Bundesliga Finalsieg im Herbst

Mit deutlich veränderter Mannschaft besiegt der 1. FC Nürnberg Borussia Dortmund 2:0 und schöpft Hoffnung im Abstiegskampf.

Von Volker Kreisl

Jahreshauptversammlungen von großen Fußballvereinen sind auch deshalb oft an grauen Novembermontagabenden terminiert, weil die Zeit da von wenig Hektik geprägt ist. Die meisten Bundesligavereine verfügen über die gewünschte Ruhe, und nur wenige müssen sich jetzt schon in sportlicher Bedrängnis vor den versammelten Mitgliedern verantworten - wie an diesem Montagabend der Trainer Thomas Doll und die Führungsmannschaft von Borussia Dortmund. 0:2 (0:1) hat der BVB das Spiel beim ebenfalls bedrängten 1. FC Nürnberg verloren, das allenthalben als richtungsweisend bezeichnet wurde, betroffen war danach aber hauptsächlich Dolls Karriererichtung. "Es wird ernst", sagte er, auch wenn er nur die Situation in der Tabelle meinte.

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Augen zu und durch: Marek Mintal (rechts) und Florian Kringe auf Kurs Ball.

(Foto: Foto: dpa)

Doll ist immer umstrittener in Dortmund, und sein Team war konzept- und mutlos aufgetreten. Die Nürnberger dagegen hatten die Chance zu einem kleinen Befreiungsschlag genutzt. Nach Tomas Galaseks frühem 1:0 erwiesen sie sich als zweikampfstärker und spielerisch origineller, wurden zwar zwischendurch nervös, aber am Ende mit Angelos Charisteas' 2:0 belohnt. "Wir haben kaum Aktionen vom Gegner zugelassen", sagte Trainer Hans Meyer, "diesen Sieg hat sich die Mannschaft verdient."

Er hatte vier Spieler aus der Verliererformation gegen Bielefeld auf die Bank gesetzt. Den linken Verteidiger gab statt Ralf Schmidt nun Marco Engelhardt, Michael Beauchamp ersetzte den formschwachen Innenverteidiger Glauber. Für den russischen Außenstürmer Ivan Saenko, der wegen einer verletzt angetretenen Reise zum Nationalteam in Ungnade gefallen war, kam der genesene Mittelstürmer Charisteas. Erforderlich war aber auch ein Flankengeber, weshalb erstmals von Anfang an das ehemalige 1860-Talent Nicky Adler stürmte.

Von allen vieren hatte Meyer einen Herbst lang vergeblich Leistungen erwartet, nun bekam gleich das ganze Quartett seine Chance, und es nutzte sie vortrefflich. Es wurde das angekündigte Abstiegsfinale, das sonst nur im Mai zu sehen ist, ein Spiel mit Verletzungsunterbrechungen, reichlich Griffen ins Trikot, nassen Spielerhaaren - und einem Turban. Charisteas musste sich nach einem Zusammenprall mit Sebastian Kehl den Kopf verbinden lassen und trabte zurück. Das kann auch ein Zeichen von Durchsetzungsvermögen sein, wenn dem Griechen schon der Torerfolg als Beweis abhanden gekommen ist. Alle Nürnberger haben solche Signale ausgesendet, gestikuliert oder in die Hände geklatscht. Dass sie den Gegner beherrschten wie zu Zeiten des Aufschwungs unter Meyer, lag auch an Adlers erfrischendem Debüt in der Startelf. Der ärgerte die Dortmunder hinten beim Aufbauspiel und fand vorne schnell ins eigene Kombinationssystem. Dortmund brachte es vor der Pause zu einer Torchance, Nürnberg hingegen zu acht Möglichkeiten, und an etlichen war der 22-Jährige beteiligt. Nur das 1:0 war wieder ein Nürnberger Produkt ohne Stürmerbeteiligung - stattdessen mit der des gegnerischen Torwarts. Galasek hatte aus 22 Metern fulminant abgezogen. Fraglich blieb nur, warum Galasek niemand am Schuss hinderte, warum sich Mladen Petric abdrehte statt sich in den Ball zu werfen, und warum Roman Weidenfeller sich erst gar nicht, dann in die falsche, und dann zu spät in die richtige Richtung bewegte.

Seine Feldspieler taten dies dann in der zweiten Halbzeit endlich so wie ein Team, dem Europacup-Ambitionen nachgesagt werden. Sie bewegten sich richtig und setzten die Nürnberger unter Druck. Die befreiten sich zwar, schafften aber keine Entlastung. Der Club hatte Glück, als der Schiedsrichter Beauchamps Eingreifen gegen Petric nicht als elfmeterwürdig wertete, der BVB, als Dede nach einer Schwalbe nicht gelbrot sah. Die Nürnberger Überlegenheit der Anfangsphase verwandelte sich in Ängstlichkeit, auch dann noch, als der BVB kaum noch gefährliche Pässe vors Tor brachte. Auf beiden Seiten wurde getreten und gebolzt und nicht mehr gespielt - bis auf einen kurzen Moment in der 90. Minute. Da kam Charisteas wie aus dem Nichts an den Ball, zog gefühlvoll aus 18 Metern ab, traf ins rechte Eck - und zeigte doch noch, warum der Club ihn geholt hat.