Von Jörg Marwedel

Der HSV hat erneut hoch investiert, um in die Top Ten der europäischen Vereine aufzusteigen. Der letzte Neue heißt David Rozehnal.

Den 12.Mai 2010 hat HSV-Chef Bernd Hoffmann sich bereits dick im Kalender angestrichen. An diesem Tag findet das Endspiel der neuen Europa League statt. In Hamburg. Und natürlich hat der Visionär Hoffmann auch einen Traum: Dass der HamburgerSV nicht nur Gastgeber ist, sondern auch mitspielt, nachdem man in diesem Jahr erst im Uefa-Cup-Halbfinale an Werder Bremen gescheitert war.

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Die letzte Verpflichtung: 52 Länderspiele hat David Rozehnal für Tschechien bestritten, nun rundet der Verteidiger den HSV-Kader ab. (© Foto: dpa)

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Ein Fehlschlag, unter dem der ehrgeizige Boss bis heute leidet. An diesem Donnerstag (20.30 Uhr) kann das erneuerte HSV-Team den ersten Schritt zur Genesung beitragen. Im ersten offiziellen Spiel der Saison 2009/2010 muss es in der Qualifikations-Runde für die Europa League beim dänischen Klub FC Randers antreten. "Vielleicht", sagt Hoffmann vor der neuen Spielzeit, "gelingt uns ja diesmal der kleine Schritt, der zuletzt fehlte."

Nur Bayern gab mehr aus

Am Dienstagabend um 20.41 Uhr landete die vorerst letzte Verstärkung auf dem Flughafen Fuhlsbüttel. Es war David Rozehnal, 29, tschechischer Innenverteidiger von Lazio Rom. 4,9 Millionen Euro hat der Nationalspieler nach zweiwöchigen zähen Verhandlungen mit Lazio-Präsident Claudio Lotito gekostet.

Nach den Verpflichtungen des hochgelobten niederländischen Offensivspielers Eljero Elia (22/8,9 Millionen Euro teuer), des schwedischen Torjägers Marcus Berg (22/9,5 Millionen), Bayerns Mittelfeldspieler Zé Roberto (ablösefrei) und des Bielefelders Robert Tesche (22/eine Million) summieren sich die Investitionen auf 24 Millionen. Wie im vergangenen Jahr ist das die zweitgrößte Aufwendung aller Bundesligaklubs. Vor einem Jahr hatte nur der spätere Meister VfL Wolfsburg mehr ausgegeben, diesmal der FC Bayern mit circa 50 Millionen.

Bernd Hoffmann hat sich also neun Millionen Euro mehr gegönnt, als anfangs vom Aufsichtsrat genehmigt worden waren. Das hat einerseits damit zu tun, dass er nach der Entlassung von Sportchef Dietmar Beiersdorfer bei Misserfolgen alle Last auf sich nehmen müsste. Da fördert er lieber mit Einkäufen die Chance auf eine gute Saison.

Zudem will er schnellstmöglich in Europas Top Ten einbrechen. Schon jetzt stehen die Hamburger auf Rang 13 der europäischen Rangliste. Die neuen Transfererfolge kann Hoffmann, dem Groningens Manager Hans Nijland nach den Verhandlungen über Berg bescheinigte, "ein wirklich guter Businessman" zu sein, sich im Prinzip aber nur zum Teil gutschreiben. Nicht nur, weil auch Klubmanager Bernd Wehmeyer und der neue Trainer Bruno Labbadia eingebunden waren.

Die wesentliche Vorarbeit hatte nämlich noch Dietmar Beiersdorfer vollbracht. Alle neuen Profis hatte der frühere Sportchef vorgeschlagen und längst erste Kontakte geknüpft. Dass der neue Coach Labbadia dies nicht nur anerkannte, sondern auch noch öffentlich feststellte, wie sehr er es bedaure, dass er nun kein Team mit seinem früheren Profikollegen bilden wird, wird Beiersdorfer-Gegner Hoffmann kaum gefallen haben.

Gleichwohl hat der geradlinige Nachfolger von Martin Jol vorerst beste Karten in Hamburg. Während bei seinem früheren Klub Bayer Leverkusen die Spieler nach der Niederlage im DFB-Pokal-Finale gegen Werder Bremen in der Disco ein Lied gegen den Trainer anstimmten, hört sich das bei den HSV-Profis zumindest zu Beginn der Saison anders an. Labbadias Arbeit sei "super, die Stimmung im Team ist hervorragend", urteilte Mladen Petric. Zé Roberto sagte gar: "Er ist ein feiner Mensch." Und der Gelobte selbst sagte nach den erfolgreichen Testspielen und den gewünschten Einkäufen: "Ich bin begeistert vom HSV."

Wird Wehmeyer Sportchef?

Fehlt nur noch der neue Sportchef. Der frühere Aufsichtsratschef Udo Bandow hat schon einen Favoriten, der offenbar intern beim HSV gut ankommt: Bernd Wehmeyer, 57, zwischen 1996 und 1998 schon einmal in dieser Funktion. "Er war als Spieler dreimal Meister mit dem HSV, Europacup-Sieger und hat als Manager Profis wie Butt, Cardoso, Gravesen oder Yeboah geholt", sagt Bandow. Zuletzt hat er in Hoffmanns Auftrag mit den Römern über Rozehnal verhandelt.

Spielen aber wird Rozehnal in Randers ebenso wenig wie Elia (Knieprellung) und Berg (Trainingsrückstand). Es wird also bis auf Zé Roberto noch einmal die "alte" HSV-Mannschaft auflaufen. Und so schlecht war die ja in der vergangenen Saison trotz dreier verpasster Titel auch nicht.

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