Bundesliga: 1. FC Köln Im Klub der Indiskreten

Wer trägt Schuld am Rücktritt von Frank Schaefer? Klar ist: Volker Finke, der das Traineramt bis Saisonende übernimmt, hat Schaefers Ansehen und Autorität geschadet. Die Probleme des 1. FC Köln fangen damit erst an.

Ein Kommentar von Philipp Selldorf

Der 1. FC Köln erhielt anerkennende Glückwünsche, als er im Dezember bekannt machte, Volker Finke zum Umzug aus Tokio ins Rheinland bewegt zu haben. Diese überraschende Lösung hatte den Charakter eines Coups, sie erinnerte ein wenig an Jürgen Klinsmanns Einzug beim DFB 2004. Man engagierte einen Mann, der jenseits der Kontinente und fern des deutschen Alltags zuhause war, um Grundlegendes im Haus zu verändern.

Der Sportdirektor Finke sollte dem FC jenen fundierten Sachverstand geben, der so lange gefehlt hatte. Und er sollte, wie Wolfgang Overath vorige Woche erklärte, als "alter Trainer" dem "jungen Trainer" zur Seite stehen. Der Präsident hatte sich zwar auf Freud'sche Weise versprochen, als er diese Äußerung machte: Frank Schaefer ist nicht mehr jung und auch kein Anfänger im Beruf, und Finke ist auch nicht nach Köln gekommen, um als Trainer zu arbeiten.

Doch nun verwirklicht sich das versteckt integrierte Rollenspiel von selbst. Der erfahrene Finke übernimmt die Aufgabe, die Schaefer nach eigener Meinung nicht mehr zu erfüllen vermochte.

Es passt zu Schaefer, zu seiner Natur und seinem Selbstverständnis als FC-Einheimischer, dass er sich zurückzieht, um der Sache - also dem Klassenerhalt - zu dienen. Und es wäre albern, Finke jetzt vorzuwerfen, dass er doch neulich noch versprochen hatte, sich keinesfalls auf die Kölner Trainerbank zu setzen. Der Klub hatte keine andere Wahl, als ihn um Hilfe zu bitten, und Finke hatte keine andere Wahl, als zuzusagen.

Die Frage ist nur, wie weit er dazu beigetragen hat, dass Schaefer so kurz vor dem Ziel mit seiner Mission gescheitert ist. Finke hat Schaefer und dessen Ansehen und Autorität geschadet, indem er sich in die Trainingsarbeit eingemischt hat. Statt sich loyal zu verhalten, trat er auf wie ein alter Trainer, der es besser weiß. Das konnte nicht verborgen bleiben in diesem indiskreten Klub.

Nun tobt in Köln ein Meinungskrieg darüber, wie sehr Finke dies bewusst war, ob er Schaefer womöglich vorsätzlich vertrieben hat. Oder ob der Fehler in der Konstruktion lag: Dass Schaefer zu sensibel und zu demütig war für die Härten des Profigeschäfts, und dass Finke zu dominant und zu sehr Trainer ist, um dem Anderen die Mannschaft zu überlassen.

Unter den FC-Fans gibt es jetzt nicht mehr viele, die Finke als Reformer willkommen heißen. Das kann sich ändern. Zum Beispiel, wenn der FC am Samstag Leverkusen besiegt. Und in der ersten Liga bleibt. Doch die Probleme hören dann nicht auf: Finke will bald wieder als Sportdirektor arbeiten. Aber wer will unter seiner Aufsicht Trainer sein?

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