Bundesliga: Frankfurt - Bremen Daum im Glück

Ein später Ausgleich bewahrt den neuen Frankfurter Trainer Christoph Daum vor einer Pleite. Doch sein Heim-Debüt rückte nach dem 1:1 gegen Werder Bremen in den Hintergrund. Ein "enfant terrible" sorgt wieder einmal für Streit.

Glücklicher Punktgewinn für Eintracht Frankfurt beim Heim-Debüt von Christoph Daum: Die abstiegsbedrohten Hessen erkämpften sich im Kellerduell mit Werder Bremen dank eines späten Tores von Martin Fenin (83.) nach dem unglücklichen Rückstand durch ein Eigentor von Halil Altintop (58.) ein 1:1 (0:0) und blieben damit nach dem 1:1 beim VfL Wolfsburg auch im zweiten Spiel unter Daum ungeschlagen. Für das Team von Daum, das von den zwölf Rückrundenspielen nur ein einziges gewinnen konnte, bleibt mit 33 Punkten der Kampf um den Klassenverbleib schwer. Und auch Werder ist mit jetzt 34 Zählern noch längst nicht aus dem Schneider, obwohl die Bremer nun schon seit sechs Liga-Partien ungeschlagen sind.

Befreiung kurz vor Schluss: Christoph Daum beim 1:1, Kollege Thomas Schaaf wirkt dabei weniger ausgelassen.

(Foto: REUTERS)

51.500 Zuschauer in Frankfurts ausverkaufter WM-Arena und Bundestrainer Joachim Löw sahen über weite Strecken der Partie einen offenen Schlagabtausch. Vor allem die Eintracht präsentierte sich fünf Tage nach Daums Einstand mit dem 1:1 bei Ex-Meister VfL Wolfsburg nicht mehr so verunsichert wie zuletzt, aber auch die Bremer agierten nach zuvor fünf Spielen in Folge ohne Niederlage weitaus stabiler als noch zu Beginn der Rückrunde.

"Wir holen unsere Punkte Punkt für Punkt. Ein Remis gegen Bremen ist okay, auch wenn drei Punkte schöner gewesen wären. Wir haben nach dem Rückstand überragend gespielt, und langsam kommt das Fußballspielen auch wieder zu uns zurück", sagte Frankfurts Kapitän Maik Franz und erhielt in seiner Einschätzung Unterstützung von seinem Vorstandschef Heribert Bruchhagen: "Es wäre tragisch gewesen, wenn wir nach diesem nervenaufreibenden Spiel mit leeren Händen dagestanden hätten."

Bremens Trainer Thomas Schaaf bilanzierte eines reines Abstiegsduell: "Das Spiel hatte alles, wie es in der Situation der beiden Mannschaften zu erwarten war: Viel Emotionen und Leidenschaft, viel Einsatz und viel Kampf."

Allerdings hatte die Eintracht bereits zu Beginn Glück, dass es nicht frühzeitig 1:0 für Bremen stand. Denn der zuletzt immer stärker werdende Angreifer Sandro Wagner hatte bereits nach neun Minuten die große Chance zur Gäste-Führung, doch sein Schuss landete nur am Pfosten. In der 21. Minute kam dann überraschend Marko Marin im Frankfurter Strafraum frei zum Kopfball, doch Eintracht-Keeper Ralf Fährmann machte sich ganz lang und klärte gerade noch zur Ecke.

Jedoch hatte auch die Eintracht in der ersten Halbzeit Chancen. Zunächst rettete Nationaltorwart Tim Wiese in höchster Not gegen den völlig freistehenden Theofanis Gekas (18.). In der 32. Minute lenkte wiederum Wiese einen Volleyschuss von Sonny Kittel zur Ecke. Der erst 18 Jahre alte Kittel war wegen der Gelbsperre für Patrick Ochs in die Startformation gerückt und zeigte dabei über weite Strecken gute Ansätze.

Nach dem Seitenwechsel hatte zunächst wieder Werder mehr Spielanteile. Während die Gastgeber über Konter und Standards den Erfolg suchten, setzten die Bremer auf ihre spielerischen Stärken. So auch in der 56. Minute, als Marin und Pizarro die komplette Abwehr der Frankfurter schwindelig spielen, der Peruaner am Ende aber am Tor vorbeizog. Nur zwei Minuten später aber lenkte Altintop einen Freistoß von Mikael Silvestre ins eigene Tor.

Die mit klareren Aktionen auftretenden Bremer ließen aber die nötige Ruhe vermissen, verpassten das 2:0. "Wir haben uns von der Hektik anstecken lassen", monierte Manager Klaus Allofs zur Pause. "Wir wussten, dass wir selbst viel Einsatz mitbringen mussten. Mit der Führung aber haben wir nicht den Schlusspunkt setzen können", sagte Schaaf.

Doch das Spiel und die Paraden von Wiese, der zum Matchwinner wurde, als er Gekas in der zweiten Halbzeit mehrfach zur Verzweiflung brachte, rückten bereits kurz nach Spielschluss in den Hintergrund. Verantwortlich dafür war Maik Franz, der Dennis Avdic mit seiner Faust das Jochbein prellte. Christoph Daum attackierte daraufhin den wütenden Thomas Schaaf.

Es wurde nur ncoh über die Aktion des "enfant terrible" Franz gestritten, der Avdic bei einem Zweikampf gleich zu Spielbeginn verletzt hatte. Bremens Trainer Thomas Schaaf monierte nicht zu unrecht, dass die Hand des Eintracht-Verteidigers bei dem Eins-zu-Eins-Duell nichts im Gesicht von Avdic zu suchen hatte. "Franz tritt die Fairness mit großen Schuhen. Dafür habe ich kein Verständnis. Ich würde ihm wirklich raten, sich schnell zu ändern", sagte Schaaf und riet Franz, "sich endlich mal Gedanken zu machen. Zweikämpfe müssen meiner Ansicht nach sachlich und im Sinne des Fair Play geführt werden."

Auf die Frage eines Journalisten, wie schlimm die Verletzung von Avdic sei, sagte Schaaf: "Wenn Sie sein Gesicht gesehen hätten, dann würden Sie diese Frage nicht stellen!".

Christoph Daum jedoch fühlte sich nach den Ausführungen seines Kollegen im völlig falschen Film. Der "Zampano" zauderte, schließlich habe er Franz zuletzt als einen "tadellosen Sportsmann" kennengelernt. "Das ist eine Hetzjagd gegen Maik Franz, ihn an den Pranger zu stellen, finde ich unfair. Es ist auch nicht okay vom Trainer, so etwas Populistisches zu sagen. Die Bremer Spieler sind immer wieder auf ihn drauf, um ihn ständig provozieren. Wenn ich mitbekomme, was da alles läuft, dann muss ich sagen: Hut ab vor Maik, wie ruhig er bleibt", sagte Daum.

Auch Franz, der erst in der vergangenen Woche den Platzverweis von Wolfsburgs Arne Friedrich provoziert hatte, konnte die Aufregung um seine Person nicht nachvollziehen: "Das ist ein Witz. Da muss man die Kirche mal im Dorf lassen. Das war doch keine Absicht!", sagte der Frankfurter Ersatzkapitän: "Was die Fouls angeht, stehe ich im unteren Mittelfeld der Liga."