Bundesliga 40 Punkte reichen Augsburg

Der FC Augsburg spielt auch in der kommenden Saison in der Bundesliga.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
Von Sebastian Fischer, Augsburg

Sandro Schwarz sah nicht glücklich aus, er hob vor Verzweiflung die Arme, er kratzte sich am Ohr, dann drehte er sich um. Der Trainer des FSV Mainz 05 hatte gesehen, wie ein Angriff seiner Mannschaft endete, ohne das Tor des FC Augsburg bedroht zu haben. Mal wieder.

Egal, was in den verbleibenden Wochen noch geschieht, sie werden beim FSV Mainz 05 sicher nicht mit größter Freude auf diese Saison zurückblicken. Es war niemals ruhig im Verein, im Winter trat nach nur einem halben Jahr im Amt der Präsident Johannes Kaluza nach einem Machtkampf zurück, und wenn über Fußball gesprochen wurde, ging es meistens darum, dass die Elf nie überzeugend auftrat - obwohl eine ansprechendere Spielkultur das Ziel gewesen war, als die Mainzer im vorigen Sommer den Trainer wechselten: von Martin Schmidt zu Schwarz.

Die Mainzer kämpften von Saisonbeginn an gegen den Abstieg, und wer sie am Sonntag beim 0:2 (0:1) in Augsburg sah, der erkannte, warum sich an diesen Aussichten bis zum 34. Spieltag nichts mehr ändern wird. Zumal das 0:2 in der Nachspielzeit nicht zur Ermutigung beitragen dürfte: Mainz' Torwart René Adler war nach einem Eckball aufgerückt und musste dann mit ansehen, wie der Augsburger Konter an ihm vorbei sauste - und Finnbogason traf.

Der Mainzer Abstiegskampf schien im April nach ernüchternden Wochen zuvor wieder besser zu gelingen, Mainz verlor dreimal in Serie nicht. Und nach dem kuriosen 2:0 gegen den SC Freiburg am vergangenen Montag, mit einem in der Halbzeitpause vom Video-Assistenten geahndeten Strafstoß, hatte die Elf am Sonntag die Gelegenheit, drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang herauszuspielen. Nun haben sie weiterhin 30 Punkte, genau wie Wolfsburg und Freiburg. Es ist schwer zu sagen, was im Vergleich für Mainz sprechen könnte - außer dem Kampfgeist.

Finnbogason zeigt eine feine Vorarbeit

Wie um das Motto vorzugeben, hatte Sandro Schwarz den behäbigen Nigel de Jong und den zuletzt gesperrten Italiener Giulio Donati aufgeboten, beide nicht als Feingeister, sondern als ungemütliche Gegenspieler bekannt - ähnlich wie Angreifer Pablo de Blasis. Kaum ein Mainzer verkörperte den jüngsten Stimmungswandel derart wie der Schütze beider Tore gegen Freiburg. Von Schwarz zu Beginn der Rückrunde kaum berücksichtigt, soll der Argentinier seinen Trainer bei sogenannten "Willens-Läufen" im Training überzeugt haben.

De Blasis quälte sich im Training und kehrte beim 0:0 gegen Gladbach vor drei Wochen in die Startelf zurück, traf in der Woche darauf zum 1:1 in Köln. In Augsburg lief er erstmals als Kapitän auf. Er feuerte seine Kollegen an, klatschte, arbeitete, mal auf Linksaußen, mal als hängende Spitze. "Mainz 05 ist Kampf", hatte er unter der Woche gesagt. Doch Kampf allein ist selbst im Abstiegskampf nicht genug.

Der FC Augsburg wiederum hat sich so erfolgreich gegen den Abstieg gewehrt, dass es oft gar nicht nach Kampf aussah. Mit 40 Punkten steht der Klassenverbleib fest, was die Augsburger in T-Shirts feierten mit der Aufschrift: "obACHT - auch im nächsten Jahr wieder Abstiegskandidat Nummer eins." Eine Anspielung, dass die Schwaben vermutlich auch in ihrer achten Bundesligasaison wieder zu den Abstiegsaspiranten gezählt werden. Am Sonntag war freilich zu sehen, warum der FCA weiterhin zu Recht erstklassig spielen wird.

Die Mannschaft von Trainer Manuel Baum spielte schneller und zielstrebiger, hatte die besseren Chancen und ging nach 29 Minuten in Führung. Stürmer Alfred Finnbogason, nach langwierigen Wadenproblemen erstmals seit Januar wieder im Einsatz, zog gleich vier desorientierte Mainzer auf sich und spielte Michael Gregoritsch frei, der den Ball in aller Ruhe an Adler vorbei ins Tor schob. Auch in der zweiten Halbzeit blieben die Augsburger spielbestimmend, Marco Richter hätte nach 70 Minuten das 2:0 erzielen müssen.

"Wir hätten uns das Leben ein bisschen einfacher machen können, wenn wir früher das 2:0 gemacht hätten", resümierte Baum: "Aber es ist ein Tag, an dem wir feiern können. Drei Spieltage vor Schluss die Klasse zu erhalten, ist nicht selbstverständlich." Sein Kollege Schwarz brachte am Ende noch den Angreifer Anthony Ujah und den Mittelfeldspieler Alexandru Maxim, zwei Fußballer, die durchaus Torgefahr ausstrahlen können. Die Mainzer Fans sangen, die Mainzer Spieler kämpften, doch es blieb bis zum Schluss dabei: Das Fußballspielen misslang.


Quelle: Opta Sportdaten

Mehr Statistiken finden Sie im Bundesliga-Datencenter und im

Bundesliga Live-Ticker