, als Butt einen abgefälschten Schuss Panders vor Kuranyis Füße patschte. Martin Demichelis klärte.

Selbst als sich Jones nach einem erneuten Foul an van Bommel den Feldverweis mehr als verdiente (70.), änderte das nichts am einfallslosen Angriffsspiel der Münchner. Statt die numerische Überlegenheit zu nutzen, holte sich stattdessen auch Franck Ribéry die Gelb-Rote Karte ab (76.). So verstrich die letzten Viertelstunde, indem weder Podolski noch der spät eingewechselte Tim Borowski, sondern nur der Schalker Orlando Engelaar gefährlich aufs Schalker Tor köpfelte. Trainer Jürgen Klinsmann stand derweil fassungs- wie hilfslos am Seitenrand und sah zu, wie nicht nur die Schlussminute, sondern vielleicht auch seine Zeit beim FC Bayern ablief.

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(sueddeutsche.de/dop/jbe)