Von Thomas Becker

Der FC Bayern verpasst beim Tabellenzehnten Stuttgart in letzter Sekunde den Sieg - und ist dennoch rundum "hochzufrieden".

Nur ein bisschen länger noch hätte Uli Hoeneß weiterschwärmen müssen und man hätte ihm ohne weiteres abgenommen, dass sie nun im Bus gleich alle zusammen die Weihnachtsgeschichte lesen, ein paar Kerzen anzünden und friedlich glücklich Lebkuchen mümmeln.

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Komm her, Bayern-Dusel! Bastian Schweinsteiger packt sich Torschützen Luca Toni. (© Foto: AP)

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So voller Freude war der Manager des FC Bayern, dass ihm der Mund vor lauter Lob fast überfloss. "Höchsten Respekt" verdiene die Mannschaft nach dem "schweren Boden in Lyon", "sehr, sehr schade" sei dieses Ausgeichstor in letzter Sekunde gewesen, "völlig unverdient", dass man hier noch zwei Punkte verloren habe, "niemals" hätte der Schiedsrichter Oddo die rote Karte zeigen dürfen.

"Stolz und zufrieden" sei er, dass Luca Toni trotz seines Magen-Darm-Infekts "durchgehalten hat", in der zweiten Halbzeit habe man "wie aus einem Guss gespielt", deshalb sei er "hochzufrieden". Und er schloss seine Hymne mit dem Satz: "Zum Abschluss so ne tolle Leistung - das ist mir viel wichtiger als die Herbstmeisterschaft." Puh, erst mal Luft holen nach so viel warmen Worten.

Doch Uli Hoeneß wäre nicht Uli Hoeneß, wenn er nicht von einem Satz auf den anderen umschalten könnte, Dr. Jekyll und Mr. Hyde. "Total unfair" finde er es von der DFL, dass Hoffenheim erst am Sonntag spiele und nicht der FC Bayern, der noch am Mittwoch "als einziger deutscher Vertreter in der Champions League" ran musste. "Ein absoluter Witz ist das. Da habe ich überhaupt kein Verständnis für."

Und weil er gerade so schön in Fahrt war, wiederholte er den selben Gedanken noch in ein paar anderen Formulierungen und Lautstärken, bis er endlich die berühmte Hoeneß-Röte im Gesicht trug. Als dann alles raus war, war für ihn die Hinrunde beendet. Er wünschte schöne Feiertage und entschwand.

Der Auftritt von Karl-Heinz Rummenigge in der Mixed Zone geriet qua Persönlichkeit etwas anders, inhaltlich jedoch nahezu identisch: "Können hochzufrieden sein", "Müdigkeit gespürt vom Lyon-Spiel", "habe nur Lob für die Mannschaft übrig", "sind auf einem guten Weg", "haben allen Grund, optimistisch zu sein" und zum Finale furioso: "Es tut mir leid, dass die Mannschaft nicht gewonnen hat, sie hätte es verdient."

Die Ausführungen von Übungsleiter Klinsmann könnte man sich eigentlich sparen: "Große Energieleistung", "nie und nimmer ne Karte", "erstklassig, was die Mannschaft in den letzten drei Monaten geleistet hat", "unglaublich viel Spaß, in München arbeiten zu dürfen", "bestens gewappnet für die Rückrunde". Wäre auch noch der Zeugwart interviewt worden, er hätte sehr ähnlich geantwortet. Wie man sich harmonisch in die Weihnachtsferien redet, das haben die Bayern in Stuttgart wortreich demonstriert: Schönreden für Fortgeschrittene.

Der FC Bayern hat in Stuttgart 2:2 gespielt. Gegen einen VfB, der in der Tabelle auf Rang zehn steht - und auch keinen Deut besser ist. Nach engagierter Leistung in Halbzeit eins mit dem verdienten Führungstreffer in der 45. Minute durch einen Kopfball des starken Khedira kam vom Gastgeber in Halbzeit zwei: nichts. In Minute 56 legte der eingewechselte Mario Gomez sehr fein mit der Brust für Cacao ab, doch der verzog.

Ansonsten durfte sich in Durchgang zwei ausgerechnet der schwächste Mann auf dem Feld als Matchwinner fühlen: Tim Borowski. Frisch wie der junge Tag stand er nach dem Schlusspfiff beim Fernsehinterview, kein Tropfen Schweiß schien ihn an diesem Nachmittag belästigt zu haben. Dass er die linke Mittelfeldposition anders interpretieren würde als der verletzte Ribery - davon war auszugehen. Doch ein derart lustloses Getrabe muss den Reservisten-Konkurrenten auf der Bank (Altintop, Kroos, Sosa) genauso absurd vorgekommen sein wie den Stadionbesuchern die Cabrio-Bandenwerbung mitten im Dezember.

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