Ein Kommentar von Volker Kreisl

Zum ersten Mal seit 18 Jahren gibt es wieder ein Relegationsspiel um einen Platz in der Bundesliga - und es gibt gute Gründe, sich auf die Begegnungen zu freuen.

Anfang der Neunziger beschlossen die Verantwortlichen des Fußballs, aus dem Ganzen eine saubere Sache zu machen - einen Strich zu ziehen. Wer drüber ist, ist drin, wer drunter ist, ist draußen. Die Relegationsspiele in der Bundesliga, abgeleitet von Relegation (in etwa: von der Hochschule fliegen) wurden 1991 abgeschafft.

Relegation Nürnberg Cottbus

Die Fans des 1. FC Nürnberg wäre lieber direkt aufgestiegen. (© Foto: dpa)

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Die Vorteile lagen ja auf der Hand. Die Spieler konnten früher in den Urlaub fahren, die Vereine besser für die kommende Saison planen, der Verhau im Terminkalender Ende Mai mit den vielen Endspielen wurde gelichtet, und Pfingsten war Ruhe. So stellt sich jetzt, da die Erinnerungen wieder da sind, die Frage, ob es richtig war, den Wurmfortsatz der Liga wieder einzuführen, nur weil zum Beispiel Bayern-Vorständler Karl-Heinz Rummenigge den durchaus zutreffenden Satz sagte: "Wenn's um Leben und Tod geht, erhöht das die Spannung."

Ereignisse im Fußball sind mit Namen verbunden, bei Regen denkt man an Polen und Frankfurt, bei Champions-League-Endspielen denken FC-Bayern-Gegner an Solskjaer, und die Relegation hängt zusammen mit Vereinsnamen aus einer anderen Zeit, FC Homburg, Waldhof Mannheim, Darmstadt 98, oder mit Spielern wie Jacek Jarecki. Der polnische Torwart hält Position eins auf der relegationsinternen Liste der Torhüter mit den meisten Gegentoren, und es wird schwer, ihn von dieser Liste zu verdrängen.

Der Fußball hat sich verändert, die Unterschiede zwischen schlechter erster und guter zweiter Liga sind geringer, außerdem hat Jarecki elf Treffer kassiert. Er hütete 1986 das Tor der Kölner Fortuna, aber die musste gegen Dortmund trotz großen Kampfes in ein Entscheidungsspiel, dann legte ein Virus den halben Kader der Fortuna flach - die geschwächte Elf verlor 0:8.

Heute gibt es eine bessere Sportmedizin, und es gibt auch kein drittes Entscheidungsspiel mehr; die Fans werfen zudem nicht mehr Münzen, wie 1987 auf St. Pauli, weil Gegner Homburg sich in einem Rechtsstreit um den Aufstieg befand. Man streitet sich auch nicht mehr, weil die einen in der Mittagshitze zu Hause spielen mussten (Schalke, 1983) und die anderen nicht. Die Zeiten haben sich geändert, Nürnberger und Cottbuser werden sich mit professionellem Respekt begegnen und diese Finals werden mehr Fortsetzung als Zuspitzung der Liga sein. Freuen kann man sich trotzdem auf sie.

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(SZ vom 28.05.2009/jüsc)