Von Jürgen Schmieder

Nach diesem Spieltag ist klar: Meister wird die Mannschaft, die am Ende die wenigsten Zitterfüße im Kader hat. Genau deshalb darf man den FC Bayern noch nicht abschreiben.

Man mag das Bild vom angeknockten Boxer, der besonders gefährlich sein soll, nicht auf den FC Bayern anwenden - nicht nach dem schmucklosen 2:1 gegen den VfL Wolfsburg. Wenn man nach dem 23. Spieltag eine Metapher aus anderen Sportarten bedienen möchte, dann eher einen Golfer mit der Zitterhand.

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Hollywood hat aus dieser Geschichte einige schöne Filme gemacht: "Die Legende von Bagger Vance" etwa oder "Tin Cup". Dort wackelt die Hand der Protagonisten jeweils heftig, sie bringt keinen anständigen Schwung mehr zusammen. Die Nerven sind schuld, dass es einfach nicht mehr klappt.

Über den "Zitterfuß" wurde noch kein Film gedreht, obwohl der 23. Spieltag der Bundesliga durchaus Stoff lieferte für dramatische Momente. Bereits am Freitag rannte der VfB Stuttgart gegen eine Berliner Wand an und konnte kein Tor erzielen - obwohl wahrscheinlich ein Fuß aus Stahl oder Eisen nötig gewesen wäre, um die Abwehr der Berliner zu durchbrechen. Und so einen harten Fuß hatte kein Stuttgarter Spieler.

Am Sonntag bot sich Schalke 04 also die Gelegenheit, auf sieben Punkte davonzuziehen und eine kleine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft zu erwirken. 90 Minuten lang versuchten sie, den Ball über die Linie zu prügeln, zu stochern, zu heben. Es wollte nicht gelingen. Im Gegenteil: Stefan Kießling - in der Hinrunde noch wegen vieler vergebener Chancen als Zitterer verspottet - erzielte den Siegtreffer für Leverkusen.

Auch Werder Bremen hatte die Chance, sich von der Krise zu befreien. Zwei Mal lag der SV Werder in Gladbach vorn - man wollte schon das Ende der Krise ausrufen, als Rafael in der Nachspielzeit noch das 2:2 erzielte.

Viele Fußball-Profis spielen in ihrer Freizeit Golf, sie werden das Problem der Zitterhand kennen. Doch beim FC Bayern, bei dem ausnehmend viele Hobby-Golfer im Kader stehen, scheint es dieses Problem nicht mehr zu geben. Die Münchner schaffen es, eine Niederlage (2:3 in Madrid) als Sieg auszurufen und nach einem Pflichsieg (2:1 gegen Wolfsburg) zur größten Aufholjagd seit Spyridon Louis (er soll während des Marathons bei den Olympischen Spielen 1896 in ein Gasthaus eingekehrt sein) blasen.

Es gab einmal das Sprichwort: "Die Defensive gewinnt Meisterschaften." Nach diesem Spieltag ist klar: Meister wird die Mannschaft, die am Ende die wenigsten Zitterfüße im Kader hat. Genau deshalb darf man den FC Bayern noch nicht abschreiben.

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(sueddeutsche.de)