Der FC Bayern gewinnt das Spitzenspiel in Schalke durch zwei Tore innerhalb weniger Sekunden. Schalke 04 muss einsehen, dass die eindimensionalen Angriffe nicht ausreichen.
183.600 Sekunden dauert eine Bundesliga-Saison, wenn jedes Spiel nach 90 Minuten abgepfiffen wird. In dieser Zeit entscheidet sich, wer Deutscher Meister wird und wer absteigen muss. In dieser Spielzeit indes könnten ganze 70 Sekunden prägend für die Vergabe des Titels sein. In dieser kurzen Zeitspanne überschritt der Ball zwei Mal die Torlinie von Schalke 04, Franck Ribéry und Thomas Müller hatten den FC Bayern mit 2:0 in Führung gebracht - und weil Kevin Kuranyi lediglich der Anschlusstreffer gelang, gewannen die Münchener diese Partie und rückten wieder auf Platz eins in der Tabelle vor.
Franck Ribéry nach seinem Treffer zum 0:1. (© Foto: Getty)
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Es war viel diskutiert worden vor dieser Partie: über den Rasen im Schalker Stadion (sehr schlecht), über die taktische Ausrichtung der Schalker (sehr defensiv), über die Form des Stürmers Kevin Kuranyi (sehr gut), über die Gesundheit von Arjen Robben (nicht gut genug) und über die Breite der Brust beider Mannschaften (extrem breit nach Siegen gegen Leverkusen respektive Manchester) - und darüber, wie wichtig das Spiel für den Ausgang der Meisterschaft sei. "Die Meisterschaft ist noch weit weg, da wird dieses eine Spiel keine Entscheidung bringen", hatte Felix Magath gesagt. Louis van Gaal hatte ergänzt: "Ob es eine Entscheidung gibt, hängt vom Ergebnis ab. Wenn wir gewinnen, ist die Meisterschaft nicht entschieden."
Van Gaal musste nicht nur Robben in München lassen - für ihn agierte wie schon gegen Manchester United Hamit Altintop auf der rechten Seite -, er setzte auch Martin Demichelis (Erkältung), Miroslav Klose (Formkrise) und Mario Gomez (noch nicht fit genug) zunächst auf die Bank. Holger Badstuber begann in der Innenverteidigung, Ivica Olic und Thomas Müller im Sturm. Magath dagegen konnte zu Beginn jene Elf aufs Feld schicken, die vor einer Woche 2:0 in Leverkusen gewonnen hatte.
In den ersten 25 Minuten entwickelte sich die Partie, die viele Experten prognostiziert hatten. Der FC Bayern übte sich in sicherem Passspiel und ließ die Angriffe - nachdem jeder Defensivspieler den Ball einmal berührt hatte - von Franck Ribéry inszenieren. Schalke 04 dagegen vertraute jener Spielweise, auf die der englische Fußball Plagiatsansprüche anmelden könnte. Nach Ballgewinn wurde das Spielfeld schnell und meist mit einem langen Pass auf Kuranyi oder Edu überbrückt, die Mittelfeldspieler eilten sogleich hinterher.
Es war eine interessante und flott geführte Partie, Torgelegenheiten waren zunächst nur selten zu bestaunen. Dann kamen jene 70 Sekunden, die dieser Partie zusätzlichen Schwung verleihen sollten - und in denen der FC Bayern agierte wie gewöhnlich Schalke 04. Beim 0:1 gab es nach einem kurz ausgeführten Eckball einen langen Pass auf Bastian Schweinsteiger, der per Kopf ablegte auf Ribéry. Der durfte sich kurz verwundert die Augen reiben, dass er ohne Gegenspieler im Strafraum den Ball bekam, ehe er den Ball ins Tor schoss.
Direkt nach dem Anstoß kam der Ball zum Schalker Rafinha. Altintop stibitzte das Spielgerät und legte es schnell auf Ivica Olic. Der fand sich allein vor Manuel Neuer wieder und passte uneigennützig zu Thomas Müller, der ins leere Tor einschieben konnte.
Schalke 04 verfiel nach diesen Treffern nicht in jene Schockstarre, die so ein Doppelschlag gemeinhin hervorruft. Schnell kombinierte sich die Elf von Magath nach vorne und provozierte zahlreiche Gelegenheiten und Fouls. Eine dieser Torchancen nutzte Kevin Kuranyi in der 31. Spielminute, als er eine Flanke von Rafinha in Rücklage ins lange Eck köpfte. Und da Altintop an zu vielen Fouls der Münchener direkt beteiligt war, wurde er von Schiedrichter Manuel Gräfe kurz vor der Pause vom Platz gestellt. Magath reagierte auf diese Hinausstellung sogleich und brachte Offensivspieler Alexander Baumjohann für den defensiven Joel Matip.
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