Sowohl Ballack wie Poulsen sind zwar spezielle Fälle, weil sie aufgrund auslaufender Verträge unter diversen Angeboten wählen konnten.

Anzeige

Doch auch an ihren Beispielen erweist sich ein struktureller Nachteil der Bundesliga: Die besseren Klubs aus Italien, Spanien und England sind den deutschen Vereinen finanziell überlegen, woraus sich dann auch ein sportlicher Vorsprung ableitet.

Selbst der FC Bayern hat jüngst im Fall Sergio Aguero erlebt, wie begrenzt sein Spielraum ist. Den 17-jährigen Argentinier beobachteten Manager Uli Hoeneß und Trainer Felix Magath zweimal an Ort und Stelle, Chefscout Wolfgang Dremmler hatte die aufwändige Vorarbeit geleistet.

Aber das Interesse an der Verpflichtung erlahmte, als sich Atletico Madrid einschaltete und Bereitschaft erklärte, die von Agueros Klub Independiente Buenos Aires geforderte Ablöse von 15 bis 20 Millionen Dollar zu bezahlen.

Paradebeispiel für Hoeneß Irrtum

Außer Spesenkosten hat sich der FC Bayern somit nur eine Portion Ärger eingehandelt. Dass Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge jetzt erklärte, Independientes Präsident Julio Comparada habe eine persönliche Beteiligung am Transfererlös verlangt, hat selbigen dazu veranlasst, Rummenigge mit Klage zu drohen, wenn er den Vorwurf nicht zurücknehme.

Atletico Madrid ist im Übrigen ein Paradebeispiel für den Irrtum von Uli Hoeneß. Der Manager hatte in den Boom-Jahren um die Jahrhundertwende beharrlich geweissagt, dass die großzügige Misswirtschaft besonders der südländischen, aber auch englischen Vereine sich irgendwann in einen Vorteil für die vergleichsweise solide arbeitende Bundesliga verkehren werde. Doch die von Hoeneß prophezeiten Crashs sind ausgeblieben.

Zwar hat Atletico, vom verrückten Präsidenten Jesus Gil y Gil ins Chaos getrieben, einen gewaltigen Schuldenberg aufgetürmt - darunter zusammengebrochen ist der Traditionsverein aber keineswegs.

Auch die Millionen, die nun für Aguero und Rosicky anfallen, hat Atletico offenbar nicht flüssig. Wie Kenner in Spanien mutmaßen, investiert der Klub das Geld, das der Verkauf von Nationalspieler Fernando Torres bringen soll - angeblich ist der FC Chelsea an ihm interessiert.

In der Vergangenheit belebte vor allem Bayer Leverkusen die Bundesliga durch seine Brasilien-Transfers. Doch die Zeiten sind schwieriger geworden. "Was sich verändert hat, das sind die Verhältnisse in Südamerika", sagt Völler, "mittlerweile verlangen die Klubs in Brasilien Riesensummen für einen Spieler, der ein wenig geradeaus laufen kann."

Bezahlt wird das Geld nicht nur in den klassischen Spitzenligen, sondern auch in Osteuropa, in Russland und der Ukraine zum Beispiel, "das ist mittlerweile für die Brasilianer ein sehr interessanter Markt".

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Hohe Spesen und eine Portion Ärger
  2. Sie lesen jetzt Seite 2
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(SZ vom 12.5.2006)