Bundesliga FC Bayern vergisst die "Big Points"

In der Schlussphase des Spiels muss Bayern in Unterzahl spielen, weil Xabi Alonso Gelb-Rot sieht.

(Foto: Maja Hitij/dpa)
  • Beim 0:0 des FC Bayern in Leverkusen bringt ein Platzverweis für Xabi Alonso die Münchner aus dem Konzept.
  • Die Spieler finden sich mit dem Ergebnis ab, obwohl sie über die vergebenen "Big Points" enttäuscht sind.
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Von Philipp Selldorf, Leverkusen

Der Platzverweis? "Wir müssen nicht drum herumreiten", hat Holger Badstuber am Samstagabend im Bauch des Leverkusener Stadions gesagt und damit keinen überraschenden Ausflug in den Pferdesport ankündigen wollen. Er hatte sich bloß versprochen. Eigentlich hatte Badstuber klar und deutlich sowie klipp und klar sagen wollen, dass der Platzverweis von Xabi Alonso in einer Zeit, in der die Defensivspieler beim FC Bayern rar und rarer werden, äußerst ungelegen kommt. Badstuber ist jetzt fast der einzige - zumindest für das nächste Spiel gegen den FC Augsburg, für das Alonso gesperrt fehlen wird.

Am Samstag hatte der lange verletzte und langsam seine Form ertastende Badstuber wie schon gegen Hoffenheim in der Vorwoche mangels Alternativen gemeinsam mit dem jungen Joshua Kimmich, 20 und kein Innenverteidiger, das Münchner Tor verteidigt, hinter Xabi Alonso im defensiven Mittelfeld. "Die beiden haben das sehr gut gemacht", und die Mannschaft sei überhaupt nicht auf die Einzelleistung von Innenverteidigern angewiesen, versuchte sein Kollege Thomas Müller nach dem Spiel zu beschwichtigen. Einerseits war Badstuber fehlende Spritzigkeit und Kimmich oftmals die jugendliche Hektik anzusehen, als die Leverkusener Kießling und Chicharito auf sie zu liefen. Andererseits war dieses Spiel in Leverkusen ja mit 0:0 zu Ende gegangen. Kein Tor zugelassen, alles gut also.

Alle Münchner Spieler meckerten ein bisschen

Und deshalb ging es nach dem Spiel weniger um die Frage, wer in Augsburg verteidigen würde. Vielleicht ja der aus Moskau geliehene Serdar Tasci, sollte er seine Gehirnerschütterung rechtzeitig auskurieren. Es ging kurz um Grundsätzliches: Die Stimmung in der Mannschaft, sagten alle, sei entgegen der zahlreichen anderslautenden Medienberichte der letzten Tage gut. Den Platzverweis für Alonso hatte Badstuber hingegen nicht kommentieren wollen, er habe, sagte er, die beiden Fouls seines spanischen Mitspielers - das erste gegen Brandt, das zweite gegen Chicharito - nicht mitbekommen. Über die Strafwürdigkeit des zweiten ließ sich tatsächlich diskutieren, es war ein Foul, aber eine harte Entscheidung des Schiedsrichters Knut Kircher. Alonso hatte sich bloß vorsichtig in den Laufweg des Mexikaners gestellt.

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Die Münchner Spieler, Alonso inbegriffen, meckerten alle ein bisschen. Trainer Pep Guardiola und Matthias Sammer meckerten von der Seitenlinie aus ein bisschen mehr. Sammer erhob sich von der Reservebank und setzte eine Miene auf, als sei ein schreckliches Unrecht geschehen. "Er spielt klar den Ball!", rief Sammer mehrmals, von den Fernsehmikrofonen aufgezeichnet.

Tatsächlich hatte Alonsos Platzverweis die Bayern in einer entscheidenden Phase aus dem Konzept gebracht. Lange genug hatten sie die enervierende Gegenwehr der Leverkusener ertragen müssen, hatten sich eine Halbzeit lang auf ein unansehnliches Kampfspiel eingelassen, ohne ein einziges Mal aufs Tor zu schießen, geschweige denn dem Tor gefährlich nahe zu kommen. Das machten schon eher die Leverkusener - allerdings ebenfalls ohne Abschlüsse zu finden.

Als die Hausherren dann zur Mitte der zweiten Halbzeit erwartungsgemäß müde wurden und sich zurückziehen mussten, bekamen die Bayern die Torchancen, auf die sie so lange hatten warten müssen. Zweimal der nach einer Stunde eingewechselte Thomas Müller, einmal Robert Lewandowski, immer näher kamen die Münchner dem 1:0, und es hätte sicher noch eine heiße Schlussphase gegeben. Aber in Unterzahl sahen sich die Gäste dann selbst genötigt, der Torsicherung Priorität zu geben - und wechselten Sebastian Rode ein.

Notgedrungen fanden sich die Bayern mit dem Ergebnis ab. "Ich bin nicht so zufrieden", sagte Robert Lewandowski, "aber wenn du nicht gewinnen kannst, dann darfst du halt nicht verlieren." Auch Badstuber sprach von Enttäuschung und von einer verpassten Chance, "Big Points zu machen - wir hätten heute mit zehn Punkten Vorsprung auf Dortmund vom Platz gehen können." Der Platzverweis, sagte Müller, veränderte die Betrachtungsweise jedoch: "Wir hätten gern gewonnen, aber so vermessen dürfen wir auch nicht sein, dass wir die Situation vergessen, in der wir nach dem Platzverweis waren." Ein 0:0, am Ende zu zehnt und gegen starke Leverkusener, das müsse man dem FC Bayern ruhig mal zugestehen - das sollte das nüchterne Fazit dieses Abends sein.


Quelle: Opta Sportdaten

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