Bundesliga Sandro Wagner: Vom Sorgenkind zum anerkannten Profi

Gut drauf bei Darmstadt 98: der ehemalige Bayern-Spieler Sandro Wagner

(Foto: AP)

Beim FC Bayern fiel Sandro Wagner einst vor allem dadurch auf, dass er keine Ratschläge befolgte. Nun kehrt er als bester Torschütze des SV Darmstadt 98 zurück.

Von Benedikt Warmbrunn

In mancher Karriere kommen die prägendsten Momente gleich am Anfang, das kann ein besonderes Spiel sein, es kann ein besonderes Tor sein, doch nur wenn ein Fußballer besonders viel Glück hat, kommt gleich am Anfang seiner Karriere Hermann Gerland. Dieses Glück hatten zum Beispiel Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller oder Mats Hummels, alle sind später irgendwann einmal berühmt und noch später Weltmeister geworden, und immer sind sie Freunde ihres einstigen Trainers beim FC Bayern II geblieben, weil dieser sich gelegentlich so herrlich aufregte und dennoch irgendwie einer zum Knuddeln geblieben ist.

Besonders prägend sind diese ersten Momente allerdings erst dann, wenn der junge Fußballer sie erlebt als derjenige, über den sich Hermann Gerland so herrlich aufregen muss. Weil dann weiß der junge Fußballer schon, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass er einmal berühmt wird oder wenigstens Weltmeister. Er weiß dann, dass er eine Karriere entgegen aller Wahrscheinlichkeiten braucht. Am besten also eine Karriere, wie sie inzwischen hinter Sandro Wagner liegt.

An diesem Samstag (15.30 Uhr) empfängt der FC Bayern den SV Darmstadt 98, es droht ein Bundesliga-Spiel wie so viele des FC Bayern zu werden, ein unspektakulär einseitiges also. Wäre da nicht Sandro Wagner, 28, der Stürmer, der so lange eine tragische Figur war und erst in Darmstadt nachweisen konnte, dass er sehr wohl das Potenzial für einen ordentlichen Bundesliga-Fußballer hat. Dass Aufsteiger Darmstadt nach 21 Spieltagen vier Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz hat, liegt auch an Wagners Toren. Sieben Mal traf er in dieser Saison - fast ein Drittel der Tore der gesamten Mannschaft. Es sind jetzt schon genauso viele Treffer wie in Wagners vorheriger Bundesliga-Karriere.

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Wann ihm Wagner erstmals aufgefallen war, sagt Hermann Gerland, inzwischen Co-Trainer bei den Profis des FC Bayern, das wisse er nicht mehr genau, es muss irgendwann in den Teenagerjahren des Spielers gewesen sein; Wagner kam ja als Siebenjähriger zum FC Bayern. Aber warum ihm Wagner aufgefallen war, das weiß Gerland noch genau. "Er musste mir ja auffallen, so groß war er." Der 1,94 Meter große Wagner wurde irgendwann ein Stürmer in Gerlands zweiter Mannschaft, aber ein Liebling des Trainers wurde er nie. "Ich war damals nicht zufrieden mit ihm", erinnert sich Gerland, "aber nicht, weil er zu viele Tore erzielt hat. Ich war unzufrieden, weil er viel zu selten Tore erzielt hat." Die Quote von Sandro Wagner als Angreifer des FC Bayern II, sie lag irgendwann bei: ein Tor alle 1111 Minuten.

Auch in München hatte Wagner erfolgreiche Wochen, 2007 durfte er zum Beispiel unter Ottmar Hitzfeld die Vorbereitung bei den Profis mitmachen, er traf sogar einmal im Ligapokal, ein weiteres Tor bereitete er mit der Hacke vor. Dann verletzte er sich. Aber viel schlimmer, sagt Gerland: "Er hat nie auf mich gehört. Er hat nie das gemacht, was ich ihm gesagt habe." Beim FC Bayern verloren sie irgendwann den Glauben an Wagner, sogar Gerland, den die späteren Weltmeister ja auch so gerne mögen, weil er immer für sie gekämpft hat. "Sandro war zwar ballsicher, aber er war nicht schnell, und er hatte seinen eigenen Kopf, er war schwierig", sagt Gerland, "er hat das alles nicht so ernst genommen, wie wir es ihm geraten haben." Also verließ Wagner seine Heimatstadt. Er ging auf eine jahrelange Wanderschaft.