Nach dem 0:2 gegen Köln droht Eintracht Frankfurt der Abstieg. Manche Anhänger rasten deshalb völlig aus: Sie jagen Spieler über den Platz und zerstören eine Kamera - die Polizei verhaftet sechs von ihnen. Der Klub weiß derweil schon, wer in der zweiten Liga Trainer Christoph Daum ersetzen könnte.
0:2 gegen den 1. FC Köln, Absturz auf Tabellenplatz 17 und ein finales Saisonspiel gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund - der Abstieg von Eintracht Frankfurt scheint so gut besiegelt. Und deshalb bricht derzeit rund um den Klub das Chaos aus.
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Fans von Eintracht Frankfurt rasten nach dem 0:2 gegen Köln aus. (© dapd)
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Die berüchtigten Frankfurter Ultras drehten eine Woche nach dem Warnschuss eines Polizisten und den insgesamt 19 Festnahmen erneut durch. Direkt nach dem Abpfiff jagten 150 Eintracht-Hooligans die verängstigten Frankfurter Spieler über den Platz, zerstörten eine 600.000 Euro teure ARD-TV-Kamera und ließen sich erst von den Schlagstöcken und dem Pfefferspray der Polizei zurückdrängen. "Das ist furchtbar. Das sind ganz schlimme Bilder, die wir in Frankfurt nicht sehen wollen", sagte Frankfurts Aufsichtsratsboss Wilhelm Bender. Zehn Anhänger wurden dabei verletzt, sechs festgenommen.
Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)ermittelt nun. "Das Verhalten dieser Personen ist völlig inakzeptabel. Wichtig ist jetzt bei aller Emotionalität eine objektive Beurteilung der Situation", sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn. "Und hier ist zunächst einmal festzuhalten, dass die Frankfurter Polizei, wie auch der Sicherheits- und Ordnungsdienst von Eintracht Frankfurt, sehr besonnen und professionell reagiert haben. Dennoch müssen wir alles tun, um solche Vorkommnisse in Zukunft gänzlich zu verhindern."
Vize-Präsident Axel Hellmann meinte: "Präsident Peter Fischer hat die Situation durch intensive Gespräche mit den Ultras gerade noch gerettet. Sonst wäre das hier alles eskaliert." Einige Chaoten wurden noch auf dem Platz verhaftet, die Spieler entschuldigten sich 45 Minuten nach ihrer Kabinen-Flucht bei den Fans für den Auftritt gegen den FC. "Wir wollten deeskalierend zu wirken", sagte der desillusionierte Frankfurter Trainer Christoph Daum.
Auch am Montag wird das Training in Frankfurt unter Polizeischutz stattfinden. "Wir treten jetzt die Flucht nach vorne an und werden in Frankfurt trainieren", sagte Daum, der als Nachfolger von Michael Skibbe magere drei Punkte holte und auf den vorletzten Tabellenplatz abstürzte: "Ich kann jetzt nicht mehr mit Fakten kommen, sondern muss mich auch mit Durchhalteparolen über Wasser halten. Mein Ziel ist zwar immer noch der Klassenerhalt, aber das geht nur mit einem Sieg im letzten Spiel."
Die Verpflichtung von Daum vor sechs Wochen war aus Sicht der Eintracht ein Schuss in den Ofen. Das sieht mittlerweile auch der um sein Lebenswerk bangende Vorstandsboss Heribert Bruchhagen nicht mehr anders, auch wenn er sich öffentlich zurückhält. Daum ist in Frankfurt nie angekommen und wird die Bankenmetropole vermutlich mit seinem ersten Abstieg als Trainer verlassen. "Der Abstieg würde uns um Jahre zurückwerfen", sagte Bruchhagen.
Unterdessen begannen schon die Planungen für die kommende Saison - die der Klub wohl in der zweiten Liga absolviert, denn dass die Hessen am letzten Spieltag mit einem Sieg bei Borussia Dortmund den Ligaerhalt sogar noch direkt sichern könnten, daran glauben die Bosse in Frankfurt nicht mehr. "Wir müssen uns jetzt ganz mit dem worst case Abstieg befassen und dann schauen, dass wir direkt wieder aufsteigen", sagte Bender, der als Chef des Aufsichtsrats noch keine Entscheidung über die Zukunft von Bruchhagen getroffen hat. Der Lizenzspieleretat wird bei 15 bis 17 Millionen Euro liegen, Ziel ist der direkte Wiederaufstieg. Der Schweizer Marcel Koller soll Trainer werden.
Doch erst einmal müssen die Frankfurter Verantwortlichen um ihre randalierenden Fans kümmern.
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(sueddeutsche.de/dpa/sid/Reuters/aum)
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