Bundesliga Rangnick muss seinen Spielstil hinterfragen

Hoffenheims Mark Uth trifft zum 1:0 gegen Leipzig - am Ende steht es 5:2.

(Foto: AFP)

RB Leipzig hat sich dem Atemlos-durch-die-Nacht-Fußball verschrieben - nun zeigen sich dessen Limits. Einige Vertragsgespräche könnten spannend werden.

Kommentar von Christof Kneer

In Leipzig haben sie reagiert, wie das so ihre Art ist: schnell. Am Morgen nach dem 2:5 gegen Hoffenheim hat Sportchef Ralf Rangnick alle geplanten Perspektivgespräche storniert, erst nach der Saison soll nun geklärt werden, wie es mit einigen Spielern und auch mit dem Trainer Hasenhüttl weitergeht. Tempo, Tempo, Tempo, so lautet die zentrale Lehre im Glaubensbekenntnis der Rangnickianer, und auf den ersten Blick hat sich der Oberste der Religionsgemeinschaft mit seinem zackigen Entschluss also mustergültig an die eigene Lehre gehalten.

Auf den zweiten Blick kann man das aber auch anders sehen: Bei RB haben sie den Fuß vom Gas genommen und die Bremse reingehauen. Nach vier sieglosen Spielen, 15 Gegentoren und dem Aus in der Europa League müssen sich selbst die Tempobolzer aus Leipzig mal kurz sammeln. Tölpelige Abwehrfehler, unterlassene Hilfeleistungen an den Kollegen, eine frustgesteuerte rote Karte: Dieses 2:5 vermittelte den Eindruck, als brauchten die Leipziger mal eine Pause von sich selbst, als seien sie mitunter überfordert vom eigenen Tempo. So schnell wie sie ist ja noch nie einer durch die Ligen gesaust, so zügig wie sie hat es noch nie einer zum Feindbild gebracht, selten sind auch eigene Ansprüche so rasend gewachsen.

Welche Lesart wird sich intern durchsetzen?

In Leipzig werden sie nun wohl über Geschwindigkeiten diskutieren müssen. Seit Rangnick mit seinen Experten dort amtiert, hat sich RB jenem oft faszinierenden Atemlos-durch-die-Nacht-Fußball verschrieben, der von den Spielern aber eine Art Dauervollsprint verlangt. Gewiss hat Rangnicks anstrengender Fundamentalansatz dem Klub sehr geholfen bei seinem Blitzmarsch durch die Institutionen, weil sich jede Entscheidung an einer klar definierten Idee orientieren konnte; nun aber, da der Klub die schwerste Stufe in der Entwicklung erklimmen will, zeigen sich auch die limitierenden Faktoren des kessen Planes.

Auf höchstem Niveau bekommt es Leipzig mit Gegnern zu tun, die Meister unterschiedlicher Geschwindigkeiten sind - gut zu verfolgen in jener Champions League, die ja die Deutungsebene für RB darstellen soll. Dort kann man Teams wie dem FC Bayern oder Real Madrid zusehen, die genau wissen, wann es sich lohnt, Gas zu geben - und wann man mit gepflegter Gangart mal ein paar Kräfte schont. Rhythmuswechsel, Auge, List und etwas Unberechenbarkeit: Das sind die Tugenden erwachsener Teams, auf die die berufsjugendlichen Leipziger - offenbar ja absichtlich - verzichten.

Es wird interessant sein zu sehen, welche Lesart sich intern durchsetzen wird. Womöglich werden die Strategen im Haus ja eine gegenteilige Schlussfolgerung ziehen: dass sie nicht zu viel RB-Tempofußball spielen, sondern zu wenig. Dass sie zurzeit also erfolgreicher wären, wenn der Trainer Hasenhüttl konsequenter an der heiligen Idee festhalten würde. In diesem Fall könnten die verschobenen Vertragsgespräche spannend werden.

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