Von David Binnig

Mainz kann den Startrekord der Bundesliga einstellen. Sogar Otto Rehhagel traut den Außenseitern viel zu - obwohl die Spielphilosophie des Mainzer Trainers Tuchel so gar nicht zu seiner eigenen passt.

Nein, die Mainzer werden nicht dafür sorgen, dass sich Geschichte wiederholt. Auch wenn der Hauptverantwortliche jener vielbesungenen Geschichte es ihnen zutraut: Otto Rehhagel. Der Trainer führte den 1. FC Kaiserslautern aus der zweiten in die erste Liga - direkt zum deutschen Meistertitel 1998. Die Mainzer schütteln die Köpfe ob dieses Vergleichs mit den Roten Teufeln, denn: "Wir sind ja kein Aufsteiger", sagt Manager Christian Heidel.

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Thomas Tuchel (links) und Jürgen Klopp verfechten eine ähnliche Spielphilosophie: Ihre Teams spielen derzeit schön und erfolgreich. (© dpa)

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So ganz hinkt der Vergleich jedoch nicht - denn auch die Mainzer sind unerwartete Emporkömmlinge. Zudem geistert derzeit das Wort "Startrekord" durch viele Köpfe und Zeitungen. Noch ein Sieg, dann haben die Mainzer den bestehenden Rekord von sieben Siegen in Serie eingestellt. Rekordhalter bislang: der 1. FC Kaiserslautern (in der Saison 2001/02) und der FC Bayern (1995/96). In der Meistersaison hatten die Roten Teufel gleich am ersten Spieltag die Bayern geschlagen. Als nun am vergangenen Samstag Mainz den Rekordmeister aus München mit 2:1 besiegte, fühlte sich selbst der große Louis van Gaal genötigt, die Meister-Parallele zu ziehen: "Das hat Kaiserslautern auch einmal geschafft, warum nicht auch Mainz?"

Die Philosophie des Spiels

Mainz ist in dieser Saison ein ebensolcher Außenseiter wie es Kaiserslautern 1998 war. Beide Rheinland-Pfälzer Städte sind eher klein (Mainz hat immerhin 198.000 Einwohner, doppelt so viele wie Kaiserslautern), die Budgets ihrer Fußballklubs auch (der Mainzer Etat liegt bei 17 Millionen Euro). Otto Rehhagel, der Sensations-Meistertrainer von 1998, hat dagegen nicht viel gemeinsam mit Thomas Tuchel, dem jugendlichen Trainer des Sensations-Tabellenführers. Nur eines: überraschenden Erfolg. "Fußball ist kein Laptop-Spiel", sagt der 72-jährige Rehhagel in der Bild: "Es ist ein Spiel der Unwägbarkeiten. Man kann auch gegen die Etablierten gut aussehen, wenn man geistig frisch ist."

Ganz anders als Tuchel setzte Rehhagel vor allem auf ältere, routinierte Spieler wie Olaf Marschall, Ciriaco Sforza oder Miroslav Kadlec. Mit kompromossloser Defensivarbeit führte er 2004 dann den krassen Außenseiter Griechenland zum Europameistertitel. Mit viel Kampf, langen Bällen und der Wiedereinführung des Liberos. Das Spiel der Mainzer ist ein anderes. "Sie spielen erfrischenden Fußball", sagt der Mann, der in Deutschland zu "König Otto" und in Griechenland zu "Rehakles" wurde.

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