Der 1. FC Nürnberg baut in den Relegationsspielen gegen Energie Cottbus auf ein eingespieltes System - und auf Torjäger Marek Mintal.
Viele Tore hat er schon geschossen, manche aus spitzem Winkel, manche per Volleyschuss, manche stramm unter die Latte. Kaum eines war aber so schön wie das neulich gegen Osnabrück. Dario Vidosic hatte von rechts scharf herein geflankt, Marek Mintal war in vollem Lauf mit leicht verschraubtem Körper irgendwie an den Ball gekommen, nur der Ball und Mintal wollten sich diesmal nicht gleich trennen, dann kamen noch ein Verteidiger und der Torwart hinzu und aus den vieren wurde für einen Moment ein Knäuel.
Marek Mintal ist der Schlüsselspieler beim FC Nürnberg (© Foto: Getty)
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Alle schauten, und Mintal, schon halb sitzend, sah den Ball als erster. Sein rechtes Bein scherte aus, gab der Kugel einen Tritt, und die kullerte langsam, als müsse sie noch etwas nachdenken, unter dem hysterischen "Ja?" - "Ja?" - "Jaaa!" der Zuschauer über die Linie.
Wie das Jahr, so verläuft auch die Geschichte des 1. Fußballclubs Nürnberg in Zyklen, verheißungsvolle Sommer gehen über in depressive Novemberwochen. Zurzeit aber, da ist beim Club Frühling. Die Fans genießen den Aufbruch ihrer Mannschaft und deren solide Abwehrleistungen, das gute Stellungsspiel einer Verteidigung, die in immer neuen Konstellationen antreten musste. Die Chancen, nun in die Bundesliga aufzusteigen, stehen aber auch aus anderen Gründen nicht schlecht. Das Mittelfeld um Peer Kluge hat zu alter Sicherheit gefunden, der Angriff ist verletzungsfrei, und mal dahinter, mal rechts, mal links, mal ganz vorne, läuft Mintal in der Form seiner besten Zeiten herum. Wie schon damals im Frühling.
Der Mann ist leise und solide, und er schreibt doch bessere Geschichten als die meisten schillernden Club-Spieler vor ihm. Er spricht knappe Fußballerworte in weichem slawischen Akzent, aber sie bergen doch Botschaften. Was er über diese Finals gegen Cottbus denkt? - "Ich denke, was wir schaffen wollen, werden wir schaffen." Es ist auch ein Aufruf an die Mitspieler - von einem, der soeben Torschützenkönig wurde. Allerdings hatte Mintal nur 28 Spiele bestritten. Einmal, in Frankfurt, war ihm wegen einer nicht gegebenen Ecke in der Nachspielzeit der Gaul durchgegangen. Der Schiedsrichter hatte Mintal die rote Karte gezeigt, worauf Mintal dem Schiedsrichter den Vogel zeigte. Später sagte er sinngemäß, sein Zeigefinger habe etwas anderes gemeint, etwa: "Hallo! Da war noch einer mit der Stirn dran!", aber Mintal erkannte bald, dass das so nichts bringt und nahm alle Schuld auf sich. Man hat ihm das nachgesehen, denn solche Tore in letzter Minute sind auch eine Spezialität von Mintal, und Mintal war eben heiß auf die letzte Chance.
Der Vogel von Frankfurt verdeutlicht aber auch Mintals aktuellen Gemütszustand, seinen großen Ehrgeiz. Noch nie war der Torjäger vom Platz geflogen, nicht während seiner Zeit beim MSK Zilina/Slowoakei, wo er zweimal Torschützenkönig wurde, und auch nicht in seinen Nürnberger Anfangsjahren, als er 2004 Zweitligatorschützenkönig und 2005 Erstligatorschützenkönig wurde, wo er dann eineinhalb Jahre ausfiel, weil er sich den linken Mittelfuß zweimal an derselben Stelle gebrochen hatte. Mintal holte sich höchstens mal Gelb, auch als sein Beiname Phantom immer unsinniger wurde, weil er längst im Mittelpunkt stand und seine Tore nicht mehr wie aus dem Nichts machen konnte. In dieser Saison wurde er nun zweimal vom Platz gestellt. Gegen St. Pauli hatte er nachgetreten und war für drei Spiele gesperrt worden. Beide Karten waren Dummheiten, die man begeht, wenn man zu viel will.
Marek Mintal erwartet sich vermutlich mehr, als nur noch in der zweiten Liga Tore zu schießen, aber er kann dieses Vorhaben wohl nur mit dem 1. FC Nürnberg umsetzen. Gerüchte im März, er suche eine Alternative, wurden umgehend dementiert. Mintal wird beim Club bleiben, weil der Verein seine zweite Wiege als Fußballer ist, aber auch, weil die Nachfrage höherklassiger Klubs immer kleiner wird für einen 31-jährigen Stürmer, der so stürmt wie Mintal.
Kullertor aus dem Beineknäuel
Mintal sammelt keine Kräfte als Standturm im Strafraum, und wenn er sich ins Halbfeld zurückzieht, dann nicht, um sich auszuruhen. Das Spiel interpretiert er als Dauerlauf, als ständiges Fallenlassen und Quersprinten und Hakenschlagen, eine Jagd, auf der er öfters rüde gestellt wurde. Stuttgarts Fernando Meira hatte ihn im Pokalfinale 2007 ins Krankenhaus befördert. Vom 3:2-Sieg informierte er sich während der Behandlung über Handy, zur Cup-Übergabe war er wieder im Stadion. Sein Tor hatte er ja schon vor dem Foul geschossen.
Noch wirkt Mintal aber nicht müde. Nicht selten führten seine Tore in dieser Saison dazu, dass gegnerische Trainer sich etwas in Schwärmerei vergaßen. So erklärte Claus-Dieter Wollitz, der Trainer des VfL Osnabrück, warum Mintals Kullertor aus dem Beineknäuel heraus so herrlich war: "Mintal, der ist antrittsschnell und reaktionsschnell, und ach, alle Schnelligkeiten dieser Welt hat der", laut Wollitz auch eine ganz besondere Schnelligkeit: "Mintal ist auch qualitätsschnell." Das muss die ultimative Schnelligkeit sein, wer die besitzt, hat noch ein paar Jahre vor sich.
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(SZ vom 28.05.2009)
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Cottbus flegt die Nürnberger heute vom Platz.
Ein Ostclub sollte noch in der ersten Bundesliga spielen, Bayern hat schon seinen Top-Club ;-).
schiesst die Nuernberger vom Platz-ich drueck euch die Daumen
schiesst`s die Cottbuser vom Platz-ich drück Euch die Daumen
Zitat: "...der Angriff ist verletzungsfrei, und mal dahinter, mal rechts, mal links, mal ganz vorne, läuft Mintal in der Form seiner besten Zeiten herum. Wie schon damals im Frühling."
Also ich habe Mintal vor zwei Wochen gegen Rostock im Stadion gesehen - und das war extrem dünne. Schlechte Ballbehandlung, oft lamentiert, kaum Chancen. Hier hat wohl einer die rosarote Nürnbergbrille auf?!
Zitat: "So erklärte Claus-Dieter Wollitz, der Trainer des VfL Osnabrück, warum Mintals Kullertor aus dem Beineknäuel heraus so herrlich war..."
Schon klar.
Gruß ag